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Eine kleine Idylle mitten in der alten Pütt-Kolonie: Antonette und Karl Hölscher genießen ihren Vorgarten und freuen sich immer über Besucher.

Serie: Lieblingsplatz

Wenn der Vorgarten zum Treffpunkt wird

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DATTELN - Antonette und Karl Hölscher genießen den Trubel an ihrem Lieblingsplatz vor ihrer Haustür. Dort steht eine Lore, die im Beisenkamp schon Kultstatus hat.

Sie gehören zu den bekanntesten Gesichtern Dattelns: Wo Antonette und Karl Hölscher auftreten, sind Spaß und Musik garantiert. Seit zehn Jahren sind sie Stadtbotschafter und langweilig wird es mit ihnen nicht. Ihr Lieblingsort ist eine Dreh- und Angelzentrale im Beisenkamp.

Gemütlich sitzen Antonette und Karl Hölscher im Schatten eines großen Baumes. Der Ahorn steht in ihrem Vorgarten im Beisenkamp und sollte eigentlich nur 1,50 Meter groß werden. Jetzt ist er 4,50 Meter hoch und weist eine Besonderheit auf: Er hat zwei unterschiedliche Blattformen und -farben. Aber in dieser kleinen, schnuckeligen Oase ist alles ein bisschen anders und gerade deshalb ist sie der Lieblingsplatz der beiden Stadtführer. Hier schauen die Nachbarn auf einen Schwatz vorbei und jedes vorbeifahrende Auto verlangsamt seine Fahrt, damit die Insassen grüßen können. Fahrradfahrer heben die Hand und rufen ein freundliches „Hallo“, die Spaziergänger werfen einen Blick auf die legendäre Lore, um lesen zu können, was auf ihrer Frontseite steht. Der Hausherr malt oder schreibt hier die wichtigsten Geschehnisse auf ihr mit. Die Hölschers fühlen sich nicht beobachtet, sie genießen den Trubel.

Fünf Touren durch die Siedlung

Circa fünf Beisenkamp-Begehungen finden unter ihrer Leitung im Jahr statt. Das Ehepaar erzählt den Teilnehmern alles über den ehemaligen Dattelner Bergbau, den Bunker, die Besonderheiten des Wohnviertels und die Anekdötchen, die sich darum ranken. Und über die frisch gewaschene Wäsche, die niemals richtig sauber war, weil sie beim Trocknen gleich wieder verrußte.

Es sind die unterschiedlichsten Gruppen, die sich neugierig zu den Führungen anmelden: der Seniorenclub der Telekom, die Kinder des Städtischen Bewegungskindergartens oder ein Männergesangsverein aus Innsbruck. Der ist im Vorgarten der Hölschers regelrecht versackt und wollte gar nicht mehr nach Hause. Der Schnaps, die Schmalzstullen und jede Menge Gesang überzeugten sie von der Beisenkamp-Gastfreundschaft. Einen alten Nähmaschinentisch hat die ehemalige Schauwerbegestalterin Antonette Hölscher zur Ablage für Getränke, Gläser und Geschirr umfunktioniert. „Aber draußen gibt’s nur Kännchen“, spricht Karl den beliebtesten Satz der Gastronomie und lacht.

„ Kalle“ greift selbst zur Klampfe

Natürlich bringen die spontanen Gäste wie Nachbarn selbst etwas mit. Dann gibt es ruckzuck eine Grillparty oder einen Kaffeeklatsch. Und Musikabende, an denen der Gastgeber persönlich zur Klampfe greift und von den Ruhrgebiets-Buletten singt. „Wir sollten unbedingt zum Rudelsingen einladen“, hat Antonette eine plötzliche Idee.

Sie selbst spielt Saxofon im Dattelner Elternorchester. Vorgartenkonzerte haben sich schon bei ihnen etabliert. Ruckzuck ist der Platz dann unter dem Baum gefüllt. Die Hölschers sind musikalisch gut drauf und gut vernetzt. Karl fühlt sich in der Bierproben-WhatsApp-Gruppe gut aufgehoben, Antonette hat sich dagegen der Frauen-Bowle-WhatsApp-Gruppe angeschlossen. Das ermöglicht schnelle Verabredungen, die natürlich auch im Vorgarten stattfinden. Vier Enkelkinder hat das Paar, mit denen geht es oft auf Reisen. Gerne im Wohnwagen zu den Campingplätzen Frankreichs.

Karl bedauert, seinen persönlichen Lieblingsplatz nicht mitnehmen zu können. Den würde er genau auf den Klosterberg Mont-Saint-Michel in der Normandie setzen. „Das hätte was. Wir von Wellen umspült und jeden Abend frischen Fisch“, seufzt er und Antonette gleich mit.

Wie ihre Stadtbotschafter-Kollegen habe sie auch ein paar Wünsche für Datteln: Der Tigg sollte als romantisches, kulinarisches Plätzchen belebt werden. Auf den gehört für sie auch ein Weihnachtsmarkt. „Und eine Kanalstadt ohne Freibad, das geht gar nicht“, ist ihr Empfinden.

Mehr Wünsche haben sie für Datteln nicht, sie fühlen sich auch über die Grenze ihrer Vorgarten-Idylle hinweg in der Kanalstadt sehr wohl.

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