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ARCHIV - 26.02.2014, Brandenburg, Potsdam: ILLUSTRATION - Eine Stimmabgabe für das Europäische Parlament (gestellte Szene). So viele Menschen im Norden wie noch nie dürfen am Sonntag das EU-Parlament mitwählen. (zu dpa "Europawahl im Norden mit Spannung erwartet") Foto: Ralf Hirschberger/ZB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Umfrage bei Dattelner Bürgern

Darum ist Wählen gehen am Sonntag so wichtig

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DATTELN - Kurz vor der neunten Direktwahl zum Europäischen Parlament haben wir Dattelner Bürger gefragt, warum sie am Sonntag zur Wahl gehen.

Gestern fiel der Startschuss für die Europawahlen. Über einen Zeitraum von vier Tagen können circa 400 Millionen Stimmberechtigte über die Besetzung des Europäischen Parlaments in Straßburg abstimmen. Briten und Niederländer durften als Erste ihre Stimme abgeben. In Deutschland können die Bürger am Sonntag ihr Kreuz machen.

Für die einen ist Europa ein Garant für Frieden und Wohlstand. Andere sehen in dem Staatenbund vor allem ein Bürokratiemonster, das in die Autonomie der Mitgliedsstaaten eingreift und ausschließlich dem Reichtum und Machterhalt bestimmter Gruppen dient. Auch in Datteln sind die Wahlen ein heiß diskutiertes Thema. Von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen wollen alle der von uns Befragten.

Peter Amsel

Peter Amsel, Vorsitzender der FDP/DSP-Fraktionsgemeinschaft in Datteln ist auch dieser Meinung. „Die diesjährige EU-Wahl ist aus meiner Sicht sehr wichtig, da sie sehr richtungsweisend sein wird“, so Amsel. „Es buhlen derzeit extreme Parteien aus dem linken und aus dem rechten Spektrum um Zustimmung bei den Wählern. Sie wollen an die Macht. Ich würde mir eine liberale Politik wünschen, da die politische Mitte keine extremen Meinungen vertritt.“ Die EU brauche ruhiges Fahrwasser und keine extremen Entscheidungen. Jeder Wahlberechtigte solle in seinem Wahlrecht eine Wahlpflicht sehen und dieses für sich in Anspruch nehmen, so Amsel.

Eveline Brinkert

Die Facebook-Nutzerin Eveline Brinkert versteht ihr Wahlrecht ebenso als Verpflichtung: „Ich gehe wählen, weil Europa in Frieden ein Wunsch, Hoffnung und Traum unserer Väter, Mütter und Großeltern war und für uns eine Verpflichtung für nachfolgende Generationen ist.“ Nils Stanigel, der sich ebenfalls bei Facebook zu Wort gemeldet hat, findet, das Wahlrecht sei die einzige Möglichkeit, politischen Einfluss auszuüben. „Wir leben in einer Demokratie, die uns nur diese Möglichkeit gibt, direkten Einfluss auf die Politik zu nehmen“, schreibt er. „Daher ist das Wahlrecht eigentlich eine Bürgerpflicht. Es ist zwar egal, wem man seine Stimme gibt, aber die Masse der Stimmen macht es dann wirklich aus, wie viel Gewicht die eigene Stimme im politischen Alltag dann haben wird.“ Er bittet daher alle, wählen zu gehen.

André Dora

Bürgermeister André Dora hebt vor allem den wirtschaftlichen Nutzen hervor. „Es ist für jeden in Deutschland relevant, dass wir ein gutes und eng zusammengewachsenes Europa haben. Unsere Wirtschaft und damit unser Sozialstaat profitieren im hohen Maße davon, dass wir keine Handels- und Reisebeschränkungen haben“, so Dora. Die Reisefreiheit ermögliche Maßnahmen wie Erasmus, einem Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union. Dass die Staatengemeinschaft einen möglichen Brexit verkraften werde, da ist sich der Bürgermeister ebenso sicher. „ Ich glaube daran, dass unsere Partnerschaft mit der englischen Stadt Cannock auch bei einem Brexit erhalten bleibt“, so Dora. „Aber schöner wäre es doch, wenn wir das 50-jährige Partnerschaftsjubiläum (2021) im Bewusstsein eines geeinten Europas feiern könnten.“

Oliver Pohlmann

Facebook-Nutzer Oliver Pohlmann ist der Meinung, dass auch seine Stimme Einfluss nehmen könne, um die Weichen für wichtige anstehende Veränderungen zu stellen. „Selbstverständlich gehe ich wählen – das ist eines meiner wichtigsten Rechte und Europa ist ein tolles Erfolgsmodell für Frieden, Freiheit, Freizügigkeit und Wohlstand.“

Thomas Gunkel

Thomas Gunkel meldet sich bei Facebook zu Wort und macht kein Hehl aus seiner Unzufriedenheit. „Wäre schön, wenn ‚im Namen des Volkes‘ auch mal wieder eine Bedeutung hätte“, macht er seinem Ärger Luft. „CDU & Co haben gezeigt, wie man Petitionen usw. einfach ignoriert.“ Er wisse daher, wo er sein Kreuz machen werde.

Regina Brautmeier

Die Schulleiterin des Comenius-Gymnasium in Datteln, Regina Brautmeier, ist weniger pessimistisch. Ganz im Gegenteil. Sie sei ein Fan von Europa. „Europa bedeutet vor allem Frieden – seit über 70 Jahren! Frieden muss erarbeitet und erhalten werden, das geschieht durch die EU“, sagt sie. Die Schulleiterin hebt, genau wie Dora, die Vorzüge des Erasmus-Programms hervor. „Unsere Schüler besuchen Austauschschüler in anderen europäischen Ländern, durch den persönlichen Kontakt erfahren sie mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Bei Erasmus-Projekten wird gearbeitet und gefeiert, auch dabei erleben die Jugendlichen vieles, das verbindet.“ Auslandspraktika würden den Schülern Einblicke in andere berufliche Strukturen ermöglichen. „Und nach dem Abitur studieren sie an europäischen Unis, zusammen mit vielen anderen Europäern. Bei so vielen zwischenmenschlichen Kontakten ist der Gedanke an gegenseitigen Hass absurd. Wollen wir den Frieden erhalten, dann müssen wir alle diesen Weg weitergehen. Da wir unser Europa mitgestalten können, müssen wir alle zur Wahl gehen!“, so Regina Brautmeier.

Mo El-Zein

Der Fraktionsvorsitzende der Dattelner Grünen, Mo El-Zein, sieht in Europa vor allem Chancen für die Region. „In der Regionalförderung hat das Europaparlament große Bedeutung. Das Ruhrgebiet und auch Datteln profitieren hier stark. Als Ballungsraum im Herzen Europas brauchen wir grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um den Strukturwandel zu meistern!“, so El-Zein.

Bernd Julius Arends

Theaterdirektor Bernd Julius Arends sieht sich vor ein Problem gestellt. „Ich werde auf jeden Fall von meinem Wahlrecht Gebrauch machen. Leider stecke ich in der Zwickmühle. Ich habe festgestellt, dass ich einen Politiker gut leiden kann, aber die Linie seiner Partei mir nicht gefällt. Umgekehrt verhält sich das genauso. Daher werde ich wohl die Tierschutzpartei wählen.“ Ein gelungener Kompromiss, wie er findet.

Max Nastula

Max Nastula, Vorsitzender der Jungen Union in Datteln, brennt auch für Europa, versteht das Wahlrecht aber nicht als Selbstläufer. Natürlich werde er wählen, teilt er über Facebook mit. „Europa hat uns sehr viel Gutes gebracht. Frieden, Wirtschaftswachstum usw.. Natürlich kann sich noch vieles verbessern, aber durch nichts tun wird nichts besser.“

Dunja Hayali

Während ihrer Lesung bei den Ruhrfestspielen äußerte sich auch die Journalistin Dunja Hayali. „Ich finde, es ist unsere Bürgerpflicht am kommenden Sonntag wählen zu gehen“, sagt sie. „Es geht jetzt um was. Es geht um uns“, so die gebürtige Dattelnerin.

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