IG Windstill

Angst vor Infraschall

DATTELN. - Die IG Windstill, die gegen den Bau von drei geplanten Windrädern in Essel und einem in Becklem an der Ortsgrenze zu Horneburg kämpft, rüstet zum nächsten Informationsabend. Mit Professor Detlef Krahé und Detlef Ahlborn kommen zwei Experten, die sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die gesundheitlichen Risiken der Windräder beleuchten.

180 Unterstützer hat die Interessengemeinschaft mittlerweile. Tendenz steigend. Das erste Ziel, das bei einem Informationsabend in Horneburg Anfang Juli ausgegeben wurde, 10 000 Euro für juristischen Beistand zu sammeln, ist erreicht. Auch ein Gespräch mit Bürgermeister André Dora hat es gegeben. „Wir haben nicht den Eindruck, dass die uns beiseiteschieben wollen“, so Jürgen Schmidt.

Auf Nachfrage sagte Stadtsprecher Dirk Lehmanski, dass die Stadt Datteln „keine grundsätzlichen Bedenken“ gegen das Bauprojekt hätte. In der Stellungnahme seitens der Verwaltung habe man gefordert, dass bei einem Schattenwurf von mehr als 30 Minuten am Tag die Rotorblätter über eine Automatik abgeschaltet würden, im Sichtkorridor – beispielsweise am Hochfeld – Bäume oder Sträucher als Sichtschutz gepflanzt würden und die Lärmgrenze von 35 dB (nachts) bei der Wohnbebauung nicht überschritten wird.

Juristischen Beistand hat die IG Windstill längst eingeholt. „Derweil wird das Planvorhaben mit dem Bebauungsplan verglichen“, sagt Martin Meurer. Es werden (Form)Fehler gesucht, die den Planern oder der Castrop-Rauxeler Verwaltung, die mittlerweile grünes Licht für das 178 Meter hohe Projekt gegeben hat und der nur noch das Okay vom Regierungspräsidenten fehlt, unterlaufen sind. Noch 2014 könnte der Bau beginnen.

Die IG Windstill will am 30. September auch über die gesundheitlichen Schäden informieren, die auftreten können. Dazu sind die Ratsvertreter der drei angrenzenden Städte eingeladen. „Wir wollen nicht politisch polarisieren, wir wollen informieren“, so Schmidt.

Ein Thema wird „Infraschall“ sein. Dabei handelt es sich um niederfrequenten Schall, der über das Gehör nicht wahrnehmbar ist. Laut einer schwedischen Studie litten 30 Prozent der Anwohner von Windkraftanlagen unter anderem an Migräne, Schlafstörungen, Ohrendruck oder Angstzuständen.

Professor Detlef Krahé von der Uni Wuppertal hat im Auftrag des Umweltbundesamtes eine Studie zur Wirkung von Infraschall durchgeführt, die im Juni veröffentlicht wurde. „Was esoterisch klingt, ist in anderen Ländern bereits Grund genug, Mindestabstände von 2 000 Metern zu schaffen“, sagt Martin Meurer.

Damit folgt die Initiative einer Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Bundesregierung beschloss bereits im April eine Änderung im Baugesetzbuch mit einer sogenannten Länderöffnungsklausel. Bayern und Sachsen haben reagiert und den zehnfachen Abstand der Windradhöhe eingeführt. „Die Flächenländer haben es umgesetzt, das bevölkerungsreichste Bundesland nicht“, kritisiert Schmidt.

Infoabend zum Thema Windräder am Dienstag, 30. September, um 20 Uhr in der Surker Tenne, Esseler Straße 44, Recklinghausen-Suderwich.

Zweiter Gastredner an dem Infoabend ist Maschinenbauingenieur Detlef Ahlborn aus Hessen, der Sprecher einer von bundesweit bis zu 700 Bürgerinitiativen ist. Er ist Windkraftgegner und engagiert sich gegen den Ausbau. Ahlborn wird die Technik und Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen darstellen.

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