Hausherr Kevin Nikodem (27) mit Mops-Opa Otto (l.) und Mops-Dame Erna im Wohnzimmer des 50er-Jahre-Hauses.
+
Hausherr Kevin Nikodem (27) mit Mops-Opa Otto (l.) und Mops-Dame Erna im Wohnzimmer des 50er-Jahre-Hauses.

Das 50er-Jahre-Haus

Ein Dattelner lässt Erinnerungen an das Wirtschaftswunder wieder aufleben

  • Sebastian Balint
    vonSebastian Balint
    schließen

Der Dattelner Kevin Nikodem hat sich mit 27 Jahren in der Beisenkamp-Siedlung einen Lebenstraum erfüllt. Er hat ein Zechenhaus im Stil der 50er-Jahre saniert.

Es duftet nach frisch aufgebrühtem Kaffee, Mops-Dame Erna schnarcht entspannt in ihrem Körbchen unter dem Küchenfenster, Mops-Opa Otto sitzt im Halbschlaf vor dem Weihnachtsbaum und aus einem kleinen, braunen Lautsprecher über der Waschnische der Küche erklingt Margot Eskens: „Der eine putzte Schuh‘, der and’re macht Musik. Der dritte sucht jeden Tag im Hafen sein Glück. Sie hatten die Welt sich anders vorgestellt: Fernando, Alfredo und José.“

Ob die Protagonisten aus dem alten Schlager jemals ihr Glück gefunden haben, ist nicht überliefert. Kevin Nikodem (27) hingegen hat sein Glück in der Beisenkamp-Siedlung gefunden. Und zwar auf der Kolonialstraße 1. Hier ist über einen Zeitraum von fast zwei Jahren das 50er-Jahre-Haus entstanden, in das er jetzt eingezogen ist.

Datteln: Köstlicher Kaffee aus dem Wigomaten

„Exakt 110 Jahre nach Erstbezug“, freut sich Nikodem, der das Haus in Datteln zukünftig auch Besuchern zugänglich machen will. Über einen Zeitraum von 618 Tagen hat der gelernte Elektroniker, der zu den letzten Bergleuten auf Auguste Victoria in Marl zählte, das Haus auf der Kolonialstraße saniert und innen wie außen nach original Plänen im Stil der 50er-Jahre hergerichtet.

Mit einer grauen Schiebermütze, grauem Hemd und einer Stoffhose, die durch blau gestreifte Hosenträger gehalten wird, gekleidet, sitzt Kevin Nikodem am Esstisch seiner in zarten Pastelltönen eingerichteten Küche im Erdgeschoss des alten Zechenhauses und schenkt einen Kaffee aus einem Wigomaten ein.

Von der Bruchbude zum Schmuckstück - Dattelner verwirklicht seinen Lebenstraum

Dachpfannen, Fensterläden, Dachrinnen und auch die Haustür wurden extra angefertigt.
Dachpfannen, Fensterläden, Dachrinnen und auch die Haustür wurden extra angefertigt. © ANDREAS KALTHOFF
Zeitweise glich das heutige Schmuckstück einer Bruchbude.
Zeitweise glich das heutige Schmuckstück einer Bruchbude. © ANDREAS KALTHOFF
Unter den alten Holzdielen verstecke sich reichlich Kohle, die für dein ein oder anderen Ascheregen sorgte.
Unter den alten Holzdielen verstecke sich reichlich Kohle, die für dein ein oder anderen Ascheregen sorgte.  © ANDREAS KALTHOFF
Vor dem Wiederaufbau erfolgte der Abriss.
Vor dem Wiederaufbau erfolgte der Abriss.  © ANDREAS KALTHOFF
Die roten Fliesen mussten den gelben weichen.
Die roten Fliesen mussten den gelben weichen.  © ANDREAS KALTHOFF
Wer fleißige Handwerker sehen wollte, der musste nur an der Kolonialstraße vorbeischauen.
Wer fleißige Handwerker sehen wollte, der musste nur an der Kolonialstraße vorbeischauen. © ANDREAS KALTHOFF
Das alte Fachwerk hat der gelernte Elektroniker ebenfalls entfernt.
Das alte Fachwerk hat der gelernte Elektroniker ebenfalls entfernt.  © ANDREAS KALTHOFF
19 Container mit Bauschutt und Müll musste Kevin Nikodem entsorgen.
19 Container mit Bauschutt und Müll musste Kevin Nikodem entsorgen. © ANDREAS KALTHOFF
4079 Dachpfannen wurden verbaut, um das Dach wieder herzustellen.
4079 Dachpfannen wurden verbaut, um das Dach wieder herzustellen.  © ANDREAS KALTHOFF
Das Dach musste rundum erneuert werden. Das öffnete für kurze Zeit einen schönen Blick über die Siedlung.
Das Dach musste rundum erneuert werden. Das öffnete für kurze Zeit einen schönen Blick über die Siedlung. © ANDREAS KALTHOFF
Eine der vielen Rechnungen, die der Hausherr im Laufe der Jahre berappen musste.
Eine der vielen Rechnungen, die der Hausherr im Laufe der Jahre berappen musste.  © ANDREAS KALTHOFF
Unzählige Stunden musste Kevin Nikodem neben seinem Beruf in das Haus stecken.
Unzählige Stunden musste Kevin Nikodem neben seinem Beruf in das Haus stecken. © ANDREAS KALTHOFF
50er-Jahre-Chic auch bei den Accessoires.
50er-Jahre-Chic auch bei den Accessoires.  © ANDREAS KALTHOFF
Schlafen wie zu Omas Zeiten. Alles im Schlafzimmer ist original.
Schlafen wie zu Omas Zeiten. Alles im Schlafzimmer ist original.  © ANDREAS KALTHOFF
Ein Hingucker: der bunte Springbrunnen inmitten der Pflanzen.
Ein Hingucker: der bunte Springbrunnen inmitten der Pflanzen. © ANDREAS KALTHOFF
Dies ist die letzte Aufnahme des Trios. Mops-Opa Otto erlag nur wenige Tage vor Weihnachten seinem Krebsleiden.
Dies ist die letzte Aufnahme des Trios. Mops-Opa Otto erlag nur wenige Tage vor Weihnachten seinem Krebsleiden.  © ANDREAS KALTHOFF
Auch das Tonband ist noch funktionstüchtig. Nikodem besitzt diverse Bänder mit Musik darauf.
Auch das Tonband ist noch funktionstüchtig. Nikodem besitzt diverse Bänder mit Musik darauf.  © ANDREAS KALTHOFF
Am liebsten hört Kevin Nikodem eine seiner vielen tausend Schallplatten.
Am liebsten hört Kevin Nikodem eine seiner vielen tausend Schallplatten.  © ANDREAS KALTHOFF
Sämtliche Geräte in der alten Küche funktionieren. Kaffee gibt es zum Beispiel aus dem Wigomaten.
Sämtliche Geräte in der alten Küche funktionieren. Kaffee gibt es zum Beispiel aus dem Wigomaten.  © ANDREAS KALTHOFF
Kevin Nikodem mit Mops-Opa Otto und Mops-Dame Erna.
Kevin Nikodem mit Mops-Opa Otto und Mops-Dame Erna.  © ANDREAS KALTHOFF
Das gute Porzellan wird natürlich in der Vitrine zur Schau gestellt.
Das gute Porzellan wird natürlich in der Vitrine zur Schau gestellt.  © ANDREAS KALTHOFF
Der stolze Hausherr im Wohnzimmer seines 50er-Jahres-Hauses.
Der stolze Hausherr im Wohnzimmer seines 50er-Jahres-Hauses. © ANDREAS KALTHOFF
Heißes Wasser gibt es stilecht aus dem Boiler.
Heißes Wasser gibt es stilecht aus dem Boiler.  © ANDREAS KALTHOFF
In der Waschnische steht sogar Putzmittel aus den 50er-Jahren.
In der Waschnische steht sogar Putzmittel aus den 50er-Jahren.  © ANDREAS KALTHOFF
Nach erfolgreichem Waschgang muss das Wasser von Hand abgelassen werden.
Nach erfolgreichem Waschgang muss das Wasser von Hand abgelassen werden.  © ANDREAS KALTHOFF
In der Spülmaschine wird das Wasser über das Geschirr geschleudert.
In der Spülmaschine wird das Wasser über das Geschirr geschleudert.  © ANDREAS KALTHOFF
Kevin Nikodem ist es gelungen die letzten Fliesen der gewünschten Serie zu ergattern.
Kevin Nikodem ist es gelungen die letzten Fliesen der gewünschten Serie zu ergattern. © ANDREAS KALTHOFF

Datteln: Großeltern können Leidenschaft nicht nachvollziehen

Dabei handelt es sich um die weltweit erste Filterkaffeemaschine, die 1954 in Deutschland patentiert wurde. Nicht der einzige Gegenstand im Hause Nikodem, der aus heutiger Sicht für manch einen kurios erscheinen mag. „Ich lege viel Wert darauf, dass sämtliche Geräte, die hier stehen, auch funktionieren“, erklärt Nikodem, der einen riesigen Fundus elektronischer Geräte aus Großmutters Zeiten sein Eigen nennt.

„Überraschenderweise haben meine Großeltern keinen so großen Einfluss auf meine Sammelleidenschaft gehabt, wie manch einer glauben mag“, sagt der 50er-Jahre-Freak, wie er sich auf seinem Instagram-Profil nennt. „Die schütteln eigentlich immer mit dem Kopf, wenn ich wieder etwas ‚neues‘ Altes anschleppe.“

Das 50er-Jahre-Haus in Zahlen

Ganze 25 Meter Fachwerksbalken musste Kevin Nikodem austauschen, ebenso wie 94 Meter Kupferrohr. Außerdem hat er in 618 Tagen Bauzeit 1640 Fliesen, 48 Rollen Tapete, 185 Meter Kabel, 43 Steckdosen, 14 Lichtschalter, 315 Schieferplatten, 40 Meter Bleiband, 2400 Schrauben, 40 Meter Dachrinne, 2250 Meter Dachlatten, 198 Meter Dämmung, 4079 Dachpfannen und 125 Liter Farbe verbraucht. Während der Sanierungsarbeiten waren 19 Müllcontainer nötig, um alte Materialien zu entsorgen.

Datteln: Hausherr ist überzeugter Beisenkämper

Begonnen habe wohl alles mit der alten Musiktruhe der Großeltern, die gleich nebenan wohnen, vermutet Kevin Nikodem. „Mir gefiel die Musik und die in der Truhe verbaute Technik interessierte mich ebenfalls.“ Da war der gebürtige Dattelner etwa zwölf Jahre alt. Er beginnt, die ersten Radios und andere Geräte zu sammeln, die er, sofern nötig, auch selbst repariert und restauriert.

Zur Inspiration tragen auch die alten Filme mit Stars wie Peter Alexander, Theo Lingen und Heinz Rühmann bei. Mit den 50er-Jahren verbindet er Gemütlichkeit, Geborgenheit und Zusammenhalt – einfach eine heile Welt. „Und nach und nach entstand der Wunschtraum, einmal ein Haus zu besitzen, das genau so eingerichtet ist, wie ich es aus den alten Filmen kannte“, erinnert sich Nikodem. „Ich wusste von Beginn an, wie dieses Haus dann aussehen soll. Und mir war ebenso klar, wenn, dann hier im Beisenkamp.“

Die vollständige Geschichte über Kevin Nikodem und das 50er-Jahre-Haus lesen Sie in der Printausgabe der Dattelner Morgenpost, oder in unserem ePaper.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Coronavirus in Datteln: Zwei Neu-Infektionen zum Wochenstart - Inzidenz bleibt wieder unverändert
Coronavirus in Datteln: Zwei Neu-Infektionen zum Wochenstart - Inzidenz bleibt wieder unverändert
Coronavirus in Datteln: Zwei Neu-Infektionen zum Wochenstart - Inzidenz bleibt wieder unverändert
Millionenprojekt in Datteln: Wann können Atze, Paul Panzer und Co. wieder in der Stadthalle auftreten?
Millionenprojekt in Datteln: Wann können Atze, Paul Panzer und Co. wieder in der Stadthalle auftreten?
Millionenprojekt in Datteln: Wann können Atze, Paul Panzer und Co. wieder in der Stadthalle auftreten?
Zahl der i-Männchen in Datteln steigt: So viele Anmeldungen gibt es zum neuen Schuljahr
Zahl der i-Männchen in Datteln steigt: So viele Anmeldungen gibt es zum neuen Schuljahr
Zahl der i-Männchen in Datteln steigt: So viele Anmeldungen gibt es zum neuen Schuljahr
Tankbetrüger und Verkehrsrowdy: So lautet das Urteil gegen einen 21-jährigen Mann aus Datteln
Tankbetrüger und Verkehrsrowdy: So lautet das Urteil gegen einen 21-jährigen Mann aus Datteln
Tankbetrüger und Verkehrsrowdy: So lautet das Urteil gegen einen 21-jährigen Mann aus Datteln
Eine süße Ära geht zu Ende: Der "Meister der Torten" tritt nach fünf Jahrzehnten ab
Eine süße Ära geht zu Ende: Der "Meister der Torten" tritt nach fünf Jahrzehnten ab
Eine süße Ära geht zu Ende: Der "Meister der Torten" tritt nach fünf Jahrzehnten ab

Kommentare