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Zugegeben, wirklich gut zu erkennen ist der Fischotter auf der nächtlichen Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Fotofalle nicht. Suchtipp: Ein Auge reflektiert das Infrarot-Blitzlicht. Ein Bild mit dokumentarischem Wert.

Naturschutz

Nachts geblitzt: der Fischotter

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DATTELN - Ein Foto lässt Naturfreunde jubeln, denn die Aufnahme belegt die Rückkehr eines Raubtieres – ein weiteres Indiz für gelungenen Naturschutz.

Bilder von Überwachungskameras zeigen für gewöhnlich nichts Gutes. Doch diese Nachtaufnahme eines Räubers lässt Naturfreunde jubeln: Der Fischotter ist zurück in Datteln. Anfang März ist er mitten in der Nacht in eine Fotofalle bei Haus Vogelsang getappt.

Eine kleine tierische Sensation ist das. Schließlich galt das Raubtier 60 Jahre lang als ausgestorben in Nordrhein-Westfalen. Seit 2009 hat sich am Heubach bei Hausdülmen eine kleine Fischotter-Kolonie entwickelt. Und auch bei Haltern ist der scheue Jäger nachts schon fotografiert worden. An der Lippe bei Ahsen waren schon Spuren des bis zu 1,20 Meter großen Tieres (inklusive Schwanz) gefunden worden. „Aber der Fotobeweis ist großes Glück. Das hat lange gedauert“, sagt Niels Ribbrock vom Verein Biologische Station Kreis Recklinghausen.

Der Fischotter-Fotobeweis sorgte auch im Haus Vogelsang für gute Laune: „Dass wir den Fischotter jetzt in der Lippeaue nachweisen konnten, ist für uns eine positive Erfolgskontrolle und zeigt, dass wir mit unseren Renaturierungsmaßnahmen erfolgreich sind“, freut sich Tobias Kraft von der Landschaftsagentur Plus. Die Rückkehr der Störche war ein erster Beweis dafür, dass sich Flora und Fauna prächtig entwickeln. Jetzt passen Lebensraum und Nahrungsangebot offenbar auch wieder dem Fischotter. „Wenn sich ein Fischotter dauerhaft in einem Gebiet aufhält, ist das ein Zeichen dafür, dass das Ökosystem gut funktioniert“, sagt Ribbrock.

Einsamer Jäger oder Familienvater?

Wie viele Fischotter in der Lippe am Haus Vogelsang, im Klosterner Mühlenbach, den Gräften des Wasserschlosses und den nahegelegenen Fischteichen jagen, wissen die Experten allerdings noch nicht. Vermutlich ist der nachts geblitzte Fischotter ein einsamer Jäger. „Otter-Männchen haben ein Revier von 20 bis 30 Kilometern Fließstrecke und dulden dort keine Rivalen. Dazu kommen zwei, maximal drei Weibchen“, sagt Ribbrock. Der nächste große Foto-Glücksfall wäre, „wenn sich ein Familienverband von Mutter mit Jungtieren vor der Kamera präsentieren würde“. Aufzuchten sind bei Hausdülmen schon vorgekommen, in Datteln bisher noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Ein bis vier Junge bekommen Otterweibchen pro Jahr. Die müssen sich dann neue Reviere suchen. Fischotter sind schnelle Schwimmer, legen weite Strecken zurück und werden in freier Wildbahn durchschnittlich acht bis 13 Jahre alt. Sie fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt: Fische, aber auch Ratten, Frösche, Würmer und Insekten. „Auch ein Hund würde mit einem Otter richtig Probleme haben“, sagt Niels Ribbrock. Aber an der Lippe sollen Hundebesitzer ihre vierbeinigen Freunde ja sowieso an die Leine nehmen.

Seminar für Spurensucher

Wer mehr über den Fischotter erfahren möchte, sollte sich folgende Veranslatung vormerken: „Der Fischotter ist wieder zurück in NRW - Schulung und Fortbildung zum Spurensucher Fischotter“. Das Seminar findet statt am 3. bis 4. November auf Haus Vogelsang, Vogelsangweg 21-23, und ist eine Kooperation der NUA NRW (Natur- und Umweltschutz-Akademie), der Biologische Station Kreis Recklinghausen e.V. und der Landschaftsagentur Plus. Kosten: 35 Euro. Anmelden über Homepage der NUA:

An flachen Flüssen mit zugewachsenen Ufern und in Überschwemmungsgebieten fühlt sich der Fischotter wohl. Da solche Lebensräume in den vergangenen Jahrzehnten mit der Begradigung von Flüssen knapp geworden sind, wurde auch der Fischotter selten. Jetzt ist er zurück an der Lippe, deren Renaturierung mit Millionenaufwand gerade in vollem Gange ist.

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