Nach Silvesterdrama Unterschenkel verloren

Opfer nimmt Entschuldigung des Angeklagten nicht an

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DATTELN - Dieser Auftritt war bedrückend: Im Prozess um das Silvesterdrama im Wellnesshotel Jammertal hat am Dienstag die Mitarbeiterin ausgesagt, die bei dem Unglück einen Unterschenkel verloren hat.

Es war die Nacht auf den 1. Januar 2016, als die 26-Jährige Hotelfachfrau von querschießenden Raketen getroffen worden war. Danach sei sie auch schon zu Boden gegangen. „Ich habe nur noch geschrien“, sagte die Frau aus Datteln im Prozess am Bochumer Landgericht.

Was genau passiert sei, habe sie erst später im Krankenhaus begriffen. „Ich weiß noch, dass ein Mann mit einem weißen Kittel vor mir stand und gesagt hat: Da ist nichts mehr zu machen.“ Amputation, Rollstuhl, Prothese und Reha: Seit fast zwei Jahren kämpft die 26-Jährige gegen Schmerzen, Tücken des Alltags und psychische Folgen. „Mein Leben hat sich komplett verändert“ sagte sie den Richtern. Sie habe praktisch ganz neu laufen lernen müssen. „Egal, was ich mache: Ich muss mir vorher immer genau überlegen, ob ich das schaffe.“ Außerdem träume sie manchmal noch immer von der Nacht des Unglücks.

3 000 Euro Schmerzensgeld

Der angeklagte Gastronom aus Dortmund, der die später umgestürzte – und in Deutschland nicht zugelassene – Raketenbatterie damals vor dem Jammertal gezündet hatte, versuchte, sich im Prozess bei der 26-Jährigen zu entschuldigen. Das hat die Frau aus Datteln aber nicht zugelassen. „Dafür ist es jetzt auch zu spät“, sagte sie. Schließlich sei der Angeklagte nach dem Unglück erst einmal untergetaucht und habe gehofft, nicht entdeckt zu werden. 3 000 Euro Schmerzensgeld sollen inzwischen an die Hotelfachfrau gezahlt worden sein. Ein Bruchteil dessen, was gefordert wird.

Die 26-Jährige hat Angst, dass ihre Schmerzen nie wieder verschwinden. Zumindest arbeiten kann sie wieder. Nach einer monatelangen Wiedereingliederungszeit ist die Hotelfachfrau wieder bei einem Vollzeitjob angekommen. Das Laufen mit der Prothese ist aber noch zu schwierig. In ihrer Wohnung steht deshalb immer noch ein Rollstuhl.

Die Anklage lautet auf Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und fahrlässige Körperverletzung. Der Prozess wird fortgesetzt.

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