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Unbekannte haben den Briefkasten, ein Banner sowie Teile des Tores mit Lackfarbe besprüht.

UPDATE Sachbeschädigung

Farbanschläge in Datteln: Die Vandalismus-Attacke am THW- Dienstgebäude war nicht die einzige

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Zwar sind die Zahlen im Bereich der Sachbeschädigung durch Graffiti rückläufig, doch trotzdem scheint es gerade in Datteln wieder zu einem Problem zu werden. Das THW leidet noch immer - und jetzt auch Privatpersonen. 

Update 11. September

Vor etwa zwei Wochen entdeckte das THW einige Graffiti an ihrem Dienstgebäude. Doch nicht nur sie sind von den Vandalismus-Attacken betroffen. Auch Heinz Frömmichen kann den Ärger gut verstehen, denn das Grundstück seiner Tochter wird ebenfalls oft Ziel dieser Sprühattacken. 

„Wir können fast schon die Uhr danach stellen“, sagt er. „Immer zum Anfang des Monats beschmieren diese Typen den Zaun meiner Tochter.“ 

Dattelner hat Sorgen: Macht die Versicherung das noch länger mit?

Nicht nur in der Nacht, sondern auch tagsüber tauchen die Täter auf und hinterlassen einen Schaden von 4000 Euro - nur 3000 Euro werden jedoch von der Versicherung übernommen. 

Jetzt befürchtet Frömmichen, dass die Versicherung den Vertrag kündigen könnte. „Das wäre denkbar“, sagt Johanna Weidlich, Versicherungskauffrau aus Datteln. Doch sie versichert, dass man versuche, eine Lösung zu finden. „Das kann eine Erhöhung des Versicherungsbeitrages bedeuten oder eine Selbstbeteiligung sein“, so Weidlich. „Ziel ist aber stets, den Vertrag zu retten.“

Hannah Iserloh von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik bestätigt, dass es auch dort bereits fünf Fälle im laufenden Jahr gab. Die Versicherung der Klinik übernimmt diese Schäden nicht. Daher müssen sämtliche Schäden, die durch Graffiti entstehen, durch die eigene Haustechnik behoben werden. Besonders betroffen ist dabei das André-Streitenberger-Haus. 

Gebäudereiniger in Datteln: Hohe Kosten 

Lukas Franik ist Gebäudereiniger und entfernt regelmäßig Graffiti. „So ein Tagg zu entfernen kostet zwischen 200 bis 400 Euro“, sagt Franik, Betriebsleiter bei der Firma Faber. Einfach ist die Arbeit nicht, sondern ziemlich komplex. „Bevor wir ein solches ‚Werk‘ entfernen, muss ich erst mal eine Arbeitsprobe entnehmen“, erklärt er. 

Vor der Reinigung müsse geklärt werden, um welchen Untergrund und um welche Art von Farbe es sich handelt. Ebenso müsse er feststellen, wie lange die Farbe sich bereits auf dem jeweiligen Untergrund befindet. Erst dann könne er festlegen, welche Chemikalien zum Einsatz kommen, um die Schmierereien zu entfernen.

Ende August traf es das THW

"Ganz ehrlich?", Dieter Drewer macht keinen Hehl aus seinem Ärger. "Sollte der Täter jemals gefasst werden, sollte er den angerichteten Schaden bei uns mit Sozialstunden abarbeiten." Immerhin stehe ein Sachschaden von mindestens 2000 Euro zur Debatte. Als Drewer am Montagmorgen von der Vandalismus-Attacke auf das THW-Dienstgebäude erfährt, kann er es kaum glauben. 

Der Briefkasten ist komplett mit Lackfarbe übersät. Über eine Länge von gut sechs Metern wurde zudem ein Lackstreifen auf den Zaun und das Tor zum Dienstgebäude aufgebracht. Rechts vom Tor sind drei Buchstaben aufgesprüht worden und auch die Straße haben die Schmierfinken mit Buchstaben- auch Taggs genannt - beschmutzt. Mit einem Kunstwerk, wie sie der britische Streetart-Künstler Banksy auf der ganzen Welt hinterlässt, hat dieses Machwerk nun wirklich nichts zu tun. 

Datteln: Hohe Aufklärungsrate

Dieter Drewer fackelt nicht lange und erstattet Anzeige bei der Polizei. "Ob es was bringt, das weiß ich nicht", sagt er. Ein Blick in die aktuelle Kriminalstatistik macht zumindest ein wenig Hoffnung, dass der oder die Täter gefasst werden. Denn immerhin werden 42 Prozent aller Sachbeschädigungen durch Graffiti in Datteln aufgeklärt. 

2018 wurden wurde in 14 Fällen Anzeige bei der Polizei erstattet. Im Jahr 2010 waren es noch 123 Fälle. "Seitdem sind die Zahlen rückfläufig", sagt der Pressesprecher der Polizei, Michael Franz. Damit Fälle dieser Art aufgeklärt werden können, sei die Polizei vor allem auf die Aufmerksamkeit und Mithilfe der Bürger angewiesen, gibt Michael Franz zu verstehen. 

Datteln: Auch andere Städte sind betroffen

Auch in anderen Städten des Kreises sind die Werke mancher Sprayer ein Ärgernis. In Recklinghausen wurden zum Beispiel die Pflanzkübel der mobilen Bäume besprüht. In Dortmund hatten Maskierte zum Jahreswechsel sogar eine S-Bahn blockiert, um diese dann zu besprühen. In Dattelns Nachbarstadt Marl wurden Flächen zum Sprayen geschaffen und sogarein Wettbewerb ausgerufen. Ein besonderer Fall von Vandalismus beschäftigt die Polizei in Oer-Erkenschwick. Ein Auto ist zerstört, das Tatwerkzeug ist ungewöhnlich.

 

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