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Annette Lamprecht liest einige Szenen lieber, anstatt sie in einem Film zu sehen.

Welttag des Buches

Vorstellungskraft schlägt jeden Film

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DATTELN - Der heutige Welttag des Buches ist ein Fest des Lesens. Dattelns Buchhändler und Bücherei-Mitarbeiter ziehen das einem Kino-Hit vor.

Nach neuem Lesestoff brauchen sie nicht lange suchen: Annette Lamprecht (Buchhandlung Deilmann), Marie-Theres Niessalla (Bücherwurm) und Martina Heinze-Limberg (Stadtbücherei) sitzen an der Quelle, wenn es Zeit für neuen Bücher-Nachschub ist. Die drei Frauen haben alle verschiedene Lese-Vorlieben, aber in einem Punkt sind sich einig: Sie ziehen ein gutes Buch einem Blockbuster-Film vor. Aufwendige Filmproduktionen können aus ihrer Sicht nicht die eigene Vorstellungskraft ersetzen.

Buch als Fernseh-Ersatz

Bücherwurm-Mitarbeiterin Marie-Theres Niesalla entscheidet gerne beim Lesen, ob eine Geschichte fesselt. Sie liest gerne Familiengeschichten. „Wenn man selber Familie hat, dann berührt einen das schon mehr“, sagt sie. Aber mit der Zeit hat sie auch einen guten Krimi schätzen gelernt. Früher, als ihre Kinder noch klein waren, fiel es ihr schwer, Zeit zum Lesen aufzuwenden. „Heute ist das Buch mein Fernseh-Ersatz“, sagt Niessalla. Für ein bis zwei Stunden pro Tag taucht sie dabei in „eine andere Welt“ ab, beschreibt sie.

Zu Niessallas Lieblingsbüchern zählt der Roman „Ein wirklich erstaunliches Ding“ von Hank Green. In dem Buch taucht plötzlich künstliche Intelligenz auf der Erde auf und stellt die Bewohner vor zahlreiche Fragen und Herausforderungen. „Das ist wirklich eine moderne Geschichte“, sagt Niessalla. Die Welt, die sie sich bei dieser Geschichte ausgemalt hat, könne keine Filmproduktion mit denselben Emotionen widerspiegeln. Annette Lamprecht von der Buchhandlung Deilmann hat es der Psychothriller „Liebeskind“ von Romy Hausmann angetan. Schon der Einstieg, mit einer Familie, die mitten im Wald in einer fensterlosen Hütte wohnt, ist dabei nichts für schwache Nerven. „Ich gebe den Büchern eine Chance“, sagt Lamprecht. Falls sie eine Geschichte nicht mitreißt, legt Lamprecht Bücher auch schon mal wieder zurück in den Schrank. „Ein Buch ist bedeutend schöner als ein Film“, sagt Lamprecht. Sie könne sich die Personen im Vergleich zu einem Film besser vorstellen, obwohl sie sie nicht sehen kann. „Manche Szenen kann ich auch einfach nicht sehen, aber lesen kann ich sie schon“, erklärt Lamprecht. Für sie steht fest: „Wenn ein Film läuft, der mich interessiert, lese ich lieber das Buch dazu.“

Buch-Cover hilft bei der Suche

Angesprochen auf ihr Lieblingsbuch, fällt es Martina Heinze-Limberg, Assistentin in der Stadtbücherei, schwer, nur einen Titel oder einen einzelnen Autor zu nennen. „Im Allgemeinen mag ich Krimis mit regionalem Bezug“, sagt sie. „Die Süd-Tirol-Krimis von Lenz Koppelstätter sind sehr schön zu lesen“, so Martina Heinze-Limberg. „Die Beschreibung der Alpenkulisse und das Ermittler-Duo machen das Buch ,Der Tote am Gletscher‘ zu einem besonders lesenswerten Titel.“ Wenn Martina Heinze-Limberg auf der Suche nach neuem Lesestoff ist, dann orientiert sie sich oft an der Gestaltung des Buch-Covers. „Aber ich lasse mir auch gern Empfehlungen durch unsere Leser in der Bücherei geben“, sagt sie. „Kaum etwas bietet so viel Abwechslung wie Bücher“, so Martina Heinze-Limberg. Das sei auch der Vorteil des Buches gegenüber des Films. „Beim Lesen kann jeder seine eigenen Bilder im Kopf entstehen lassen. Beim Film muss ich nehmen, was mir vorgesetzt wird.“

Auch in den Dattelner Buchhandlungen sowie der Stadtbücherei bekommen Kinder der vierten und fünften Klassen das diesjährige Buch „Der geheime Kontinent“ von THiLO zum heutigen Welttag des Buches geschenkt. Im Rahmen der Kampagne zur Leseförderung hat Annette Lamprecht nach den Osterferien einige Schulklassen zur Besichtigung in ihrer Buchhandlung. „Dabei kann man die Hemmschwellen nehmen und den Kindern zeigen, wie sie interessante Bücher finden“, sagt sie. Wolfgang Tänzer vom Bücherwurm gibt sogar Lesungen für Klassen – entweder in der Buchhandlung oder im Klassenzimmer. Dabei liest er Ausschnitte aus dem Buch vor und will das Interesse bei den Schülern wecken.

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