Fälle von Vernachlässigung oder Verwahrlosung machen rund 50 Prozent der Arbeit der Medizinischen Kinderschutzambulanz der Kinderklinik aus.
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Fälle von Vernachlässigung oder Verwahrlosung machen rund 50 Prozent der Arbeit der Medizinischen Kinderschutzambulanz der Kinderklinik aus.

Kinderschutz

Gewalt gegen Kinder: In Datteln werden jährlich über 1000 Fälle gemeldet 

  • Uwe Wallkötter
    vonUwe Wallkötter
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  • Sebastian Balint
    Sebastian Balint
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Die Ambulanz an der Kinderklinik in Datteln registrierte seit mehreren Wochen nur sehr wenige neue Meldungen über Gewalt gegen Kinder. Aber es fehlen wichtige Frühwarnsysteme. 

  • Jährlich werden mehr als 1000 Kinder und Jugendliche in der Ambulanz vorgestellt.
  • Bei rund 50 Prozent der Fälle handelt es sich um vernachlässigte und/oder verwahrloste Kinder.
  • In rund 45 Prozent der Fälle wurde den Kindern körperliche oder sexuelle Gewalt angetan.

"Corona hat was gemacht. Aber wir wissen noch nicht was", sagt Dr. Tanja Brüning, Leiterin der Medizinischen Kinderschutzambulanz an der Vestischen Kinderklinik in Datteln. An der Klinik wurde zu Beginn der Corona-Pandemie ein massiver Rückgang bei den Meldungen von Gewalt gegen Kinder verzeichnet. 

Aus Sicht der Medizinerin keine Überraschung, denn Erzieher in den Kitas und Lehrer an den Schulen sind auch dank der Präventionsarbeit der Kinderklinik beim Thema Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung inzwischen sehr sensibilisiert. 

Datteln: Betroffene wegen Corona isoliert

Doch diese Einrichtungen waren wegen des Corona-Lockdowns geschlossen, die Betroffenen isoliert und mögliche Fälle von Gewalt gegen Kinder blieben somit hinter verschlossenen Türen. In der Regel würden etwa 80 Fälle pro Monat gemeldet, sagt Dr. Tanja Brüning. In den ersten Wochen der Pandemie habe es aber kaum Meldungen gegeben.

Sie ist sich sicher, dass es angesichts der Ausgangsbeschränkungen sowie geschlossener Schulen und Kitas Extremsituationen in den Familien gegeben habe. Doch die üblichen Kontrollsysteme hätten wegen des Lockdowns nicht funktionieren können. Bekannte Risikofamilien seien aber regelmäßig durch das Jugendamt besucht worden. 

Derweil startete eine Familie aus Datteln den versuch, ihren Urlaub im Ausland zu verbringen. Dort stieß sie auf ganz andere Probleme.

Datteln: Noch ist unklar, ob es zu mehr Gewalt gegen Kinder gekommen ist

"Wir haben aber keine schwereren Verletzungen gesehen als sonst", berichtet die Ärztin. Allerdings: Sollte es in den ersten Wochen von Corona vermehrt zu Gewalt gegen Kinder gekommen sein, so konnte das nach der Lockerung der Corona-Auflagen nicht festgestellt werden. "Hämatome sind dann wieder weg gewesen."

Jetzt hat sie Sorge, dass sich die negativen Erziehungserfahrungen aus der Corona-Zeit in mancher Familie festsetzt und zum Normalzustand wird. Ob das am Ende zu einer Zunahme der Fallzahlen sorgt, das werde sich erst noch zeigen müssen. 

Die Kinderschutzambulanz an der Kinderklinik ist ein außergewöhnliches Projekt. Aber auch darüber hinaus gibt es viel Interessantes in der Kanalstadt zu entdecken.

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