Nach einer Großrazzia in NRW wurden am Dienstag mehrere Menschen festgenommen. (Symbolbild)
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Nach einer Großrazzia in NRW wurden am Dienstag mehrere Menschen festgenommen. (Symbolbild)

"Task Force NRW" im Einsatz

Razzia gegen Großfamilie: 32 Personen verdächtigt - Ermittler durchsuchen Objekte in Datteln

  • Fabian Hollenhorst
    vonFabian Hollenhorst
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Ein 47-Jähriger und sein Großfamilien-Clan sollen Millionen mit Menschenhandel, Steuerhinterziehung und Abbruch-Firmen erwirtschaftet haben. Auch in Datteln gab es Untersuchungen.

  • Am Dienstag gab es eine Großrazzia gegen mutmaßliche Drogendealer
  • Auch Datteln soll Teil der Durchsuchungs-Aktion gewesen sein
  • Sieben Personen wurden festgenommen - insgesamt 32 Verdächtige

Update, 18.6. 9.10 Uhr:  Die  ins Visier der Ermittlungen geratene türkisch stämmige Großfamilie ist dem Bereich Clan-Kriminalität zuzurechnen, teilt das Landeskriminalamt mit. Vier der festgenommenen Personen gehören dieser Großfamilie an. Schon in der Vergangenheit seien Teile der Familie immer wieder auffällig geworden, indem sie an Straftaten bzw. an Auseinandersetzungen im Raum Düren beteiligt war. Die langwierigen verdeckt geführten Ermittlungen des LKA NRW mündeten nun in die Einsatzmaßnahmen der letzten Tage.

Eine weitere Einnahmequelle der Bande: Die ausländischen Arbeiter wurden in den angekauften Immobilien zu einer Wuchermiete untergebracht, bestätigt das LKA. Im Rahmen der Ermittlungen habe sich zudem der Verdacht eines schwunghaften Drogenhandels mit Schwerpunkt im Dürener Stadtgebiet erhärtet. Im Rahmen der Durchsuchungen waren neben örtlichen Kräften der Polizei Düren, Spezialeinheiten, Diensthunde sowie über hundert weitere Beamtinnen und Beamte im Einsatz.

Update, 17.6. 12.40 Uhr: Eine Tätergruppe aus Düren war Ziel der Großrazzia, die am Dienstag (16.6.) von der sogenannten "Task Force NRW" im Auftrag der Staatsanwaltschaft Aachen durchgeführt wurde, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt NRW (LKA). Ursprünglich war von sechs Festnahmen die Rede, nun wurde eine siebte festgenommene Person bestätigt. 

Datteln: Zehntausende Euro Bargeld sichergestellt - Immobilien im Wert von ca. 500.000 Euro beschlagnahmt

Bei der Großrazzia wurde umfangreiches Beweismaterial, insbesondere Bargeld in hoher fünfstelliger Höhe, etwa zehn Kilogramm Tabak, der vermutlich nicht verzollt wurde, Handys, Laptops, PCs sowie externe Festplatten, ein Elektroschocker und schriftliche Unterlagen sichergestellt. Vier Immobilien im Gesamtwert von etwa 480.000 Euro und drei Fahrzeuge wurden beschlagnahmt.

Gegen fünf Beschuldigte ist bereits am Dienstag (16.6) die Untersuchungshaft angeordnet worden. Die zwei weiteren Festgenommenen werden am Mittwoch (17.6) dem Haftrichter vorgeführt.

Datteln: Menschenhandel, Steuerhinterziehung und Zwangsarbeit: Ein 47-Jähriger im Visier

Das Verfahren richte sich insgesamt gegen 32 Personen im Alter von 30 bis 47 Jahren. Dem Hauptbeschuldigten (47) werden Steuerhinterziehung, Sozialleistungsbetrug, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitslohn sowie Menschenhandel und Zwangsarbeit zur Last gelegt.

Innerhalb von umfangreichen Ermittlungen seien die Einsatzkräfte auf die von dem 47-Jährigen geführten Abbruch-Firmen, die regelmäßig auf Dritte im Handelsregister eingetragen wurden, aufmerksam geworden. Mit diesen Firmen erwirtschafteten der Tatverdächtige und seine Mittäter allein in den letzten sechs Jahren Umsätze in Millionen-Höhe.

Den ausschließlich aus Osteuropa, insbesondere aus Rumänien und Moldau, rekrutierten Arbeitern wurden hingegen Stundenlöhne in Höhe von teils weniger als fünf Euro gezahlt. Zudem wurde die überwiegende Zahl der Arbeiter weder bei dem Sozialversicherungsträger noch bei den Finanzbehörden angemeldet, heißt es in der Mitteilung.

Datteln: Einnahmen in Immobilienkäufe im Dürener Norden investiert

Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuern in Höhe von knapp 500.000 Euro seien dem Staat laut den Ermittlern dadurch entgangen. Dem 47-Jährigen und seinen zum Teil mitbeschuldigten Familienangehörigen wurden dagegen über Jahre hinweg Sozialleistungen im höheren fünfstelligen Bereich ausgezahlt.

Die Bande hatte gegenüber dem zuständigen Sozialamt die Einnahmen aus der Abbruchfirma verheimlicht. Die Erlöse aus den Straftaten investierte der Beschuldigte unter anderem in den Kauf von Immobilien im Dürener Norden. Diese wurden nicht von dem Hauptbeschuldigen, sondern von Dritten erworben.

Update, 17.6. 10.40 Uhr: Wie das Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf mitteilt, dauern die Ermittlungen noch an. Zu den einzelnen Städten und durchsuchten Objekten macht das LKA keine Angaben. Neben Privatwohnungen wurden in den verschiedenen Städten in NRW und Hessen auch Gaststätten durchsucht. Welche Räumlichkeiten in Datteln untersucht wurden, ist derzeit nicht bekannt. 

Im Laufe des Mittwochs (17.6) sollen weitere Informationen zu dem Einsatz veröffentlicht werden. Wir halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Unsere Erstberichterstattung: Ermittler haben am Dienstag bei einer Großrazzia gegen mutmaßliche Drogendealer 48 Wohnungen und Gaststätten in Nordrhein-Westfalen und Teilen Hessens durchsucht. 

Der Schwerpunkt lag im Aachener Raum. Dabei wurden insgesamt sechs Verdächtige festgenommen, darunter fünf Personen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, gegen die Haftbefehle vorlagen, teilten die Staatsanwaltschaft Aachen und das Landeskriminalamt NRW am Dienstag mit.

Organisierte Kriminalität: Durchsuchung auch in Datteln

Die Tatverdächtigen sollen nach derzeitigem Kenntnisstand einer türkischstämmigen Großfamilie aus Düren bei Aachen angehören. Hinzu kommen Unterstützer. Der Gruppe wird laut der Mitteilung unter anderem Betrug sowie gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen.

Durchsucht wurde unter anderem in Düren, Köln, Hückeswagen, Datteln, Bergisch Gladbach, Bergheim, Aachen sowie in Orten in Hessen.

Schon seit längerem ermittelten Fahnder aus dem Bereich Organisierte Kriminalität umfangreich gegen die Bande, hieß es. Es seien zahlreiche Gegenstände sichergestellt worden, die derzeit ausgewertet würden. Mit Ergebnissen ist laut Polizei nicht vor Mittwoch zu rechnen.

dpa

Mit Maschinengewehren und schusssicheren Westen ausgerüstet durchsuchten Beamte eine Wohnung in Herten. Anwohner hatten Verdächtiges beobachtet.

Die Polizei hat eine weitere Aktion zur Bekämpfung der Clankriminalität durchgeführt und im Kreis Recklinghausen 20 Shisha-Bars und 250 Menschen kontrolliert.

So sollte der nächtliche Spaziergang eines 21-jährigen Oer-Erkenschwickers durch Datteln nicht enden: Er wurde von gleich mehreren Personen im Ehrenmalpark attackiert.

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