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Der städtische Bauleiter Arnold Waldera auf „seiner“ Großbaustelle auf der Castroper Straße. Der skeptische Blick täuscht, für die kommenden Bauabschnitte ist er sehr zuversichtlich.

Neue Kanalisation in Datteln

Großbaustelle mit Startschwierigkeiten

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DATTELN - Vor der Schüppe ist es dunkel. „Diese Ruhrpott-Weisheit hat sich jetzt auch auf der Castroper Straße bewahrheitet“, sagt Bürgermeister André Dora. Im Untergrund der Baustelle lauerten böse Überraschungen.

Bekanntlich wird auf Dattelns Hauptverkehrsader auf einer Länge von rund einem Kilometer eine neue Kanalisation gebaut. Der etwa 100 Jahre alte Abwasserkanal ist marode. Er wird durch einen neuen Mischwasserkanal und eine Drainage für das saubere Grundwasser ersetzt.

Und gleich im ersten, dem kompliziertesten Baufeld stießen die Bagger auf unliebsame Überraschungen: „In fünf Metern Tiefe fanden sich alte Fundamente, von denen niemand etwas wusste. Zudem machte das hochstehende Grundwasser Probleme“, erklärt der städtische Bauleiter Arnold Waldera. Obendrein machte der Kampfmittel-Räumdienst der Bezirksregierung zwei Bomben-Verdachtspunkte aus, die untersucht werden mussten. Ergebnis: Die Bauzeit für den ersten Teilabschnitt hat sich mal eben verdoppelt.

„Ab jetzt kommen wir gut voran, aber den Zeitverlust holen wir nicht mehr rein. Nach jetzigem Stand werden wir wohl erst Mitte 2019 mit dem Bau der Kanalisation fertig werden“, schätzt Arnold Waldera.

Keine gute Nachricht für gestresste Pendler, denn auch ohne Großbaustelle ist Dattelns Hauptschlagader schon das Zentrum täglicher Staus. Auch die Geschäfte in Höhe des ersten Baufeldes wurden von Verzögerung und Stillstand hart getroffen: „Einige Geschäfte waren über Wochen nicht anzufahren. Aber aus bautechnischen und Sicherungs-Gründen war das unvermeidbar“, berichtet Arnold Waldera. „Wir standen aber in ständigem Kontakt und haben jede erdenkliche Notlösung angeboten.“

Eine Großbaustelle in einer dicht bebauten Innenstadt ist immer eine schwierige Sache. Das liegt in der Natur der Sache, sagt Arnold Waldera. Die Stadt hat auf die besonderen Anforderungen reagiert, indem sie die Erneuerung der Kanalisation in acht Etappen aufgeteilt hat: „Wir beginnen mit einem neuen Teilstück erst, wenn das vorhergehende komplett fertiggestellt und die Fahrbahn für den Verkehr wieder freigegeben ist“, erklärt der Ingenieur. „Das dauert dann zwar länger, sorgt aber dafür, dass die Verkehrsbehinderungen und die Einschränkungen für Anwohner und Geschäfte so gering wie möglich gehalten werden.“

Im Bereich der jeweiligen Baustelle wird die „Castroper“ verschwenkt und im Zwei-Richtungsverkehr am betreffenden Teilstück vorbeigeführt, wobei der Standstreifen zur Fahrbahn wird. Bislang funktioniert diese Variante.

3,6 Millionen Euro investiert Datteln, um seine Infrastruktur zukunftsfähig zu machen und auch für Starkregen-Ereignisse gewappnet zu sein. Der Durchmesser der Kanalisation wird auf einen Meter verdoppelt. „Außerdem ist es effektivster Umweltschutz, den wir da betreiben. Und Geld spart es am Ende auch, denn künftig wandert das saubere Grundwasser nicht in die Kläranlage, sondern wird über die Drainage in den dann renaturierten Mühlenbach fließen. Das spart ganz ordentlich Gebühren“, sagt Bürgermeister André Dora.

Aber mit der Geduld und Akzeptanz der Bürger für das Projekt ist es nicht ganz so einfach, denn wie sagt es Bürgermeister André Dora so treffen: „Wir stecken ganz viel Geld in ein riesiges Bauvorhaben und hinterher sieht keiner was.“

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