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Deutschlands coolste Rentnerband war in der Stadthalle in Topform.

Vorpremiere

Herbert Knebels Affentheater: Lachkrämpfe garantiert

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Datteln - Herbert Knebels Affentheater präsentiert in einer abgefahrenen Vorpremiere mit „Außer Rand und Band“ sein 100. Bühnenprogramm!

Seit 30 Jahren ist das Affentheater mittlerweile unterwegs, klärte Herbert Knebel die Fans auf und wurde mit seinen Jungs frenetisch vom Publikum gefeiert. „Och, dat is ja wie immer, werden viele über unser neues Programm sagen“, behauptete Herbert Knebel selbstkritisch im Vorfeld. Ja, das ist es! Und das darf es auch sein, denn die Mischung aus guter Musik, den wunderbar blöden Ensemble-Nummern und den skurrilen Knebel-Geschichten kommt erfrischend neu belebt und herrlich abgefahren rüber.

Herbert Knebel, Ozzy Ostermann, Ernst Pichl und der Trainer scheinen während ihrer Datteln-Abstinenz in einen Jungbrunnen gefallen zu sein. Das Publikum kämpft schwer gegen die absolut hartnäckigen Begleiterscheinungen des zweistündigen Programms an: Lachkrämpfe, Lachtränen, Lachattacken, Atemlosigkeit und Schieflagen.

Deutschlands coolste Rentnerband legt die Messlatte in seinem Programm ganz hoch oben an und hüpft locker rüber. Die vier Jungs schenken sich und dem Publikum nichts, legen von Minute zu Minute noch eine Schüppe drauf. Ozzy ist lasziver denn je, der Trainer noch verhuschter, Ernst Pichl hat weitere Gesichtsgrimassen erfunden. Und Herbert? Der bleibt einfach Herbert. Der treue Ehemann von Guste, mit der er eine Kreuzfahrt startet. Das könnte ein völlig normaler Urlaubsbericht werden, wird es aber nicht, wenn Knebel ihn erzählt. Blöd, wenn man schon unter der Seekrankheit leidet, dann feststellen muss, dass das Schiff noch gar nicht abgelegt hat. So reiht sich Pointe an Pointe. Und das eigentlich Unspektakuläre in den Erzählungen verwandelt sich in wahre Verbal-Höhepunkte.

Gefangen in Erlangen

Das Trio Infernale, Pichl, Trainer und Ozzy hat auch viel zu erzählen. Die Geschichten, herrlich naiv dargeboten, haben es in sich. Pichl erzählt, dass er einst in Erlangen in Gefangenschaft geraten sei und seufzt schwer. Die Kollegen staunen. Pichl erzählt weiter: „Ich kam einfach nicht mehr aus der Tiefgarage raus.“ Der Trainer hat auch eine Story auf Lager, er berichtet von seinen Skiurlauben in Braunschweig. „Ich war dort nur auf der Piste.“ Knebel mischt sich ein und sinniert über die Ehe. Ist sie nun eine Sackgasse oder nur ein Irrtum? Nichts ist unter der Gürtellinie, nichts ist peinlich, Fremdschämen bleibt außen vor. Wohltuend anders und das Publikum bedankt sich für jede neue Spielsequenz mit begeisternden Pfiffen und Applaus.

Zwischendurch gibt es Musik und die ist richtig gut. Kein füllendes Beiwerk, sondern ein weiterer Höhepunkt im Programm. Ob von den Bee Gees, ja, die Jungs haben diese Stimmlage drauf, Pink Floyd oder David Bowie. Herbert hüpft knöchern und singt locker „Fly Me To The Moon“. Allerdings klingt das bei ihm ganz anders: „Oben aufem Mond, kannse fummeln bisset kracht, hast ja kein Gewicht, wat dich da zu schaffen macht…“

Knebel als Tina Turner

Das Publikum bescheinigt den Musikern eine unglaubliche Weiterentwicklung. Das Affentheater läuft rund, auch wenn alles außer Rand und Band scheint. Der Schlusspunkt toppt alles: Herbert erscheint als Tina Turner und versetzt die Zuschauer in Ekstase. Nach zwei Zugaben wankt das Publikum völlig ermattet mit einem fetten Grinsen nach Hause.

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