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Mächtig viel Staub wirbeln die Trecker zurzeit auf den trockenen Äckern auf. Laut Heinz Boller, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, enthalte aber gerade die pulverige Oberschicht wichtige Nährstoffe.

Landwirtschaft in Datteln

Frühlingsdürre nun schon im dritten Jahr in Folge

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DATTELN - Die Wetterprognosen für den Sommer sind aus Sicht der Bauern keine guten. Landwirt Heinz Boller will sich darauf nicht verlassen.

Es regnet wieder. Bis Sonntag sagt der Wetterbericht für Datteln Niederschläge und sinkende Temperaturen voraus. Was die Grill-Planungen vieler Dattelner zerschlägt, freut indes die Landwirte. Die legen aktuell den Mais auf ihren Feldern aus. Das Getreide ist bereits ausgesät. Nach dem Dürre-Sommer 2018 sind die Prognosen in diesem Jahr sogar noch schlechter. Eine halbe Woche mit Regen reiche da noch lange nicht aus, sagt Heinz Boller, Chef des landwirtschaftlichen Ortsvereins.

Trockenheit das dritte Jahr in Folge

„Die Temperatursprünge der letzten Wochen waren der Wahnsinn“, so Boller im Gespräch mit unserer Redaktion. Von knapp acht Grad gab es bis zum Osterfest einen Anstieg auf über 25 Grad. „Früher war der Mai der regenreichste Monat“, sagt er. Davon könne man heutzutage nicht mehr ausgehen. „Wir haben jetzt schon im dritten Jahr in Folge diese Frühjahrstrockenheit. Die Böden konnten sich über den Winter, der ebenfalls wenig Niederschlag hatte, nicht regenerieren“, so Boller. Das bedeute, dass weniger Wasser gespeichert wurde. Und nur mit Wasser verdünnt können die Pflanzen die Nährstoffe des Bodens auch aufnehmen. 800 bis 850 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr reiche laut Boller eigentlich aus, um einen guten Ertrag aus der Ernte zu bekommen, sofern es regelmäßig und gut verteilt regnet. „Bei kurzem Starkregen können die Böden die Wassermassen so schnell nicht aufnehmen“, sagt Heinz Boller. Der Boden verschlammt in der Folge oberflächlich und das weitere Wasser fließt ab, anstatt einzusickern.

Prognosen sind nicht immer richtig

Der Vorsitzende will aber zurzeit noch nicht davon ausgehen, dass die Dattelner Bauern im September wieder vor völlig vertrockneten Maisfeldern stehen – wie im letzten Jahr. „Prognosen haben etwas Negatives“, sagt Boller, „sie sind nicht immer richtig.“ Natürlich versuche die Landwirtschaft, sich mit Forschungen in der Bodenphysik oder ganzjähriger Felderbepflanzung auf die veränderten Gegebenheiten einzustellen. Wasser sei aber immer noch elementar. Und eine Bewässerung der Felder würde schnell mehr Kosten verursachen, als dass die Ernte Ertrag bringe. Eine Alternative ist der Anbau sogenannter Zwischenfrüchte. Die werden von den Bauern im Winter angebaut. Die geben auch Nährstoffe an den Boden ab, wovon dann die Hauptkulturen wie Mais oder Getreide profitieren. Gerade die lockere Bodenoberschicht, die in den letzten Tagen vom Ostwind durch die Luft gewirbelt wurde, enthalte viele Nährstoffe. Mit dem Regen in den nächsten Tagen soll zumindest der Teil, der noch auf dem Acker liegt, erhalten bleiben.

Wenn es den Pflanzen an Wasser fehlt, so Boller, reduzieren sie ihre Kornanlagen, geben also weniger Ertrag. Dennoch fangen die Landwirte immer früher mit der Felderbepflanzung an. „Sobald die Bodentemperatur acht bis zehn Grad erreicht hat“, sagt Boller. Dahinter stecke eine „arbeitswirtschaftliche Abhängigkeit“ der Bauern. Die müssen sich an den Zeitplan von Lohnunternehmern halten, die die modernen Maschinen beispielsweise für die Ernte zur Verfügung stellen. Ein Landwirt könnte sich diese meist nicht leisten und somit nicht nach Wetterlage entscheiden, wann geerntet wird.

Der Getreidehandel sei über die Jahre zu einem Weltmarkt geworden, die größten Börsen sind in Chicago sowie Paris ansässig. „Es ist verwerflich, dass mit Nahrungsmitteln an der Börse spekuliert wird, wenn nicht überall auf der Welt Menschen satt werden“, sagt Boller. Obwohl durch den Dürre-Sommer 2018 auch die Getreidevorräte angezapft werden mussten, „liegt immer noch genug auf Lager“, sagt er.

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