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Edmund Bettenhausen auf dem heimischen Balkon. In den Händen hält er sein 34. Goldenes Sportabzeichen. Das 35. lockt, aber es fehlt ihm die Zeit.

Serie: Coole Oldies

90-Jähriger Dattelner ist Top-Sportler mit 34 Sportabzeichen

Datteln. - Edmund Bettenhausen sieht sich nicht als „coolen Oldie“, auch wenn er mit seinen 90 Jahren unglaublich rüstig daher kommt.

Seine Besuche im Fitness-Studio haben nur einen Grund. „Ich möchte fit bleiben, damit ich meiner erkrankten Frau so lange wie möglich helfen kann.“, sagt er motiviert. Edmund Bettenhausen ist gebürtiger Gladbecker, 1962 startet er als einer der ersten Mitarbeiter auf der geplanten Baustelle des Dattelner Kraftwerks. Im Jahr 1964 zieht der technische Angestellte nach Meckinghoven. Er genießt den nahen Arbeitsweg, zu Fuß oder mit dem Fahrrad geht es ab zur Wechselschicht.

Dass er erst den Aufbau, dann Jahrzehnte später den Abbau seines Arbeitsplatzes miterlebt, erstaunt ihn. „Das passiert nicht vielen Arbeitnehmern“. Es berührt ihn aber nicht, mit Beginn des Rentenalters hat er sich von seinem Arbeitgeber verabschiedet. Arbeit ist sein Hobby geblieben. Da er einen grünen Daumen hat, hilft er einer Nachbarin im Garten, die ihm als Dankeschön eine Orchidee schenkt.

Fitness-Trainer hat Edmund Bettenhausen für "Coole Oldies" vorgeschlagen

Der zweifache Familienvater und Opa entdeckt seine Leidenschaft für diese Blume und startet eine Sammlung der unterschiedlichsten Arten. Heute ist seine Liebe zu der Blume ein wenig verblüht, die Liebe zu seiner Frau Marianne (84) nicht. 62 Jahre sind die beiden mittlerweile verheiratet und Edmund Bettenhausen hat sein Leben nochmal komplett auf den Kopf gestellt. Marianne ist seit 2007 an Demenz erkrankt und braucht seine Hilfe. Der 90-Jährige kocht und führt den Haushalt. Seine Frau freut sich: „Es schmeckt alles sehr gut.“

Ihr Mann lacht mit, aber man spürt, wie viel Kraft ihn die Unterstützung kostet. Um fit zu bleiben, treibt er unter anderem Sport in einem Dattelner Fitness-Studio. Sein Fitness-Trainer Sebastian hat ihn für die Serie „Coole Oldies“ vorgeschlagen, weil ihm der Kampfgeist von Edmund Bettenhausen imponiert. Eine gute Stunde bleibt ihm für eine Einheit mit bis zu sieben Sportgeräten, dann muss er wieder zurück zu seiner Frau. Er stärkt seine Arme-, Rücken- und Brustmuskulatur. Sportlich war der 90-Jährige schon immer unterwegs. Auch als einziger Mann in einem Yogakurs der FBS. „Die Frauen haben ganz schön geschaut, ich habe mich nicht irritieren lassen“, erinnert er sich lächelnd.

Bettenhausen geht mit Frau zum Partnertreff der Demenzgruppe

34 Goldene Sportabzeichen kann er vorweisen. Mit sieben Kollegen vom Kraftwerk startet er und hält als einziger durch. Laufen, Weit- und Hochsprung, radfahren und schwimmen sind seine Disziplinen. Jetzt lockt ihn eigentlich noch das 35. Abzeichen, aber es fehlt ihm die Zeit. Auf der Kegelbahn war er zu finden und die Hobby-Faustballer des TV 09 hat er in Bewegung gehalten. Jetzt besucht er alle 14 Tage mit seiner Frau den Partnertreff der Demenzgruppe.

Dort werden kleine Bewegungseinheiten umgesetzt und gesungen. Er möchte das Fahrrad seiner Frau für sich umbauen, das Aufsteigen auf sein Herrenrad fällt ihm langsam doch ein wenig schwerer. Hilfe für die Pflege seiner Frau möchte er noch keine annehmen, die festgelegten Besuchszeiten würden die wenige Freizeit noch mehr einschränken. „Ich habe meinen eigenen Rhythmus für uns beide gefunden.“, sagt Edmund Bettenhausen. Er lächelt seine Frau an, dann geht er in die Küche, das Abendbrot vorbereiten. Marianne Bettenhausen blickt ihm zufrieden lächelnd hinterher.

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