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Ob Bobbycar oder Bratpfanne, ab Januar wird nach der Neufassung des Verpackungsgesetzes beides in der gelben Tonne entsorgt, die dann Wertstofftonne heißt – sagt Peter Herbold von der Stadt.

Probleme mit der Wertstofftonne

Zahlreiche Beschwerden, doch Remondis gibt sich ahnunglos

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DATTELN - Bei der Einführung der neuen Wertstofftonne ist einiges schief gegangen. Anstatt zu handeln, vertröstet Remondis die Bürger.

Seit mittlerweile mehr als fünf Monaten greift das neue Müll-System im gesamten Kreisgebiet Recklinghausen. So weit die Theorie. Zwar hat die Firma Remondis bereits Ende 2018 mit der Verteilung von neuen, gelben Wertstofftonnen begonnen, doch in der Praxis klagen noch immer viele Dattelner Bürger über große Probleme.

Seit Monaten warten viele auf die neue Wertstofftonne, die gelbe Säcke oder Tonnen ablösen sollte. Einige der Bürger, die sich an Remondis gewandt haben, seien immer wieder vertröstet worden: „Die Straße Meisterweg wartet auch. Mehrfach vertröstet, dass die Tonne nächste Woche kommt. Das ist schon gut zwei Monate her. Aber die Säcke werden noch mitgenommen“, klagt etwa unsere Facebook-Leserin Anna Heeger. Während einige Dattelner vergeblich auf ihre Tonne warten, berichtet Facebook-Nutzerin Alexandra Ola, sie habe sogar gleich zwei neue Tonnen bekommen.

170 Bürger unzufrieden

Mittlerweile haben sich so viele Bürger, 170 an der Zahl, bei der Stadt beschwert, dass sich jetzt sogar Bürgermeister André Dora mit einem Schreiben an den Leiter der Bochumer Niederlassung von Remondis, Henning Schulte-Geldermann, wendet. Dora merkt in seinem Schreiben an, dass die flächendeckende Versorgung mit der Wertstofftonne bislang nicht erreicht sei, „trotz mehrmaliger Nachfrage durch den städtischen Betriebshof bei Ihrem Unternehmen“. Bürger, die sich an Remondis wenden, „landen in einer Telefonschleife“, schreibt der Bürgermeister weiter und betont: „Ich bitte Sie eindringlich, Organisation und Ablauf dahingehend zu strukturieren, dass eine flächendeckende Versorgung mit den gelben Wertstofftonnen für Datteln kurzfristig erreicht wird.“

Denn das ist längst überfällig. Das Ehepaar Schmidt aus Ahsen etwa wendet sich nun schon seit Oktober letzten Jahres immer wieder an Remondis. Ihre alte gelbe Tonne ist damals von einem auf den anderen Tag verschwunden. „Ich hab natürlich sofort angerufen und den Verlust gemeldet“, sagt Reiner Schmidt. „Da wurde nur gelacht und gesagt, ‚Sie meinen doch wohl nicht, dass wir wegen einer Tonne raus kommen‘. Außerdem gebe es ja im Januar die neue Wertstofftonne. Das haben wir dann auch verstanden.“ Doch auch im Januar tauchte keine neue Tonne beim Ehepaar Schmidt auf. „Ich habe regelmäßig angerufen, die haben immer mit viel Verständnis reagiert und gesagt, dass sie zurückrufen werden.“ Bis heute wartet Reiner Schmidt auf den Rückruf. Stattdessen verwendet er weiterhin die alten gelben Säcke, die die Müllabfuhr zum Glück noch brav mitnimmt. „Aber eigentlich sind die Säcke ja längst Geschichte“, wundert sich Schmidt.

Entsorger gibt sich ahnungslos

Der Beschwerde-Welle in Datteln ist für die Remondis-Pressereferentin in Lünen, Carina Hölscher, angeblich neu. Gerade in Datteln sei es doch „in letzter Zeit sehr, sehr ruhig geworden“, sagt sie. Warum Dutzende Dattelner Haushalte immer noch keine Wertstofftonne haben, versucht sie, mit der Größe der Aufgabe zu entschuldigen: „Nicht nur Datteln wurde mit Wertstofftonnen versorgt, sondern der ganze Kreis.“ Und das brauche eben „entsprechend Zeit“.

Erschwerend komme hinzu, dass Remondis von der Kreisverwaltung aus Datenschutz-Gründen nur anonymisierte Listen erhalte: „Das heißt, dass die Mitarbeiter nur Adressen und keine Namen hatten“, sagt Hölscher. Somit wurden nur Tonnen vor Häusern abgeladen, in der Hoffnung, der Anwohner, dem eine Tonne zusteht, erhält diese auch wirklich.

Nicht einfacher wird das Ganze, weil Remondis auch Subunternehmen beschäftige. „Aber wir bemühen uns, Lösungen zu schaffen“, verspricht Hölscher. Einer schnellen Lösung steht aber ein besonders massives Problem entgegen: Laut Hölscher gibt es die in Datteln fehlenden Tonnen einfach nicht. Es seien bislang nicht genug Tonnen produziert wurden.

Wie alle Kommunen im Kreis Recklinghausen hat Datteln die gelbe Wertstofftonne zum 1.1.2019 eingeführt. Grund für die Einführung ist die Neufassung des Verpackungsgesetzes. Demnach sind Kommunen für die Sammlung stoffgleicher Nichtverpackungen verantwortlich. Um zu verhindern, dass eine fünfte Tonne zu den bisherigen Behältern dazukam, wurde die gelbe Tonne so umdeklariert, dass sie auch für so genannte stoffgleiche Nichtverpackungen genutzt werden kann. Haushalte, die ihren Verpackungsmüll bislang im gelben Sack entsorgt haben, sollten absprachegemäß als vierte Tonne die gelbe Wertstofftonne erhalten. Das Unternehmen Remondis hatte sich an der Ausschreibung für die Sammlung der Leichtverpackungen (gelbe Tonne) beteiligt und den Auftrag erhalten. Bestandteil der Ausschreibung für den Kreis Recklinghausen war die Vorgabe, dass stoffgleiche Nichtverpackungen mit über die gelbe Tonne eingesammelt werden. Somit hat sich Remondis verpflichtet, alle Haushalte mit der gelben Wertstofftonne auszustatten.

Remondis will nun so lange gelbe Säcke mitnehmen, bis alle die neue Tonne haben. Wann das der Fall ist, will Hölscher nicht sagen. Nur so viel: „Schnellstmöglich“.

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