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Mit einer Brille auf dem Kopf, die einen Alkoholwert von 0,5 Promille simuliert, versucht der Siebtklässler Sammy, ein Fahrradschloss zu öffnen.

Prävention

Zwölfjährige Schüler im Alkoholrausch

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Datteln - Sechs Gruppen der Realschule und der Hauptschule Hachhausen simulieren beim „Alk-Parcours“ der Landeskampagne "Sucht hat immer eine Geschichte" den Konsum von Alkohol.

Verschwommene Regenbogen-Farben, ein zentrierter Blick, der alles um einen herum in eine neblige Unklarheit taucht und unkoordiniertere Bewegungsmöglichkeiten von Händen und Füßen – so beschreiben die zwölfjährigen Schüler Annika, Charlene und Jason ihren ersten simulierten Rauschzustand. Durch eine spezielle Brille waren die Siebtklässler den Folgen eines Alkohol-Wertes von 0,5 Promille ausgesetzt. Dass die Zwölfjährigen nicht zu früh mit diesen präventiven Maßnahmen konfrontiert werden, zeigen die aktuellen Zahlen vom Statistischen Landesamt: Nach jahrelangem Anstieg seit 2014 ist die Zahl der jugendlichen „Komasäufer“ im Alter von 10 bis 19 Jahren im vergangenen Jahr erstmalig wieder um fünf Prozent gesunken. 4920 Alkoholvergiftungen in dieser Altersgruppe wurden 2017 in den Krankenhäusern behandelt.

Um diesen Trend fortzusetzen und die Zahlen weiter nach unten zu schrauben, bietet die Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte“ einen „Alk Parcours“ an, um Jugendliche unter 16 Jahren über die schädliche Wirkung von Alkohol aufzuklären. Die Initiative des NRW-Gesundheitsministeriums wurde in Datteln in Kooperation mit der Drogenhilfe Recklinghausen und Ostvest, den Schulsozialarbeitern und dem Jugendamt im Familienbüro Nord durchgeführt. An zwei Tagen waren insgesamt sechs Gruppen – jeweils drei von Haupt- und Realschule – zu Gast.

„Die Perspektive und die verschiedenen Effekte waren sehr interessant“, beschreibt Annika ihr Erlebnis, während Jason den kurzen Ausflug in den Rauschzustand eher als „harmlos“ einstuft. Alkoholkonsum ist trotz ihres jungen Alters durch den erweiterten Freundeskreis, ältere Geschwister oder Eltern und Verwandte ein Thema in ihrem Umfeld. „Ich würde es aber schon lieber selber ausprobieren, anstatt jetzt zu sagen, dass ich drauf verzichte“, sagt Charlene. Ihr Bewusstsein, wie der Körper bereits schon auf geringere Mengen Alkohol reagiert, sei durch diesen Präventionskurs aber geschärft worden.

Die fünf Parcours-Stationen befassten sich außerdem mit den rechtlichen Grundlagen, den Auswirkungen auf den Körper, den Alternativen zum „Alkohol als Spaßfaktor“ und auch dem Einfluss von Alkohol beim Flirten. „Wir haben besprochen, wie man angemacht werden darf und wie wir uns in verschiedenen Situationen verhalten können“, sagt Annika.

Auch der soziale Druck, wenn in einer Gruppe von Freunden alle Alkohol trinken, wurde diskutiert. Nein zu sagen sei dabei ebenso eine Option, wie nur so zu tun, als ob man mittrinken würde, erklärt Nadine Beus von der Gemeinschaftsinitiative gegen Sucht. Die Jugendlichen hatten dazu ihre eigene Meinung. „Wenn mich jemand zwingen will, Alkohol zu trinken, dann ist das nicht mein Freund“, sagt Charlene.

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