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Herbert Voss blickt auf 91 Lebensjahre zurück, kein Grund die Hände in den Schoß zu legen. Die werden fleißig und flink in der Gravierkunst eingesetzt. Er verziert Glas mit kunstvollen Motiven. Damit nicht genug, auch als Rezitator von Balladen und als Sänger im Dattelner Hafenchor hat er sich einen Namen gemacht.

Serie: Coole Oldies

Herbert Voss – ein Mann mit vielen Talenten

Datteln - Der 91-jährige Herbert Voss ist Sänger, Graveur und leidenschaftlicher Rezitator. In seiner frühen Kindheit ist er von Münster nach Datteln gezogen.

Herbert Voss blickt auf 91 Lebensjahre zurück, kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Die werden fleißig und flink in der Gravierkunst eingesetzt. Er verziert Glas mit kunstvollen Motiven. Damit nicht genug, auch als Rezitator von Balladen und als Sänger im Dattelner Hafenchor hat er sich einen Namen gemacht.

Herbert Voss zieht im frühen Kindesalter von Münster in die Kanalstadt und die ist bis heute seine Heimat. Eine unbeschwerte Jugend gibt es für ihn nicht, direkt nach Abschluss der Handelsschule erhält er den Stellungsbefehl für den Reichsarbeitsdienst in Rheine, es folgt die Einberufung zur Wehrmacht. Im Dienst der Luftwaffe verfolgt er die damaligen Geschehnisse. Nach vier Wochen Fronteinsatz gerät er von einer Granate verwundet in amerikanische Gefangenschaft. Die dauert 13 Monate, im Februar 1946 kann er nach Datteln zurückkehren.

Vom Dolmetscher zur Selbstständigkeit

Der junge Mann muss sich neu orientieren und vertieft in einer Sprachschule in Herne seine Englischkenntnisse. Eine erste Anstellung erfolgt als Dolmetscher bei der Militärregierung in Recklinghausen. Er ist zuständig für die Ersatz-Zuteilung an verschiedene Kfz-Werkstätten. Lange bleibt er nicht, es zieht ihn zur Polizeischule nach Münster.

Aber Voss möchte mehr, er wagt nach der Ausbildung den Weg in die Selbstständigkeit. Nach einer Privatschulung mit Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer eröffnet er ein Textilgeschäft in Meckinghoven. An der Seite seiner Frau Inge. Trotz des Erfolges hält Voss Ausschau nach weiteren beruflichen Perspektiven und startet wieder neu durch. Bis zu seiner Pensionierung arbeitet er als Bezirksleiter bei einem der bedeutendsten Markenartikelhersteller, Unilever. Immer wieder bringen ihn seine guten Englisch-Kenntnisse nach vorne und öffnen ihm Türen.

Zur Arbeit darf sich auch ein wenig Vergnügen gesellen. Vor 39 Jahren tritt der Vater einer Tochter in den Schifferchor Datteln ein, der heute als Hafenchor weiter seine Erfolge feiert. Die sonore Stimme von Voss passt wie die Faust aufs Auge zu den maritimen Gesängen und ohne Scheu singt er das eine oder andere Solo. „Ich habe Rhythmus im Blut“, lacht er und verweist auch auf seine Schlagzeugkenntnisse. Die hat er bis heute nicht verlernt, auf der Party zu seinem 90. Geburtstag übernimmt er zusammen mit einem Pianisten die musikalische Gestaltung.

Gravieren ist für Voss wie eine Therapie

Elfmal hat er bereits im Blauen Salon der Versöhnungskirche in Meckinghoven als Rezitator den beliebten Balladenabend als Mitglied im Männerwerk zusammen mit dem Amateurtheater St. Amandus gestaltet. Voss kann seine Stimme jedem Text gefühlsmäßig anpassen und wohliges Schaudern oder Lachen bei seinen Zuhörern erzeugen. 16 Jahre ist er als Presbyter in der evangelischen Gemeinde unterwegs.

Weit mehr als ein Hobby ist ein anderes Können: Der Dattelner ist ausgebildeter Graveur und beherrscht mit sicherer Hand das Metier. „Werden Sie nicht nur Pensionär, denken Sie an ein zweites Standbein“, gibt ihm der Hauptgeschäftsführer auf den letzten Arbeitsmetern mit auf den Weg. Voss kauft sich eine Gravurmaschine und ist bis heute in einem eigenen Atelier am Ball. Viele Schulungen und Kalligrafiekurse hat er absolviert. Große Kaufhäuser buchten ihn vor Muttertag oder Weihnachten. „Einige der Kaufhäuser gibt es nicht mehr, mich schon“, sinniert er ein wenig nachdenklich. Das kunstvolle Gravieren ist für ihn wie eine Therapie, die alle Sinne schärft.

Zum alten Eisen gehören, das ist nicht ihr Ding. Wir stellen Ihnen in den Ferien immer mittwochs einen coolen Oldie aus Datteln vor, der trotz des hohen Alters noch aktiv ist. Am 29. August stellen wir Ihnen Manfred Sendatzki vor, 77 Jahre alt und leidenschaftlicher Schachspieler.

Kennen Sie auch einen coolen Oldie, mit einem ungewöhnlichen Hobby? Mailen Sie uns: .

Voss stellt das Glas, das er in 20 Sekunden mit einem Namen versehen hat, auf den Tisch zurück. Motivarbeiten dauern länger, dabei lässt er seine gesamte Kreativität spielen. „Ich danke an jedem Tag meinem Schöpfer, dass ich noch so fit bin und meinen Mitmenschen Freude machen darf.“

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