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Wolfgang Mueller (li.), Marie-Theres van Almsick und Daniel Teichmann vom St. Vincenz.

Pflegepersonal-Verordnung

Der Untergrenze fehlt es an Flexibilität

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DATTELN - Für das St. Vincenz ist die neue Verordnung in pflegeintensiven Bereichen Fluch und Segen zugleich, für Patienten ist sie durchaus positiv.

Seit dem Jahreswechsel gleicht die Personalplanung der Pflegekräfte im St.-Vincenz-Krankenhaus einem hautengen Korsett – großen Spielraum gibt es nicht mehr. Grund dafür ist die Personaluntergrenzen-Verordnung, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zum 1. Januar für pflegeintensive Krankenhausbereiche, also Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie, eingeführt hat.

Eine Pflegekraft auf der Intensivstation ist nun für maximal 2,5 Patienten pro Tagesschicht und 3,5 Patienten pro Nachtschicht zuständig. In der Geriatrie am Waltroper St.-Laurentius-Stift kommen tagsüber zehn Patienten auf eine Pflegekraft, in der Nacht sind es 20. Diese Zahlen gelten auch für die Unfallchirurgie. In der Kardiologie sind es zwölf Patienten am Tag und 24 in der Nacht.

Unterschiedliche Pflegebedürftigkeit

Diese Vorgaben sind zwar keine unüberwindbaren Hürden, wie Wolfgang Mueller, Geschäftsführer der Vestischen Caritas-Kliniken GmbH, bestätigt, sie schränken wohl aber die Flexibilität in der Personalplanung von Pflegedienstleiter Daniel Teichmann ein. Dieser konnte vor der Verordnung selber abschätzen, wie hoch die Pflegebedürftigkeit der untergebrachten Patienten ist. „Es kann zwei Patienten geben, die einen höheren Pflegebedarf haben und eine zuständige Pflegekraft brauchen. Es kann aber auch fünf Patienten mit geringerem Bedarf geben, die auch von einer Pflegekraft versorgt werden könnten“, sagt Teichmann.

„Ich bin mir sicher, dass wir im Regelfall unsere Patienten adäquat versorgen konnten“, ist sich Wolfgang Mueller sicher. Aus Sicht der Patienten hat die Einführung der Untergrenze durchaus positive Aspekte. Sie stellt sicher, dass Patienten, unabhängig vom Bedarf, von einer festgelegten Zahl an Pflegekräften versorgt werden.

Untergrenze sorgt für Mehrbedarf

Das ganze Jahr 2018 habe die Branche das Thema Pflegepersonal begleitet. Eine Einigung habe nicht vollzogen werden können. „Dann kam das Ministerium mit den Personaluntergrenzen. Jens Spahn muss das fertige Papier wohl schon in der Schublade liegen gehabt haben“, vermutet Mueller.

Er selber eckt bei der offiziellen Formulierung an: „Mit zwei Maßnahmen sorgen wir darum für ausreichend Pflegepersonal“, heißt es. „Unter dem Strich haben wir durch die Personaluntergrenzen nun aber einen Mehrbedarf an Pflegekräften. Die Lücke wird dadurch nur größer, denn Herr Spahn kann uns keine Mitarbeiter besorgen, wo auf dem Markt keine Mitarbeiter sind“, erklärt Mueller. Die neue Verordnung stößt ihm noch in einem zweiten Punkt sauer auf. Die Personalstärke, die nun als Untergrenze auf Intensivstationen festgelegt ist, entspricht den Zahlen, die die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) als Idealbesetzung in der Pflege ansieht.

„Eine Untergrenze muss meiner Meinung nach aber deutlich unter einer normalen Besetzung liegen“, merkt der Geschäftsführer der Vestischen Caritas-Kliniken an. „Dass der Wunsch einer Fachgesellschaft dann der Zahl der Untergrenze entspricht, das hat in der Branche alle überrascht.“ „Ich kenne zudem auch kein Krankenhaus, das nicht in drei Schichten arbeitet“, sagt Mueller. Die neue Verordnung beschränkt sich derweil ausschließlich auf die Unterteilung in Tag und Nacht, was die Einteilung der Pflegekräfte zusätzlich erschwert.

Wolfgang Mueller sieht die Umstrukturierungen, die Gesundheitsminister Jens Spahn im Pflegesektor vorgenommen hat, aber auch als große Chance, deutlich mehr Personal einzustellen. So greift seit dem 1. Januar auch das „Sofortprogramm Pflege“, das den Krankenhäusern ermöglicht, Pflegestellen am Bett vollständig von den Krankenkassen refinanzieren zu lassen. „In dem Zuge haben die Ausschreibungen für neues Personal natürlich deutlich zugenommen“, sagt Müller. Da der Pflegeberuf allerdings mit einem Imageproblem behaftet ist, gestaltet sich das Besetzen der neuen Stellen als nicht gerade einfach. Es entsteht ein Wettbewerb um die ausgebildeten Pfleger.

23 Stellen neubesetzt

Das St. Vincenz setzt daher auf Kräfte, die im eigenen Haus ausgebildet wurden: Gleich 23 neue Mitarbeiter aus den eigenen Ausbildungskursen wurden zum 1. Oktober eingestellt, bestätigte Pflegedirektorin Marie-Theres van Almsick. Ein Problem stellen die Untergrenzen für Wolfgang Mueller und sein Team daher nicht dar. Wie lange diese neuen Vorgaben aber gelten und wie sich die Untergrenzen, die schon 2020 in der Intensiv-Pflege auf zwei Patienten pro Pflegekraft tagsüber und drei Patienten in der Nacht angehoben werden, in der Zukunft entwickeln werden, bleibt noch offen.

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