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Nach 35 Jahren geben „Spontan“ nun ihr letztes gemeinsames Konzert. Wehmut kommt eigentlich nicht auf, zu schön sind die Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre in der Band und die unzähligen Konzerte.

Spontan

Die schönste Band kommt aus Datteln

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DATTELN - Die Band „Spontan“ feiert in diesem Jahr 35. Geburtstag. Doch es ist auch das Jahr des Abschieds: Am 14. Dezember treten sie ein letztes Mal in der Stadthalle auf.

Dass sie bei einem Nachwuchswettbewerb als „die schönste Band des Wettbewerbs“ von der Bühne gehen würden, war so eigentlich nicht geplant. Sänger und Keyboarder Michael „Mikesch“ Götzer kommt aus dem Lachen kaum heraus, als er sich an die Teilnahme seiner Band „Spontan“ beim Vest Rock in der Recklinghäuser Vestlandhalle zurückerinnert. „Wir hatten schon den Anspruch dort zu gewinnen“, erinnert sich Mikesch. „Aber wir belegten am Ende nur Platz zwei.“ Obige „Ehrung“ gab es quasi „oben drauf“.

Das war irgendwann in den Neunzigern. Wann genau, daran kann sich niemand in der Band mehr so genau erinnern. Hervorgegangen war die Band 1983 eigentlich aus einer fixen, einer „spontanen“, Idee heraus. Abisturm war angesagt. Zu einer richtigen Abi-Sause gehört aber auch eine passende Band. Und die fehlte. Also stellten Gitarrist Michael „Linki“ Link und Bassist Benno Koch, die gerade erfolgreich ihr Abitur abgeschlossen hatten, „spontan“ eine Band zusammen. „Eigentlich wollten wir nur dieses eine Mal zusammen spielen“, erinnert sich Schlagzeuger Gregor Rüter gerne an diese Begebenheit zurück. Doch, wie so oft, kam es erstens anders und zweitens, als man denkt.

„Spontan“ spielen ihren ersten Gig auf einem eilig herbeigeschafften Anhänger, der als Bühne herhalten musste. Die Show der Truppe kommt bei den Mitschülern bestens an. Anfangs gehen „Spontan“ ein, manchmal zweimal im Jahr auf die Bühne. Nach 35 Jahren werden es über 250 Konzerte sein, die „Spontan“ gespielt haben werden.

Sogar im Knast spielt die Band

Einen festen Tourwagen gab es in all den Jahren nie. „Wer den Größten hatte, der war halt fällig“, erzählt Michael Link lachend. Gemeint war natürlich die Größe des Autos. Nach zehn Jahren verlässt Benno Koch die Band, für ihn kommt Bernd „Berni“ Schmolke. 2005 stößt noch Keyboarder Jan Martin Wolf dazu. In dieser Besetzung spielt die Band bis heute.

„Unser Wirkungskreis war in der Hauptsache schon das Ruhrgebiet“, erklärt Gregor Rüter „Aber wir haben auch einmal in Österreich gespielt.“ Einen denkwürdigen Auftritt absolvierte das Quintett bei einem Stadtfest in Salzgitter. „Wir waren dort mit zwei anderen Bands gebucht“, erinnert sich Gregor Rüter, der Rest der Band bricht in schallendes Gelächter aus „Aber als wir auf die Bühne kamen, war niemand da. Niemand!“ Ihren Auftritt haben „Spontan“ aber dennoch abgeliefert.

Einen weiteren erinnerungswürdigen Auftritt erlebten sie in Castrop-Rauxel. „Da haben wir damals im Knast gespielt“, erinnert sich Mikesch. „Wir spielten damals einen Song, bei dem es in einer Strophe hieß „Wir wollen leben.“ Einer der Insassen sei damals aufgesprungen und hätte gerufen: „Wir wollen nicht leben, wir wollen hier raus!“

Grüne Gummibärchen und andere Höhepunkte

Seltsam fand die Band das Gebaren der Band Rockhaus. „Wir spielten damals mit denen zusammen ein Konzert“, erinnert sich Gregor Rüter. „Da bekamen wir zum ersten Mal mit, was für verrückte Sonderwünsche Musiker haben können.“ Die DDR-Rocker hätten damals in der Catering-Anweisung darauf bestanden, ausschließlich grüne Gummibärchen serviert zu bekommen. „Verrückt“, merkt Rüter an „Aber, die Teile wurden geliefert.“

Zu den großen Höhepunkten der Bandgeschichte zählt natürlich der Auftritt als Vorgruppe der Band „Toto“ im Jahr 2006. „Der Auftritt mit Toto war aus vielerlei Gründen etwas ganz besonderes für uns“, beschreibt Gregor Rüter die besondere Verbindung zu der amerikanischen Superband. „Spontan“ mussten damals ein Demo-Tape beim Management der Band einreichen. „Die wollten natürlich wissen, wer da vor ihnen auftreten möchte“, erklärt Michael Götzer. „Aber wir hatten eigentlich keine wirklich gute Aufnahme von uns und haben uns daher auch keine großen Chancen ausgerechnet.“ Doch „Toto“ erkannten wohl die Qualität der Band, die sich mit dem eher schlechten als rechten Tape als Vorgruppe bewarb. „Spontan“ erhielten den Zuschlag. Das Konzert bleibt bis heute unvergessen, ebenso wie ihr Auftritt mit „Ten Years After“ ein paar Jahre später.

Alles schöne Erinnerungen. Nun, am 14. Dezember, endet die Geschichte der schönsten Band aus Datteln und „Spontan“ geben ihr letztes Konzert in der Stadthalle. „Ob es vielleicht doch noch mal ein Wiedersehen geben wird?“, Gregor Rüter schaut sich im Proberaum um, lächelt seinen Kollegen zu und zuckt mit den Achseln. Man ahnt es, wenn überhaupt, dann wohl ganz spontan...

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