„Tabukrankheiten – wofür schämen?“ lautete das Thema der SWR-Fernsehsendung „Nachtcafé“, in der die Dattelnerin Melanie Clauss (vorne, links) zu Gast bei Moderator Michael Steinbrecher (3.v.l.) war. Gemeinsam mit anderen Betroffenen sprach sie offen über ihre Krankheit, darüber wie Zwänge und Ängste ihr Leben bestimmt haben.
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„Tabukrankheiten – wofür schämen?“ lautete das Thema der SWR-Fernsehsendung „Nachtcafé“, in der die Dattelnerin Melanie Clauss (vorne, links) zu Gast bei Moderator Michael Steinbrecher (3.v.l.) war. Gemeinsam mit anderen Betroffenen sprach sie offen über ihre Krankheit, darüber wie Zwänge und Ängste ihr Leben bestimmt haben.

Zwangsstörungen

Dieser Frau aus Datteln helfen Chili-Bonbons und Knete gegen die Angst

  • Simone Hollenhorst
    vonSimone Hollenhorst
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Zwänge haben das Leben der Dattelnerin Melanie Clauss (25) dominiert. Jetzt hat sie die Krankheit im Griff und geht an die Öffentlichkeit – um anderen Mut zu machen.

Eine kleine Schachtel hat die Dattelnerin Melanie Clauss (25) immer dabei. Darin befinden sich Karteikarten mit mutmachenden Worten, Knete und Chili-Bonbons. Diese Dinge helfen der jungen Frau, wenn im Alltag Angst oder Zwangsgedanken aufkommen. „Die Schärfe der Bonbons oder die Knete bringen einen dazu, sich auf etwas anderes zu konzentrieren“, sagt Melanie Clauss.

Etwas anderes als den Zwang, sich noch einmal die Hände waschen zu müssen, noch einmal einen Kontrollgang durch die Wohnung zu machen, um zu prüfen, ob alle Fenster zu und alle Elektrogeräte ausgeschaltet sind. Über vier Jahre haben solche Zwänge und Ängste das Leben der jungen Frau aus Datteln geprägt, ausgelöst durch Überforderung im Job und ein traumatisches Erlebnis.

Zwänge sind eine Krankheit

Zwangserkrankungen sind eine psychische Störung. Sie äußern sich durch immer wiederkehrende Gedanken und zwanghafte Handlungen, die den Alltag der Betroffenen bestimmen.

Von Zwangserkrankungen sind zwei bis drei Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Damit handelt es sich um die vierthäufigste psychische Störung.

Zwänge heißen auch die „heimliche Krankheit“, weil sich viele Betroffene schämen und sie verheimlichen.

Irgendwann war es so schlimm, dass die Krankheit ihren Alltag bestimmt hat. Bis sie damals das Haus verlassen kann, dauert es ein bis zwei Stunden. „Ich rannte zehn Mal hin und her, prüfte, ob Heizungen aus sind, und der Wasserkocher ausgestöpselt ist und so weiter“, erklärt sie. „Wenn ich etwas vergesse, oder falsch mache, könnte etwas Schlimmes passieren“, beschreibt sie ihre Zwangsgedanken.

„Ich kam einmal zweieinhalb Stunden nicht aus dem Bad heraus, ich musste alles immer wieder wiederholen“, sagt Clauss. Das war der Punkt, an dem ihr und ihrer Familie klar wird, dass es so nicht weitergehen kann. Es folgen zwei Aufenthalte in Kliniken. Der Zweite fruchtet. Die junge Frau lernt, sich ihren Ängsten zu stellen, sie auszuhalten. „Expositionsübungen“ nennt man das.

Wie es der jungen Frau mittlerweile geht, das lesen Sie in der heutigen Printausgabe der Dattelner Morgenpost und in unserem ePaper.

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