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Anita Schlüter las ihre eigene Geschichte im Bücherwurm.

Literaturcafé

Dem Leben und dem Tod so nahe

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DATTELN - Anita Schlüter war zu Besuch im Literaturcafé im Bücherwurm, um über ihre persönliche Nahtoderfahrung zu erzählen.

Für Anita Schlüter ist eins klar: „Das Leben ist ein Geschenk.“ Richtig schätzen gelernt hat sie das durch einige Schicksalsschläge. Einer davon war ihre Nahtoderfahrung.

Beim Literaturcafé im Bücherwurm spricht sie vor ihrem Publikum über das sensible Thema und ihrer Reise zu sich selbst. Angefangen habe alles 2009, als ihr Sohn mit einem Gehirntumor im Krankenhaus lag. Eine Freundin ihres Sohnes, Maren Limberg, hat die Krankheit und das Wachsen des Tumors drei Jahre lang begleitet und entschied sich dann, gemeinsam mit Anne Nienhaus ein Buch zu schreiben: „Memento Mori – Gedenke, dass du sterblich bist“. Und dann fing auch Anita Schlüter an, ihre Geschichte der Freundin ihres Sohnes zu erzählen.

Sie war Mitte 20, frisch verheiratet, hatte eine schwere Darmerkrankung und schon drei Operationen hinter sich. „Ich hab mich nicht geschont, ich hab gearbeitet“, erzählte Schlüter ihrem Publikum. „ Ich war 26 Jahre alt und fünf Monate verheiratet, als eine weitere OP anstand.“ Nach dem Eingriff wurde sie auf die Intensivstation gelegt. Ihr Herz stand still, die Pfleger und Ärzte haben versucht, sie wieder ins Leben zurückzuholen.

Gespannt lauschen die Zuschauer im Bücherwurm ihrer Geschichte. Sie erinnert sich daran, dass die Ärzte sie gerufen haben, aber sie erinnert sich auch, dass sie nicht weg von dem Ort wollte, an dem sich ihr Geist in diesem Moment befand. „Ich habe keine konkreten Bilder gesehen, nur Empfindungen.“ Entspannt, warm, weich und ein süßlicher Geruch. „Etwas, das ich nie wieder erleben durfte – und ich sage ganz bewusst durfte“, sagt Schlüter. „Ich wurde gegen meinen Willen zurückgeholt.“ Gleichzeitig hatte sie aber auch das Gefühl, ihren frisch angetrauten Mann nicht alleine lassen zu wollen.

Lange habe sich von dieser Erfahrung nichts und niemand erzählt. „Ich habe damals anders gedacht“, sagt sie. „Aber das hat mir die Angst vor dem Tod genommen. Mein Blick auf das Leben hat sich gewendet in den letzten Jahren.“ Noch lange nach der Vorlesung ihrer eigenen Geschichte wurden anregende Gespräche mit dem Literaturcafé-Publikum geführt. „Nach dem Tod ist es noch nicht vorbei.“ Das solle man sich auch bewusst machen, wenn ein geliebter Mensch verstirbt. „Man verliert denjenigen nicht. Die, die sich wiederfinden sollen, werden sich finden.“

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