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Seit 35 Jahren gehört Manfred Sendatzkis Leidenschaft dem Schach. Am Freitagabend führt sein Weg ins Reinhard-Lettmann-Haus zum SV Datteln 24 e.V., sein Spiel beginnt meist mit einer spanischen Eröffnung.

Serie: Coole Oldies

Ein Unglück brachte Dattelner zum Schachspielen

Datteln - Schach spielen sorgt dafür, dass man auch im hohen Alter hellwach im Kopf bleibt. Manfred Sendatzki ist der Beweis.

Seit 35 Jahren gehört Manfred Sendatzkis Leidenschaft dem Schach. Am Freitagabend führt sein Weg stets ins Reinhard-Lettmann-Haus zum SV Datteln 24 e.V., sein Spiel beginnt meist mit einer spanischen Eröffnung. „Schach ist wie das Leben, allerdings ohne Glücksmomente. Hier zählt die Logik“, lautet das schlichte Statement von Manfred Sendatzki zu seinem Hobby.

Der 77-Jährige hat das Spiel erst mit 42 Jahren für sich entdeckt und das nicht ganz freiwillig: 1982 fährt er mit seiner Familie in sein Lieblingsurlaubsland Italien. Zum ersten Mal mit dem Zug. „Die Fahrt sollte für alle entspannt sein“, erinnert sich der gelernte Chemielaborant. Der Nachtschnellzug düst von Dortmund nach Rimini. Ein Güterzug nähert sich ihm aus Italien.

Arzt gibt den Tipp zum Schach spielen

Auf einem einspurigen Streckenabschnitt bei Othmarsingen in der Schweiz fährt sein Lokomotivführer an einem Haltesignal vorbei und dem Schnellzug in die Flanke. Die sieben Personenwagen werden vom vorderen Zugteil getrennt und entgleisen. Drei vollbesetzte Wagen stürzen um, zwei weitere werden seitlich aufgeschlitzt. Sechs Menschen sterben bei dem Unglück, 59 Personen sind verletzt.

Familie Sendatzki hat Glück, sie übersteht den schweren Unfall unversehrt. Trotzdem sitzt der Schock tief, die Vier befinden sich in einem der umgekippten Wagen und müssen über das Dach den Waggon verlassen. Die beiden Kinder werden von Helfern „weggerettet“ und das Ehepaar versucht in dem Chaos verzweifelt, sie wiederzufinden. gefühlten Stunden ist die Familie wieder vereint.

Heute kann Sendatzki recht nüchtern über das Unglück berichten, direkt nach dem Urlaub stellt er jedoch fest, dass er Schwierigkeiten mit Höhen und Geschwindigkeiten bekommt. Sein Arzt gibt ihm den Tipp, sich mit dem Schachspielen wieder „auszuloten“. Der Meckinghover folgt dem Rat und meldet sich 1983 bei der VHS zu einem Schach-Seminar an.

Sendatzki: „Die besten Partien aber, die ich gespielt habe, verlor ich.“

„Leider gab es nur zwei Anmeldungen, so fiel der Kurs aus“, erinnert er sich. So schließt er sich dem Schachverein der Kanalstadt an und bleibt. Für ihn ist das Spiel ein Handwerk. „Feine Weisheiten fehlen mir“, lautet seine Selbstkritik. Trotzdem findet sich sein Name jedes Jahr bei den Stadtvereinsmeisterschaften. Seine Schachkollegen bescheinigen ihm, dass er ein sehr erfahrener Endspieler sei. Dieses Jahr musste er es aus gesundheitlichen Gründen ein wenig ruhiger angehen lassen, jetzt möchte er wieder angreifen.

Blitz- und Schnellschach sind weniger sein Ding. Eine gute Partie darf für ihn ruhig vier Stunden dauern. Seine Lieblingseröffnung ist die spanische, die im 16. Jahrhundert von einem Priester erfunden wurde. Spanien ist übrigens das zweite Lieblingsurlaubland von Sendatzki, in dem er gerne das gute Essen genießt. Einen weiteren Ruhepunkt findet er bei der Arbeit im heimischen Garten.

Der Freitagabend gehört dem Schachverein, dann versucht er seinen König zum Sieg zu führen. „Die besten Partien aber, die ich gespielt habe, verlor ich.“ Den Satz spricht er ohne jegliche Verärgerung in der Stimme, im Gegenteil. Meistens habe er von Frauen einen auf die „Schachschnauze“ bekommen und sie deswegen bewundert. Sendatzkis Gesicht nimmt wieder einen konzentrierten Zug an, seine rechte Hand greift zum König, er plant die kleine Rochade, das Spiel nimmt seinen Lauf.

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