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Noch bis zum 12. Mai kann der Zirkus Verona, von dem auch (v.li.) Zoe Traber, Mike Frank und Michelle Tränkler gehören, auf dem Möllerskamp 22.

Zirkusleben

Ein Leben für die Manege

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Datteln - Der Zirkus Verona ist in der Stadt. Jessica Verona spricht über das Leben in einer Zirkusfamilie und den Umgang mit Tieren.

Wenn abends für die meisten der Feierabend ruft, bereitet Jessica Verona (21) bereits alles für ihren nächsten Auftritt vor. Sie ist Teil des Zirkus‘ Verona, der im Moment in Datteln zu Besuch ist. „Man ist 24 Stunden an den Arbeitsplatz gebunden“, sagt sie. „Aber ich kann mir nichts anderes vorstellen.“

Tradition in siebter Generation

Der Zirkus Verona ist ein traditioneller Familienzirkus in siebter Generation. In Datteln sind sie bereits zum zweiten Mal. „Wir sind das ganze Jahr über unterwegs“, sagt die 21-Jährige. „Im Winter machen wir einen Monat Pause, dann gehen schon die Vorbereitungen los.“ Einen festen Wohnsitz hat ihre Familie nicht. Auf dem derzeitigen Platz am Möllerskamp stehen über ein Dutzend Wohnwagen, mit denen die Familie durch Deutschland tourt. „Ein Wohnwagen gehört meinen Eltern, in einem ist die Küche, in einem das Bad und jeder Jugendliche hat seinen eigenen kleinen Wagen – wie ein Zimmer eben.“ Jessica Verona genießt es, von Stadt zu Stadt zu fahren. „Es ist ein interessantes Leben, man kommt viel rum und erlebt viel.“ Beim Leben auf engstem Raum sei besonders eines wichtig: „Der Zusammenhalt der Familie, wir müssen alle an einem Strang ziehen.“ Schon von Kind an sind die Familienmitglieder im Zirkusleben aktiv. „Sobald man laufen kann, möchte man mit dabei sein“, weiß Jessica Verona. Zirkusauftritte sind Teil des Alltags – aber auch die Schulbildung wird nicht vernachlässigt, darauf lege die Familie Wert. Eine Privatschule reist der Familie hinterher, um die schulpflichtigen Kinder bis zum Abschluss zwei Mal die Woche zu unterrichten. An den restlichen Tagen haben die Kinder Unterricht im Internet in einem virtuellen Klassenzimmer. Nach dem Abschluss gehen die meisten auf eine Artistenschule in Berlin, um dort eine zweijährige Ausbildung zu machen. Dort lernen die Jugendlichen dann auch, welche Art der Zirkuskunst ihnen am besten liegt. Nach der Ausbildung kehren die meisten in den Familienzirkus zurück. In der Familie Verona hat sich noch niemand gegen den Zirkus entschieden.

Tierschützer: Haltung nicht artgerecht

Der Tag der Zirkusfamilie startet morgens mit dem Versorgen ihrer Tiere. In den Stallungen hinter dem Zirkuszelt stehen ein Friesenhengst, sechs Ponys, zwei Kamele, ein Schaf, eine Ziege und einige Hunde. Mit Kritik musste der Zirkus schon einige Male kämpfen. „Wir hatten schon Tierrechtler vor der Tür“, sagt Jessica Verona. „Aber ich sage immer, es gibt in jedem Beruf Menschen, die es schlecht machen.“ Was Birgit Blaschke vom Tierschutzverein Datteln e.V. kritisiert, ist das ständige Herumreisen der Tiere. „Wenn eine artgerechte Haltung nicht möglich ist, finde ich das nicht gut – aber auch ebenso wenig in einem Zoo“, sagt sie. Jessica Verona entgegnet: „Heutzutage kann man seine Tiere im Zirkus gar nicht mehr falsch halten“, allein wegen der regelmäßigen Kontrollen des Veterinäramts. An jedem Standort schaue das Amt unangekündigt vorbei und prüfe, ob die Tiere gut gehalten werden und die nötigen Papiere da sind. „Die Kontrollen führen dazu, dass sich die meisten an die Bedingungen halten, früher gab es da mehr schwarze Schafe“, bestätigt Jochem Manz, Sprecher der Kreisverwaltung, der das Veterinäramt angehört. „Wer die Bedingungen nicht erfüllt, wird ermahnt und bei weiteren Verstößen kommt es zum Auftrittsverbot“, so Manz. „Die Leute sollten sich am besten selbst ein Bild von unserer richtigen Haltung machen“, meint Jessica Verona. Ihre Familie bildet ihre Zirkustiere auch selbst aus.

Wie stehen Sie zum Thema „Tiere im Zirkus“? Schicken Sie uns Ihre Meinung an dmpredaktion@medienhaus-bauer.de. Vorstellungen gibt es bis zum 12. Mai.

Zwei Stunden am Tag vor trainieren Mensch und Tier für ihre Auftritte. Häufig werden auch die Patzer vom Vortrag noch einmal neu geübt, bevor es dann in die Vorstellung geht. Mit Lichteffekten unterlegen die Künstler ihre Show. Artisten zeigen ihr Können: am Boden und in der Luft, leuchtende Diabolo fliegen durch die Manege und Jessica zeigt Kunststücke mit ihren tierischen Begleitern. Das Publikum jubelt über den schwerhörigen Clown Spaghetti, der sich immer mal wieder blicken lässt. Während die Zuschauer nach der Vorstellung in ihre feststehenden vier Wände kehren, lässt Jessica den Abend in ihrem Zimmer auf vier Rädern ausklingen.

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