Serie: Lieblingsplatz

Mit dem Bat-Detektor durch den Hötting-Park

Datteln - Stadtbotschafterin Andrea Hans findet Fledermäuse faszinierend und die Grünanlage mystisch und geht gerne mit einem Bat-Detektor im Hötting-Park auf die „Jagd“.

Andrea Hans ist Diplom-Geografin und gehört zu den ersten Stadtbotschaftern Dattelns. Mit Leidenschaft widmet sie sich der Gartenwelt und dem Aufspüren von Fledermäusen. Mit einem Bat-Detektor geht sie auf die Pirsch, um die possierlichen Tiere im Hötting-Park zu entdecken. Einem ihrer Lieblingsplätze.

Die Sonne geht langsam in Datteln unter und der Mond startet seinen Lauf. Die nächtlichen Temperaturen sind warm und die Mücken tanzen. Das sind optimale Bedingungen für Fledermäuse. Die gieren nicht nach menschlichem Blut, sondern nach den wahren Plagegeistern der Menschen, den Mücken. Bis zu 4000 von ihnen kann eine Fledermaus in einer Nacht vertilgen.

Gerät wandelt die hochfrequenten Rufe in hörbare Laute um

Andrea Hans ist Fledermausexpertin und geht gerne mit einem Bat-Detektor im Hötting-Park auf die „Jagd“, um die besonderen Tiere zu beobachten. Ihr Gerät wandelt die hochfrequenten Rufe der Fledermäuse in hörbare Laute ab. Ein lautes Klopfen ertönt aus dem Apparat, wenn sich eines der Tierchen der Diplom-Geografin nähert. Eine ihrer ersten Fledermäuse hat sie bei einem Spaziergang an der Alten Fahrt mit Rosi Schloßer, der VHS-Leiterin, entdeckt. „Aber ein Tier war mir viel zu wenig“, erzählt die 52-Jährige Dattelnerin. Also machte sie sich in der Kanalstadt weiter auf die Suche. Zunächst wird sie am Dorfschultenhof fündig.

In diesem alten „Gemäuer“ samt Backhaus finden einige Tiere einen Rückzugsort für ihren Tagsüber-Schlaf. Ihren Lieblingsbeobachtungsplatz hat Andrea Hans jedoch im Hötting-Park für sich ausgemacht. Die kleine Grünanlage verwandelt sich bei Einbruch der Dunkelheit in einen mystischen Ort. Im Mittelpunkt die Teichanlage. Die Seerosen schließen im Dämmerlicht peu à peu ihre Blüten, eine Entenfamilie zieht auf der Suche nach Beute ihre letzten Kreise. „Nur wenige Dattelner wissen um die Schönheit dieses Platzes“, bedauert Andrea Hans ein wenig. Der eine oder andere Spaziergänger nimmt sie und ihren Fledermaus-Detektor neugierig in Augenschein. Erst recht, als die ersten Klopfgeräusche ertönen.

Oft mit Schwalben verwechselt

Tock, tock, tock, ein Zeichen, dass die Tiere sich so langsam auf ihren Beutezug begeben. Im letzten Abendlicht ist die erste von ihnen auszumachen. Die Tiere fliegen nicht wie Vögel in großen Schwärmen, oft sind es nur zwei, drei, die sich zusammenschließen. Dieser Einzelgänger zieht durch das Blattgeflecht der vielen Bäume seine Kreise. Es ist eine Zwergfledermaus, die ihre „Achten“ fliegt. „Viele Menschen verwechseln sie mit tieffliegenden Schwalben“, lacht Andrea Hans. Das Klopfen in ihrem Gerät nimmt wieder ab, das Tier fliegt weiter. Die ersten Sterne werden am Himmel sichtbar, die kleinen Steinchen auf den Wegen knirschen unter dem Schuhwerk. Die Entenfamilie verlässt quakend den Teich und zieht sich für die Nachtruhe in ein Gebüsch zurück. Ein Liebespaar nimmt auf einer Bank Platz und genießt die beschauliche Stille.

Katzen können gefährlich werden

Eine Katze schleicht lautlos heran. „Sie ist für Fledermäuse gefährlich, sie weiß genau, wo sie warten muss“, klärt die Stadtbotschafterin auf. Sie nimmt auch auf einer Bank Platz und hält ihr Gerät hoch zum Himmel. Ein kleiner Trommelwirbel setzt ein und mehre Tiere werden sichtbar. Rauf und runter tanzen sie, ihre kleinen Flügel sind weit ausgebreitet. „Vampirfledermäuse gibt es nur in Südamerika. Die ritzen die Haut von Rindern auf und trinken das hervorquellende Blut“, erzählt Andrea Hans doch noch eine kleine Schauergeschichte. Die wird auch bei ihrer nächsten offiziellen Fledermaus-Entdeckungstour zu hören sein.

INFO 20. August, 19.30 Uhr, Fledermaus-Exkursion mit Andrea Hans, Treffpunkt am Dattelner Dorfschultenhof

Die Stadtbotschafterin, die sich auch um den Schulgarten des Comenius-Gymnasiums kümmert, ist in Sachen „Umweltbildung“ unter anderem in Schulen oder dem Biologischen Zentrum in Lüdinghausen unterwegs. Ihr Wissen ist gefragt und das gibt sie gerne preis. Gegen 23 Uhr verlässt Andrea Hans an diesem Abend ihren Beobachtungsplatz und entschwindet zwischen den Bäumen. Die Fledermäuse schwirren noch bis zum Anbruch des Tageslichts weiter und genießen den Hötting-Park jetzt ganz für sich.

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