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Jennifer Barnhofer vom Pflegekinderdienst ist auf der Suche nach zukünftigen Pflegeeltern für Kinder.

Pflegefamilien

Für Kinder da sein in Krisensituationen

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DATTELN - Vielen Kindern und Jugendlichen ist es nicht möglich, in ihrer Herkunftsfamilie zu wohnen. Deshalb sucht das Jugendamt Pflegefamilien.

Der Weg, ein Pflegekind zu werden, ist unterschiedlich. „Jedes Kind bringt einen Rucksack mit unterschiedlichen Erfahrungen mit“, sagt Jennifer Barnhofer vom Pflegekinderdienst der Stadt Datteln. Einige Kinder wurden plötzlich zu Vollwaisen, bei anderen machen die Eltern einen Entzug oder befinden sich im Krankenhaus oder in Haft. Wenn solche Situationen eintreffen oder festgestellt wird, dass das Kindeswohl in Gefahr ist, greift der Pflegekinderdienst ein.

Zehn Kinder mit verschiedensten Schicksalen hat ein Ehepaar aus Datteln, das namentlich nicht genannt werden möchte, in den letzten Jahren bei sich aufgenommen. „In acht Jahren haben wir nur schöne Erlebnisse gehabt“, erinnert sich der Pflegevater zurück.

Zwei Arten von Pflegefamilien

Bei Pflegefamilien unterscheidet man zwischen zwei Möglichkeiten: Der dauerhaften Pflegefamilie und der Bereitschaftspflegefamilie, die auch das Ehepaar für einige Kinder war. Bereitschaftspflegefamilien nehmen Kinder in akuten Krisensituationen bei sich auf – häufig innerhalb kürzester Zeit – immer in besonders belasteten Situationen und in der Regel ohne etwas über die Vorgeschichte und die Besonderheiten des Kindes zu wissen.

„Ziel des Konzepts ist es, kurzzeitig Plätze für die Kinder und Lösungen mit den Herkunftsfamilien zu finden“, sagt Jennifer Barnhofer. Im besten Fall sollen die Kinder zu ihrer leiblichen Familie zurückkehren – natürlich nur, solange das Kindeswohl nicht gefährdet ist.

Enge Zusammenarbeit mit Herkunftsfamilie

Dabei arbeitet das Jugendamt eng zusammen sowohl mit der Pflege-, als auch mit der Herkunftsfamilie. „Wir sind nur für das Wohl des Kindes da“, weiß der Pflegevater. Daher sei es auch wichtig, sich bewusst zu sein, dass das Kind die Familie auch wieder verlässt. „Zu manchen Kindern haben wir aber immer noch Kontakt.“ Eines ihrer Pflegekinder hat die Familie sogar ganz bei sich aufgenommen und adoptiert.

An das erste Pflegekind kann sich das Ehepaar noch gut erinnern, ein elf Wochen altes Baby. „Wir waren damals auf dem Kanalfest, als der kleine Junge zu uns sollte“, erinnert sich die Dattelnerin. „Ich hab gesagt, wir müssen schnell nach Hause, wir bekommen ein Kind.“ Ganz nervös habe das Paar die Nacht am Bettchen des Kleinen verbracht. Heute können sie darüber schmunzeln.

Die Entwicklung der Kinder mit zu verfolgen, auch wenn es teilweise nur für kurze Zeit der Fall ist, habe den beiden große Freude bereitet. Dabei stehe das Jugendamt „jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung“. Eine Zusammenarbeit, so Barnhofer, zwischen der Pflegefamilie und der Herkunftsfamilie sei am besten für das Kind. „Wir versuchen, alle Akteure des Systems aufzufangen, um die Entwicklung des Kindes bestmöglich zu unterstützen.“

Einen einheitlichen Standard, was die Voraussetzungen sind, um Pflegeeltern zu werden, gibt es nicht. In Gesprächen, bei einem Hausbesuch und anhand eingereichter Unterlagen wird geprüft, ob sich die Bewerber und die Fachkräfte eine Zusammenarbeit vorstellen können. Sollte dies gegeben sein, nehmen die Bewerber an dem Vorbereitungsseminar für Pflegeeltern im Förderschulinternat Schloss Horneburg teil.

Der Pflegedienst freut sich über Bewerber. Unverbindliche Informationsgespräche und Beratungen bei: Stadt Datteln Pflegekinderdienst Jennifer Barnhofer & Dana Tumbrink Tel. 02363/107-328 @ www.datteln.de

Ein Heimplatz ist deutlich teurer - 65 Kinder sind aktuell in 52 Pflegefamilien untergebracht. Diese Zahl nennt Stadtsprecher Dirk Lehmanski auf Anfrage. Da die Betreuungskapazitäten ausgeschöpft sind, werden Kinder auch gelegentlich von Pflegeeltern außerhalb Dattelns aufgenommen. - Die Betreuung in einer Familie ist natürlich für das betroffene Kind schöner als die Unterbringung in einem Heim. Allerdings spielt hier auch die Finanzierung für die Stadt eine Rolle. Eine Pflegefamilie erhält monatlich 800 bis 1000 Euro. Die Summe setzt sich aus dem Pflegegeld, das auch einen Erziehungsbeitrag für die pädagogische Arbeit beinhaltet, und einem Zuschuss für den Lebensunterhalt des Kindes (Essen, Kleidung etc.) zusammen. Zudem sind einmalige Zuschüsse z.B. für eine Ferienreise möglich. Ein Heimplatz kostet dazu im Vergleich monatlich im Durchschnitt 4700 Euro. - Die Kosten für die Unterbringung von Pflegekindern muss die Stadtverwaltung alleine tragen, Zuschüsse gibt es nicht.

„Als Pflegeeltern zu arbeiten, ist wirklich eine tolle Sache“, sagt die Dattelnerin. Für das Ehepaar endet nach acht Jahren – mit inzwischen einem Alter von Mitte 60 – ihre Zeit als Pflegeeltern.

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