Weihnachtspost-Prozess wird fortgeführt

Verurteilte Postbotin will Freispruch

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DATTELN - Das Amtsgerichts-Urteil im Weihnachtspost-Skandal ist noch nicht das letzte Wort: Die im Februar wegen Unterschlagung verurteilte Ex-Postmitarbeiterin aus Datteln hat per „Sprungrevision“ das Oberlandesgericht (OLG) Hamm angerufen. Ihre Ziele: erst ein neuer Prozess – dann ein Freispruch.

Die 51-Jährige hatte vor dem Amtsgericht Recklinghausen bis zuletzt ihre Unschuld beteuert. Laut Staatsanwaltschaft sollte sie Ende 2014 bei Briefkasten-Entleerungs-Touren im Raum Datteln/Waltrop gemeinsam mit ihrem Sohn (24) in Serie Briefe und Pakete geplündert haben.

Der Skandal war nach sich häufenden Kundenbeschwerden ans Licht gekommen. Die Post hatte daraufhin die „Briefkasten-Tour“ der Dattelnerin observiert und sogar extra bunte Testbriefe verschickt.

Amtsrichter Jan-Hendrik Mußmann war sich sicher, dass die fünffache Mutter an der Post-Plünderei zumindest beteiligt war. Der Sohn, in dessen Rucksack im Anschluss an eine von der Post observierte Tour 150 aufgerissene Briefe, Bargeld und Wertgegenstände entdeckt worden waren, war bereits vorab zu einer Geldstrafe von 400 Euro verurteilt worden.

Das Amtsgericht hielt es für nahezu unmöglich, dass die 51-Jährige nicht mitbekommen haben will, wie sich ihr Sohn bei einem achtminütigen Zwischenstopp am Straßenrand dutzende Weihnachtsbriefe in den Rucksack gestopft und dann wieder auf den Beifahrersitz gesetzt hat. Immerhin seien bei der späteren Kontrolle im Post-Stützpunkt auch im Handschuhfach Briefbündel und Gutscheine entdeckt worden.

Mit ihrem Vorstoß, die Berufungsinstanz beim Landgericht Bochum zu überspringen und direkt das Oberlandesgericht anzurufen, hat Verteidiger Johannes Thorbrügge einen vergleichsweise seltenen Weg gewählt.

Das Amtsgerichts-Urteil wird nun rein auf Rechtsfehler überprüft, Zeugenvernehmungen sind ausgeschlossen. Fest steht: Sollte das OLG die Sprungrevision verwerfen, ist das erste Urteil (900 Euro Geldstrafe wegen Beihilfe zur Unterschlagung) sofort rechtskräftig. Eine dritte Instanz gäbe es dann nicht mehr.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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