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heodor Vehling hat bis heute einen grünen Daumen. Sein Garten im Dattelner Stadtteil Meckinghoven gleicht einer grünen Oase, die er noch immer selber pflegt.

Meisterbrief

Der Meister lässt das Gärtnern nicht

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DATTELN - Theodor Vehling hat im stolzen Alter von 92 Jahren mit gehöriger Verspätung eine Auszeichnung erhalten, die einmalig im Land ist.

Vor fünf Jahren hatte bei der Landwirtschaftskammer in Münster wohl niemand damit gerechnet, Gärtnermeister Theodor Vehling nach dem Diamantenen Meisterbrief auch noch den Eisernen überreichen zu können. Damals habe man noch gelacht, als es hieß, man würde sich dann zum Eisernen Meisterbrief wiedersehen, erinnert sich Vehling.

Die Jahre vergingen und im Juli 2018 hätte Theodor Vehling den „Eisernen“ tatsächlich erhalten müssen. Doch gemeldet hat sich niemand. „Da hab ich halt zum Telefon gegriffen und denen in Münster mal Bescheid gesagt, dass ich noch da bin“, erzählt er augenzwinkernd. Theodor Vehling ist bislang der einzige, der in NRW den Eisernen Meisterbrief im Garten- und Landschaftsbau erhalten hat. Eigentlich wollte er als junger Mann Tiermediziner werden, doch die Geschichte machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Nach dem Krieg zurück in die Heimat

Theodor Vehlings Brüder waren kurz vor Ende des 2. Weltkriegs gefallen, die Mutter in Datteln war allein auf dem Hof der Familie in Meckinghoven. Auch Vehling selbst wird noch kurz vor Ende des Kriegs durch einen Granattreffer schwer verletzt. „Die Splitter stecken noch heute in meinem linken Arm und im Bein. Um aber aus dem Kommiss (Militärdienst, Anm. d. Red.) entlassen zu werden, musste man entweder eine Ausbildung im Bergbau oder in der Landwirtschaft antreten“, so Vehling, der heim zur Mutter wollte. Er entschied sich für den Beruf des Gärtners: „Auf der Penne hatte ich ja auch Latein gelernt. So fiel es mir leicht, mir die ganzen botanischen Begriffe zu merken.“

Ausgebildet wurde Theodor Vehling quasi in der Nachbarschaft, bei der Baumschule Wegmann in Horneburg, später wechselte er zu Kreisgärtnerei. „Das war eine schöne Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe“, so Vehling. Gerne hätte er als Geselle die Welt bereist, um seinen Horizont zu erweitern. „Mir wurde damals zum Beispiel angeboten, an der französischen Riviera auf einer Kaktus-Farm mitzuarbeiten“, erinnert er sich. Doch die Mutter war nach wie vor auf seine Hilfe angewiesen und Vehling blieb in Datteln. Seine Arbeit habe ihm im Lauf der Jahre auch geholfen, die Kriegsverletzungen zu überwinden: „Das viele Herumfahren mit der Schubkarre hat mir den Arm wieder gerade gezogen“, sagt er schmunzelnd. Am 22. Juli 1953 legte Theodor Vehling seine Prüfung in der Fachrichtung Obst- und Gemüsebau mit einem Einser-Durchschnitt ab.

30 Jahre beim Gartenamt der Stadt Datteln

Ab 1958 arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 1988 beim Gartenamt der Stadt Datteln. Bürgermeister André Dora gratuliert ihm darum von Herzen: „Dafür muss man schon einen sehr großen grünen Daumen haben, um diesen Job so lange so gewissenhaft durchzuführen. Dass dieser Titel NRW-weit zum ersten Mal in Datteln verliehen wurde, macht mich schon ein wenig stolz, zumal Theodor Vehling viele Jahre bei der Stadt Datteln in leitender Funktion tätig war.“

Nach 25 Jahren, wenn die Handwerksmeister noch mitten im Berufsleben stehen, wird der Silberne Ehrenmeisterbrief verliehen. - Nach 50 Jahren erhält man den Goldenen Ehrenmeisterbrief. - Den Diamantenen Ehrenmeisterbrief erhält man nach 60 Jahren. - Einen Eisernen Ehrenmeisterbrief erhält man nach 65 Jahren. - Ehrenmeisterbriefe sind nicht mit Urkunden gleichzusetzen und sind damit keine Dokumente im rechtlichen Sinne. Sie sind deswegen in ihrer Gestaltung frei.

Auch heute noch ist Theodor Vehling regelmäßig im eigenen Garten anzutreffen. Sein Grundstück ist bestens gepflegt, der Garten ein kleines Paradies. Der Rasen ist perfekt geschnitten und auch die Büsche hat Theodor Vehling durch gekonnten Beschnitt in Form gebracht. Auf die Frage, wie es ihm denn mit seinen 92 Jahren gesundheitlich ginge, antwortet er lachend: „Wissen Sie, wenn ein Arzt bei einem Menschen meines Alters nichts finden kann, dann taugt er nichts.“

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