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Arnold Lasarz präsentiert eine Auswahl aus dem Sortiment. Für Obst gibt es im Edeka-Markt bereits wiederverwendbare Polyester-Tüten.

Plastik

Einweg-Plastik und die Suche nach Alternativen

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Datteln - Das EU-Parlament stimmt für ein Verbot. Während das Material im Supermarkt überall ist, sind Imbiss-Besitzer weniger betroffen.

Eine Alternative zu Plastikgabeln? Danach braucht Quoc Tuan Nguyen nicht lange zu suchen. Direkt neben dem herkömmlichen weißen Geschirr aus Plastik liegen in seinem Restaurant „FU“ in der Stadtgalerie hölzerne Essstäbchen. Beliebt sei das typisch asiatische Besteck bei seinen Kunden. Schließlich sind so Nudeln, Sushi oder Reis mit der richtigen Technik mühelos und umweltfreundlich zu genießen. Von der anhaltenden Diskussion über Einweg-Plastik und dem in der EU beschlossenen Verbot für Einweg-Plastikartikel haben Nguyen und andere Geschäftsinhaber in Datteln schon gehört. Auch erste Alternativen haben sie sich schon überlegt.

Quoc Tuan Nguyen würde dem Vorbild der Essstäbchen auch bei den Gabeln folgen und diese in Zukunft dann aus Holz anbieten. Seine Verpackungen sind entweder aus Styropor oder mit Kunststoff beschichteter Pappe. Wie üblich, gibt er in seinem Geschäft aber auch eine Plastik-Tüte dazu. „Es wäre möglich, unsere Verpackungen mit einem Henkel zu versehen“, sagt Nguyen auf der Suche nach Möglichkeiten, Plastik die Rote Karte zu zeigen. Ein paar Mal schon habe er seine Spezialitäten in von Kunden mitgebrachte Gefäße gefüllt und verkauft. Bei der Menge entscheidet nach jahrelanger Erfahrung das „Augenmaß“.

Der Döner ist weniger betroffen

Anfragen dieser Art gab es beim Schnell-Restaurant „Mahlzeit“ in der Stadtgalerie noch nicht. Geschäftsführer Norick Schnitger und Besitzer Sergen Uzun stehen dem aber offen gegenüber: „Der Kunde ist König“ sagen sie und befüllen ohne große Nachfrage die von unserer Redaktion mitgebrachte Metall-Schale mit Dönerfleisch. Auch das Abpacken der richtigen Menge sei dabei kein Problem. „Uns wurde mal ein Liter unserer selbstgemachten Currysoße abgekauft“, so Uzun.

Dabei habe der Kunde ebenfalls ein eigenes Gefäß mitgebracht. Das Geschäft mit dem Döner sei von der Plastik-Debatte generell aber eher weniger betroffen. Die türkische Fladen-Spezialität gibt es in einem dünnen Papier und wird dann mit Alufolie verpackt. Tüten und Strohhalme gibt es aber auch dort. „Einige Kunden bringen ihre eigenen Tüten schon jetzt mit“, sagt Uzun. Schon bald will er sich für ein mögliches Verbot von Plastik-Produkten rüsten.

Die Kunden von Reformhaus-Filialleiterin Christiane Becht-Baran sind nicht erst seit der Abstimmung im EU-Parlament am vergangenen Mittwoch auf die Plastik-Thematik aufmerksam geworden. „Manche wollen sogar die Papiertüten für das Brot nicht nutzen und bringen lieber ihre eigenen Beutel mit“, sagt sie. Eine plastikfreie Zone ist das Reformhaus an der Castroper Straße aber nicht. „Beim Einkaufen kommt man schwer an Plastik vorbei. Einige Lebensmittel wie Nüsse würden sonst durchfetten.“ Auch Nudeln oder Pflegeprodukte sind zum Teil von Plastik umhüllt.

Es gibt aber auch Varianten für Kunden, die bewusst auf ihren Plastikverbrauch achten: Haarseife ist zum Beispiel eine Lösung für diejenigen, die sich nicht alle zwei Wochen ein neues Shampoo in der Plastikflasche ins Badezimmer stellen wollen. Sogar einen „Öko-Kassenbon“ will die Filialleiterin demnächst im Reformhaus einsetzen.

Ohne Plastik kein Supermarkt

Auch Supermärkte setzen derzeit viele Hebel in Bewegung, um Plastik einzusparen. Wenn Arnold Lasarz aber durch seinen Edeka-Markt an der Schachtstraße blickt, dann muss er doch ein eher ernüchterndes Urteil fällen: „Wenn Plastik nun ganz verboten werden würde, könnte ich den Laden dicht machen.“ Edeka habe in der Vergangenheit gerade bei Eigenmarken an Plastik-Verpackungen eingespart. Bei der Premiumlinie „Edeka Select“ verwendet der Supermarkt recyclinggerechtere Verpackungen mit einem geringen Plastik-Anteil. Für Obst und Gemüse gibt es zudem Mehrweg-Tüten aus Polyestergewebe. Fünf Tüten sind in einem Beutel enthalten. „Damit kann eine längere Zeit eingekauft werden, ohne jedes Mal eine neue Plastiktüte zu verbrauchen“, bestätigt Lasarz.

Eine negative Entwicklung gab es im Obst- und Gemüse- Bereich aber hinsichtlich der verzehrfertigen Produkte: Geschälte Ananas, Himbeeren oder Weintrauben sind gerade bei berufstätigen Kunden beliebt. In einer verschlossenen Plastikverpackung sind die Produkte gut mitzunehmen und unterwegs verzehrbar. „Der Kunde will auch sehen, was er kauft. Da fällt mir bis auf Plastik spontan keine Verpackungsmethode ein, die das garantiert“, sagt Lasarz.

Auch bei Wurst- und Fleischprodukten sei eine Plastikverpackung der Standard. Hinter den Kulissen fällt außerdem noch eine Menge Müll bei den Produktpaletten an, die zum Großteil noch komplett mit Plastik überzogen angeliefert werden. Im Falle von Gabeln, Bechern oder Tellern hat Arnold Lasarz bereits schon vor dem EU-Beschluss nach Alternativen gesucht: „Wir haben bereits Bio-Einwegprodukte aus Eukalyptus bestellt.“ Neben Einkaufskörben aus Pappe oder Papiertüten geht Lasarz damit einen weiteren Schritt in eine umweltfreundlichere Richtung.

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