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Die 87-jährige Melitta Ehlett musste nach dem Krieg ihre Heimat im Sudetenland verlassen. Der Liebe wegen kam sie später nach Datteln. Eine Entscheidung, die sie bis heute nie bereut hat.

Rückblick

Ein erfülltes Leben

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DATTELN - Melitta Ehlett (87) hat in ihrem Leben viel erlebt und nie die Hoffnung verloren, nicht mal im Zweiten Weltkrieg. Heute freut sie sich über ein gemeinsames Weihnachtsfest mit ihrer Familie.

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit denkt Melitta Ehlett gern an ihre Kindheit in Deutsch Liebau im Sudetenland zurück. „Es war eine schöne, unbeschwerte Zeit“, erinnert sich die 1931 geborene Dattelnerin, „Weihnachten feierten wir damals ganz anders, als es heute üblich ist.“

Die heute 87-Jährige lebte damals mit ihrer gesamten Familie direkt am Marktplatz von Deutsch Liebau. „Mein Vater war Lehrer an der Schule im Ort. Er unterrichtete Deutsch, Erdkunde und Geschichte“, berichtet Melitta Ehlett. Mit zwei Jahren erkrankte sie an Diphtherie. „Es stand eine Zeit lang gar nicht gut um mich“, habe man ihr später berichtet. Dass sie die Krankheit ohne Folgen überstand, beschreibt sie im Nachgang als ihren ersten großen Glücksfall im Leben. „Der Mensch denkt, Gott lenkt“, sei daher ihr Credo.

An Weihnachten in der Heimat erinnert sie sich gern zurück. Der Vater habe dann immer einen schönen großen Baum besorgt, den Christbaumschmuck habe man gemeinschaftlich selbst hergestellt. „Wir haben früher ganz anders geschmückt. Im Baum hang vor allem Selbstgebackenes. Das war immer eine große Freude, wenn wir dann zwischen dem Holzschmuck und dem Engelshaar nach den leckeren Plätzchen suchen durften“, erinnert sich Melitta Ehlett.

Erinnerungen an Weihnachten

Es müssen schöne Erinnerungen sein, denn ihre Augen fangen an zu leuchten. „Morgens ging es gemeinsam zur Messe in die Kirche, Großmutter hatte schon den großen Kachelofen angeheizt, in dem sie später den Weihnachtsbraten zubereitete“, so Ehlett. „Und einmal, da bekam ich sogar meinen allergrößten Wunsch erfüllt, nämlich eine große Puppe“, Melitta Ehlett kann sich gut an diesen Moment und die lang anhaltende Freude erinnern, die ihre Familie ihr mit der Puppe bescherte.

Vom Krieg, der in ganz Europa tobte, hatte sie damals zwar gehört, war aber, soweit sie sich erinnern kann, selbst nicht betroffen. „Spürbar änderte sich das Leben für uns erst, als der Krieg verloren war“, so Melitta Ehlett. Die Zeit der Vertreibung aus der Heimat ist die Zeit in ihrem Leben, über die sie gar nicht gern spricht. Doch selbst dieser schlimmen Zeit kann sie etwas Positives abgewinnen. „Mit einem Viehtransporter war die 18-köpfige Familie abgeholt worden und alle, die älter als 14 Jahre alt waren, wurden zum Arbeitsdienst eingeteilt.“

Heimliche Liebe

Melitta Ehlett verbrachte das folgende Jahr auf dem Hof eines Bauern und verrichtete dort die Feldarbeit. „Und auch hier hatte ich, im Nachhinein betrachtet viel Glück“, beschreibt die 87-Jährige die damalige Situation. „Die Feldarbeit ließ mich kräftiger werden und das Bauernpaar versorgte mich mit gutem Essen.“ Weihnachten feierte sie in diesem Jahr nicht.

Nach dem Arbeitsdienst wurde die Familie in Hohensolms wieder zusammengeführt. Auch wenn man die Vertriebenen hier argwöhnisch beäugte, lernte Melitta Ehlett dort ihren späteren Ehemann kennen. Heimlich hielten sie Kontakt, sogar als ihr Mann später als Ingenieur nach Datteln ging. „Wir haben uns Briefe geschrieben und manchmal habe ich ihn hier sogar besucht“, schwärmt Melitta Ehlett. 1954 heirateten die beiden standesamtlich und 1955 kirchlich. Das Paar bekam drei Kinder. „Und aus allen ist etwas geworden“, berichtet sie durchaus stolz.Heute mit 87 blickt Melitta Ehlett auf ein erfülltes Leben zurück. Sie ist dankbar für alles Glück, das sie im Leben hatte. Oft denkt sie an ihren Mann, der 1991 ganz plötzlich verstarb. Ihre Verbindung aber, davon ist sie fest überzeugt, besteht fort.

Und so lebt Melitta Ehlett ihr Leben in vollen Zügen. Sie ist mobil, fährt noch immer selbst Auto, kümmert sich um ihren Haushalt und ist ehrenamtlich bei der Dattelner Tafel tätig. „Und zu Weihnachten kommt dann die ganze Familie zusammen“, freut sie sich schon jetzt. „Ich bereite für uns einen Filet-Topf mit köstlichen Hefe-Klößen zu. Darauf freuen sich meine Kinder in jedem Jahr.“

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