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Jannik Fischer beim Herablassen der Wurfleine: Beim Einfahren eines Binnenschiffes holt er so die Leinen ein, mit denen er dann die Schiffe an den obenliegenden Pollern befestigt. Die unteren sind marode und nicht nutzbar.

Wesel-Datteln-Kanal

Festmacher sind an den Schleusen im Einsatz

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Datteln - Marode Poller an den Schleusen auf dem Wesel-Datteln-Kanal sorgen für neue Jobs. Ab sofort sind sogenannte Festmacher an den Schleusen im Einsatz.

Ab sofort sind an den Schleusen auf dem Wesel-Datteln-Kanal sogenannte Festmacher im Einsatz. Ein Beruf, der vermutlich nicht allzu vielen bekannt sein dürfte. Dabei üben die Festmacher einen mehr als hundert Jahre alten Beruf aus. Ihre Einsatzgebiete sind, seit jeher, eigentlich die Häfen dieser Welt.

Dass nun auch in Datteln Festmacher im Einsatz sind, hat einen Grund: Die Poller, an denen die Binnenschiffer ihre Schiffe während des Schleusens festmachen sind völlig marode und dadurch instabil. Das Kuriose an der Geschichte ist, dass genügend Geld vorhanden wäre, um die Schleusen zu sanieren. Doch der Abbau von Planungspersonal in den letzten Jahren führte dazu, dass Aufträge für diese Arbeiten schlichtweg nicht vergeben wurden.

Für Andreas Hans und seine Kollegen ein Glücksfall. Denn ihnen bietet sich hierdurch ein neues Betätigungsfeld. Andrea Hans ist ausgebildeter Kfz-Mechatroniker und fand zuletzt keine Anstellung mehr in seinem Beruf. „Ich bekam an einem Freitag eine Mail vom Arbeitsamt“, erinnert sich Andreas „Mit dieser erhielt ich das Jobangebot der Festmacher. Worum es sich dabei handelt, konnte ich mir zuerst aber nicht wirklich vorstellen.“

Zusammen mit seiner Mutter recherchierte er erst einmal im Internet. Nach erfolgreicher Recherche entschied Andreas, sein Glück zu versuchen und bewarb sich umgehend bei seinem jetzigen Arbeitgeber. „Samstags hatte ich die Bewerbungsmail verschickt“, beschreibt er den Bewerbungsablauf, „und schon am Montag erhielt ich eine Rückmeldung.“ Beim folgenden Telefonat habe er alle anfallenden Fragen abklären können. „Ich war tatsächlich der Letzte, der eingestellt wurde“, erzählt Andreas ein wenig stolz.

Am vergangenen Samstag gab es dann ein erstes Treffen, bei dem die etwa 50 Teilnehmer erfuhren, was zukünftig auf sie zukommen würde. Mit dabei ein Team von Festmachern aus Kiel, die ihren neuen Kollegen hier vor Ort eine Woche lang helfend zu Seite stehen. Dabei zeigen sie ihnen, wie sie sicher und fachgerecht die einfahrenden Schiffe an „die Leine“ nehmen. Und das ist nicht ganz einfach und nicht ungefährlich.

Die Seile der Schiffe müssen nämlich in einer bestimmten Reihenfolge angebracht werden. Reißt eines, weil es marode ist oder eben falsch angebracht wurde, können lebensgefährliche Verletzungen die Folge sein. Beim Einfahren der Schiffe bekommen die Festmacher vorab vom Funkmeister gemeldet, was für ein Schiff einfährt und welche Seile an welcher Stelle angebracht werden sollen. „Etwa 20 Minuten dauert der gesamte Vorgang,“, erzählt Andreas’ Kollege Jannik. „Da muss man schon konzentriert bei der Sache sein.“ Damit die Festmacher nicht durch eine Unachtsamkeit oder eine ruckartige Bewegung an einem der Seile in die Tiefe gerissen werden, sorgt ein Stahlseil, in das sie sich einklinken, für die nötige Sicherheit.

Andreas Hans freut sich auf die neue Herausforderung und ganz besonders darüber, dass er nun endlich wieder einer ordentlichen Arbeit nachgehen kann. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Im kommenden Jahr muss eine Nachfolgeausschreibung erfolgen. Ob die Jobs also von Dauer sind, ist fraglich.

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