+
Albert Oelmann kennt „seinen“ Wald ganz genau. Fichten würde der Forstbetriebsbeamte heute nicht mehr in der Haard ansiedeln. Die braunen und abgestorbenen Äste sind eindeutige Anzeichen für den Borkenkäferbefall.

Waldzustand

Karl der Käfer hat nicht gefragt - Fichten in Gefahr

  • schließen

DATTELN - Der Borkenkäfer gefährdet, nach dem viel zu trockenen Sommer, die heimischen Wälder. Auch der Baumbestand in der Haard ist in Gefahr.

Vor gut einer Woche wurde der Waldzustandsbericht 2018 durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz veröffentlicht. 10.000 Bäume werden dafür seit 30 Jahren auf Nadel- und Blattverlust, Vergilbung oder Fruchtbildung geprüft. Das erschreckende Ergebnis für das Jahr 2018: Nur noch etwa 30 Prozent des Baumbestandes in NRW können als gesund eingestuft werden. Und das sind die schlechtesten Werte seit Aufzeichnungsbeginn. Die Behörde führt das auf den Klimawandel zurück. Vor allem der viel zu trockene Sommer hat dem Wald zugesetzt. „Den Bäumen fehlt schlichtweg das Wasser“, erklärt Albert Oelmann. Er ist Forstbetriebsbeamter beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. „Das fehlende Wasser sorgt nicht nur für trockene Böden, es schwächt die Bäume nachhaltig“, so Oelmann „So sind sie zu schwach, um sich gegen Schädlinge zur Wehr zu setzen.“ Besonders zu schaffen macht dies den Fichten in der Haard, aus deren Bestand etwa zehn Prozent vom Borkenkäfer befallen sind.

„Normalerweise würden die Bäume sich gegen den Befall zur Wehr setzen“, so Albert Oelmann „Doch aufgrund der Trockenheit bleibt der Harzfluss aus, durch den sie die Borkenkäfer normalerweise ersticken würden.“ Hat sich der Käfer erst mal im Baum eingenistet, ist es eigentlich schon zu spät. „Die Käfer unterbrechen durch ihre Gefräßigkeit den Wasserfluss hinauf zur Baumkrone“, erklärt Oelmann „Und dann stirbt der Baum ab.“

Seine Sorge ist, dass wenn der Regen weiterhin ausbleibt, die Bäume sich über den Winter nicht regenerieren können und der Borkenkäfer ihnen im nächsten Frühjahr den Rest gibt. Ist der Baum einmal befallen, hilft nur noch eins: Der Baum wird aus dem Wald entnommen. Nach entsprechender Nachbehandlung ist das Holz aber noch verwertbar.

Überangebot halbiert Marktpreis

Allerdings hat sich durch das Überangebot an Fichtenholz auch der Marktpreis nahezu halbiert. „Die von uns entnommenen Bäume können noch ganz normal in den Sägewerken verarbeitet werden“, erklärt Albert Oelmann. Und auch hier lauert ein nicht zu unterschätzendes Problem. „Das nächste Sägewerk, das Fichte verarbeiten kann, liegt gute 120 Kilometer von uns entfernt“, beschreibt er das Dilemma „Hinzu kommt, dass wir mehr aus den Wäldern ausführen, als zeitnah verarbeitet werden können.“

Eine Idee, um dem Überangebot her zu werden, war es, das Material als Brennholz anzubieten. „Das hat nur mäßig funktioniert“, räumt Oelmann ein. Überall auf der Welt heizt man gern mit Nadelhölzern, nur hier bei uns muss es ein Laubbaum sein.“ Daher habe man sich dazu entschieden, verstärkt auf den Export der Hölzer zu setzen. „In asiatischen Ländern ist unser Holz derzeit recht beliebt“, weiß Oelmann zu berichten. China und Japan seien derzeit dankbare Abnehmer für das Fichtenholz aus der Haard. „Das Holz wird entsprechend behandelt, containergerecht zugesägt und dann verschifft“, beschreibt Albert Oelmann den Exportverlauf.

Regen wird dringend benötigt

Doch wie ist der Wald noch zu retten? „Wir werden verstärkt auf Mischwälder setzen“, so Oelmann „Heute würde man wohl kaum nochmals versuchen, die Fichte hier anzusiedeln.“ Welche Baumarten an welcher Stelle in der Haard gepflanzt werden können, bzw. sollten, darüber gibt Albert Oelmann den über 100 privaten Waldbesitzern Auskunft. Zuerst braucht der Wald vor allem eines ganz dringend: Regen!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

1500 protestieren für den Klimaschutz - MLPD erntet Buhrufe
1500 protestieren für den Klimaschutz - MLPD erntet Buhrufe
Eklat bei Klima-Demo: Grünen-Ratsherr stört mit "Scheiße"-Zwischenrufen
Eklat bei Klima-Demo: Grünen-Ratsherr stört mit "Scheiße"-Zwischenrufen
Fridays for Future: 150 Teilnehmer  demonstrieren in Herten - so geht es weiter
Fridays for Future: 150 Teilnehmer  demonstrieren in Herten - so geht es weiter
Erste Schulen gehen ans schnelle Netz - so läuft digitaler Unterricht ruckelfrei   
Erste Schulen gehen ans schnelle Netz - so läuft digitaler Unterricht ruckelfrei   
Demonstration und Kundgebung am Berliner Platz in Oer-Erkenschwick - das steckt dahinter
Demonstration und Kundgebung am Berliner Platz in Oer-Erkenschwick - das steckt dahinter

Kommentare