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Der Missbrauchs-Prozess gegen einen Dattelner Briefzusteller geht weiter.

Landgericht Bochum

Missbrauchs-Prozess gegen Briefzusteller (55) aus Datteln: Verteidigung geht in die Offensive

Wegen 62-fachen sexuellen Missbrauchs ist ein Briefzusteller aus Datteln angeklagt - die Verteidigung erhebt nun Vorwürfe gegen zwei Sachverständige.

  • Ein 55-jähriger Briefzusteller aus Datteln soll über Jahre hinweg Frauen und Kinder in seiner Wohnung an der Castroper Straße durch in Getränke gemischte Betäubungsmittel wehrlos gemacht, sie dann missbraucht und gefilmt haben.
  • Die Staatsanwaltschaft wirft dem Dattelner sexuellen Missbrauch in 62 Fällen vor. Im Falle einer Verurteilung geht es auch um Sicherungsverwahrung.
  • Der Briefzusteller ist nahezu voll geständig. Der Prozess findet mit Blick auf den Opferschutz fast ausnahmslos nicht-öffentlich statt.

Die zwei Pflichtverteidiger des Angeklagten haben am Mittwoch am Bochumer Landgericht erneut scharfe Kritik an den psychiatrisch-psychologischen Sachverständigen erkennen lassen. 

Das Gutachter-Duo – Prof. Sabine Nowara und Dr. Egbert Kühn – habe „grundlegende Verfahrensrechte des Angeklagten“ missachtet, indem es externe ärztliche Auskünfte zur Gesundheits-Historie des Briefzustellers gar nicht erst eingeholt beziehungsweise schlicht ignoriert habe, hieß es in Beweis- und Befangenheitsanträgen.

Datteln: Gutachten strotze vor Fehlern und fatalen Schlussfolgerungen

Obendrein, so die Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff und Matthias Tillmann, strotze das Gutachten vor Fehlern, Verwechselungen und fatalen Schlussfolgerungen. Die zwei Sachverständigen hätten erkennbar eine parteiische Haltung gegenüber dem Dattelner eingenommen, sodass ein „weiteres Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit durch andere Sachverständige“ unausweichlich sei.

Datteln: Gutachten empfiehlt Sicherheitsverwahrung

In jedem Fall soll auch noch der Hausarzt des sechsfachen Vaters zur Frage des jahrelangen, regelmäßigen Verordnens von Antidepressiva-Tabletten als Zeuge vernommen werden.

Das bisherige Gutachten geht von voller Schuldfähigkeit aus und empfiehlt eine Unterbringung des 55-Jährigen in der Sicherungsverwahrung.

Ende Dezember 2019 hatte die 8. Jugendschutzkammer einen ersten Befangenheits-Vorstoß der Verteidigung abgelehnt.

Vor Gericht standen 2019 auch andere Dattelner Fälle: Unter anderem ging es um die Pfarrhaus-Bande und einen Böllerunfall.

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