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Margrit Sindermann und ihr Lenchen sind ein prima Team. Mit 74 Jahren ist die Dattelnerin noch begeisterte Westernreiterin, auch wenn sie gerade wegen einer neuen Hüfte etwas pausieren muss.

Serie: Coole Oldies

Margrit Sindermann ist mit 74 Jahren noch fest im Sattel

Datteln - Margrit Sindermann und ihr Westernpferd Lenchen sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team.

Die Fürsorge von Margrit Sindermann gilt Lenchen. Das ist ein 22-jähriges Quarterhorse, das eigentlich den stolzen Namen Jolena trägt. Margrit Sindermann hat es als Fohlen erworben und beide sind nach all den Jahren ein eingespieltes Reit-Team.

Die Dattelnerin Margrit Sindermann ist 74 Jahre alt und hat einen festen Tages-Programmpunkt: Jeden Tag geht es nach Olfen, um ihr Pferd Lenchen zu versorgen. Das palominofarbene Pferd, ihr ganzer Stolz, ist dort in einer Pferdebox auf einem Hof untergebracht.

Striegeln, füttern, Spazieren gehen und persönliche Ansprache, das muss im Moment allerdings reichen. Margrit Sindermann hat gerade eine neue Hüfte erhalten und muss reittechnisch ein wenig pausieren. Dabei können Lenchen und sie es kaum erwarten, wieder quer über die Stoppelfelder bis zur Lippe zu reiten. Mitten in die goldene Abendsonne hinein.

„Vor 20 Jahren waren wir noch wilde Mäuse“

Neben dem klassischen, englischen Reitstil beherrscht die Rentnerin das Westernreiten. Das findet seinen Ursprung in Amerika. Die Cowboys, die oft den ganzen Tag im Sattel sitzen, bevorzugen ausdauernde Pferde. Und im Gegensatz zum englischen Reitstil sind Westernpferde darauf trainiert, schon bei kleinen Impulsen zu reagieren. „Das ist gerade im Alter sehr hilfreich, Kraftakte sind nicht erforderlich“, sagt Margrit Sindermann. Sie und Lenchen sind insgesamt ein wenig ruhiger geworden. „Aber vor 20 Jahren waren wir noch wilde Mäuse“, lacht sie. Es ist ein Kompliment, wenn der Olfener Pferdewirt ihr sagt, dass sie förmlich im Sattel klebt.

Die 74-Jährige hat mit 30 Jahren begonnen, zu reiten. Lenchen ist ihr zehntes Pferd. „Und das letzte“, weiß die Dattelnerin. Mit dem Reiten hat sie auch das Hängerfahren erlernt, um mit Lenchen an Turnieren teilnehmen zu können. „Nur das Rückwärtsfahren klappt nicht so gut.“, gibt sich die Dattelnerin selbstkritisch.

Jeden ersten Samstag im Monat ist sie im Repair-Café

Um noch lange fit zu bleiben, sucht Margrit Sindermann zweimal in der Woche ein Fitness-Studio auf. Ausdauertraining ist allerdings nicht so ihr Ding, das Laufband findet sie doof. Sie macht lieber Krafttraining für die Muckis. Montagnachmittags geht sie zum Seniorentanz in den Treffpunkt Hachhausen. Und von wegen Seniorentanz: Es wird getwistet und Rock’n-Roll getanzt.

„Mein persönliches Umfeld ist auch noch sehr aktiv“, erklärt die agile Frau ihren Bewegungsdrang. Ihre Freunde hat sie seit 40 Jahren. „Wir sind eine verlässliche Gemeinschaft.“ Eine gemütliche Kneipe fehlt ihr in Datteln für ein gelegentliches Feierabendbierchen. Wenn am Wochenende keine Reitturniere anstehen, startet sie mit ihrer Clique Wochenendtouren.

Der erste Samstag im Monat gehört allerdings dem Repair-Café. Sie ist eine Mitstreiterin von der ersten Stunde an. Die gelernte Textil-Ingenieurin mit Schneiderausbildung kümmert sich nicht nur um den Näh-Service, auch die Reparatur von Nähmaschinen liegt in ihren bewährten Händen. Margrit Sindermann hat schon viel erlebt, ein Traum ist allerdings noch unerfüllt: Eine Kalifornien-Reise mit dem Endziel Los Angeles. Hier zeigt die Reiterin, die sonst fest im Sattel sitzt, etwas Unsicherheit. „Ich weiß nicht, ob ich das in diesem Leben noch schaffe.“

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