St.-Vincenz-Krankenhaus

Ein Ort zum Trauern um das verstorbene Kind

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DATTELN - Die Initiative Moseskörbchen des St.-Vincenz-Krankenhauses hat für die Bestattung von totgeborenen Kindern eine zweite Grabstätte erhalten.

Ab wann ist ein Mensch ein Mensch? „Theologisch betrachtet ist der Mensch ab dem Moment der Befruchtung da“, weiß Pfarrer Andreas Wuttke. Juristisch sieht das anders aus: Kinder, die noch im Mutterleib sterben und unter 500 Gramm wiegen, unterliegen nicht der Bestattungspflicht. Trotzdem wünschen sich viele betroffene Eltern einen Ort zum Trauern um ihr totes Kind.

Fehlgeburten sind schwer zu begreifen

Die Initiative Moseskörbchen des St.-Vincenz-Krankenhauses bietet bereits seit Jahren die Möglichkeit an, alle viel zu früh verstorbenen Kinder, die nicht der Bestattungspflicht unterliegen, im Rahmen einer ökumenischen Trauerfeier auf dem Dattelner Friedhof beizusetzen. Jetzt stellt die Stadt Datteln eine weitere Grabstätte bereit. „Für die Eltern ist es schwer zu begreifen, wenn ihr Kind im Mutterleib verstirbt“, sagt Dr. Ralf Schulze, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am St.-Vincenz-Krankenhaus. „Und sie brauchen Zeit, damit umzugehen. Zu trauern ist eine sehr gute Möglichkeit, sich mit dem Schicksal auseinander zu setzen und es zu verarbeiten.“ Der Meinung ist auch Pfarrer und Krankenhausseelsorger Andreas Wuttke: „Die Eltern wissen, es gibt dort einen Ort, an dem ich mich verabschieden kann – das ist wichtig.“

Gestalterisch, so Norbert Bülhoff, Leiter des Fachdienstes Grünanlagen und Friedhöfe, ist das neue Grabfeld noch nicht endgültig fertiggestellt. „Im Mai wird es so schön hergerichtet sein, dass es ansprechend ist.“ Um die Arbeit an der neuen Grabstätte, etwa 50 Meter von der ersten entfernt, kümmern sich einige Unternehmer aus Datteln ehrenamtlich. Diese seien, so Bürgermeister André Dora, „mit Herzblut dabei – weil es wichtig und gut ist.“

Große Hilfe für die Eltern

Etwa im Jahre 2005 wurden die ersten totgeborenen Kinder auf dem Friedhof beerdigt. „Das ist den Eltern eine große Hilfe“, weiß auch der Geschäftsführer der Vestischen Caritas-Kliniken GmbH Wolfgang Mueller. „Das Alter und das Gewicht des Kindes ist den Eltern egal, die Verbindung ist von vornherein da. Die Initiative ist nicht mehr wegzudenken.“

Die ehrenamtlichen Initiatoren kümmern sich um die Herstellung von den sogenannten Moseskörbchen aus geflochtenem Holz und einer Stoffeinlage, ebenso um Kleidungsstücke, die die Kinder bei der Trauerfeier tragen können.

Initiative Moseskörbchen Die Initiative „Moseskörbchen - Dem Leben so nah“ ist ein Angebot des St.-Vincenz-Krankenhauses. Der Name geht zurück auf die biblische Geschichte vom Schilfkörbchen, in dem der Säugling Moses aus dem Nil gerettet wurde. Für Kinder, die nicht lebend geboren wurden und unter 500 Gramm wiegen, besteht keine Bestattungspflicht. Die Krankenhaus-Seelsorger halten vier ökumenische Abschiedsgottesdienste in jedem Jahr ab. Alle tot geborenen Kinder werden dann gemeinsam beerdigt.

„Man kann lernen, mit dem Tod umzugehen“, sagt Pfarrer Wuttke. Mindestens zehn Jahre Ruhefrist bestehen auf dem Friedhof. „Die Eltern können sich so viel Zeit nehmen, wie sie brauchen. Früher hatten es die Eltern immer schwer im Herzen, weil ihre totgeborenen Kinder nicht beerdigt wurden“, so Wuttke. Außerdem sei die Ökumene bei Bestattungen am durchschlagendsten. „Da fallen religiöse Schranken.“ Muslimische Eltern beerdigen ihr Kind gemeinsam mit katholischen Eltern. „Denn dabei sind alle betroffen.“

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