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Ein großartiges Slammerteam lieferte sich eine verbale Schlacht beim achten Poetry-Slam im Bücherwurm. Achim Leufker, Theresa Sperling, Jan Schmidt, Tobias Reinartz, Beatrice Wypchol, Juston Busse umrahmen den Sieger Eric Jansen. Gastgeber Wolfgang Tänzer und Moderator Christofer Rott (unten re) freuen sich mit.

Poetry-Slam

Großes Wörter-Kino und ein leuchtender Preis

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Datteln. - Kein Platz bleibt beim achten Poetry-Slam im Bücherwurm frei. Sieben Slammer treten im Kampf um den Goldenen Bücherwurm an.

Der Sieger heißt zum Schluss Eric Jansen. Er ist ein Bauingenieur mit Sinn für Krisen. Beim achten Poetry-Slam finden sich Wiederholungstäter vor und auf der Palettenbühne im Bücherwurm. Sie alle wollen nur eines: verbalen Spaß. Moderator Christofer Rott erklärt den wenigen Neulingen, worum es bei diesem besonderen Vergnügen geht: „Ein Poetry-Slam ist ein Wettbewerb mit Worten, bei dem die Slammer selbst geschriebene Geschichten, Dialoge oder andere Texte dem Publikum vortragen. Sechs Minuten hat jeder Zeit.“

Nur die eigene Performance zählt

Die im Vorfeld ausgewählte Publikumsjury vergibt Punkte und bestimmt den Sieger. Nicht erlaubt sind Musikbegleitung, Gesang, Kostüme oder andere Hilfsmittel. Es zählt nur die persönliche Performance. Die sieben Slammer sind bestens vorbereitet, sie wissen, das Dattelner Publikum ist gnadenlos. Achim Leufker erzählt über die Aufreger in seinem Leben. Er gibt alles, weiß aber, dass er als erster ausgeloster Starter wenig Chancen auf den ersten Platz hat. Die Unkerei bewahrheitet sich, Leufker gerät ins Mittelfeld.

Anders Beatrice Wypchol. Sie erzählt von den gesellschaftlichen Rahmen, die wenig Platz lassen, der Mensch zu sein, der man gerne wäre. Donnernder Applaus folgt, 46 Jurypunkte weisen den Weg ins Finale. Das Publikum lechzt nach mehr, Theresa Sperling füttert mit mutigen, politischen Worten und prangert an. Sie erzählt von Fatma, einer jungen „Wüstenblume“, die nichts als lernen wollte. „Nach zwei Jahren Schule kam aber das Leben dazwischen.“ Das Publikum schweigt atemlos, die Wahrheit in dem Text macht sprachlos.

Ein Frischling mischt sich unter die Kampferprobten: Jan Schmidt ist für einen erkrankten Slammer eingesprungen und macht sein ganz eigenes Ding. Er ermuntert alle, an seinem Sprachkurs „Siegerländer Platt“ teilzunehmen und erntet schallendes Gelächter. Weil das erfahrene Jurypublikum aber zwischen netten Witzen und abgefahrener Prosa und Lyrik genau entscheidet, gibt es für den Vortrag nur 38 Punkte.

Tobi Reinartz ist zum vierten Mal dabei, er hat bisher nur an Erfahrung in der Kanalstadt gewonnen, das bleibt auch bei diesem Poetry-Slam so. Trotz seines witzigen Plädoyers für Kunst mit Senf und dem Aufruf, endlich die Seerosen von Monet in die Freiheit zu entlassen, reicht es nicht für einen Sieg.

Berührend und nachdenklich

Juston Busse erzählt von besonderen Lebensmomenten, als er selbst in die Obdachlosigkeit geriet. Ein Text, der berührt und nachdenklich stimmt. Busse hat Orte sehen dürfen, die er vorweg nie wahrgenommen hat. Eric Jansen erklimmt die Bühne. Er versprüht schillernde Seifenblasen, jedes seiner Worte entzündet Kopfkino. Sein beschriebenes Kriegsgeschehen nach dem Fall der ersten Schneeflocke lässt ihn ins Finale mit Beatrice und Theresa einziehen.

Dort schenken sich alle drei nichts, ihre Folgebeiträge sind großes Wörter-Kino. Das Publikum kann sich nicht entscheiden, sein Schlussapplaus soll den Sieger bestimmen, aber der frenetische Beifall für jeden macht das unmöglich. Rott befragt ein letztes Mal die Jury und die entscheidet sich für Eric Jansen.

Gastgeber Wolfgang Tänzer hat für den Wiederholungssieger einen besonderen Preis vorbereitet: Der Goldene Bücherwurm glänzt weniger, ist dafür aber aus fluoreszierendem Material und leuchtet im Dunkeln. Das Licht erlischt und mit Blick auf den Preis tritt das amüsierte Publikum den Heimweg an.

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