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Dunja Hayali definierte in ihrer Geburtsstadt den Begriff Heimat, um den sich auch ihr Buch dreht.

Dunja Hayali

Kein Verständnis für IGBCE-Aufruf

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DATTELN - Dunja Hayali liest aus „Haymatland“ im Reinhard-Lettmann-Haus und nimmt Stellung zur IGBCE-Aufforderung, das Gemeindehaus umzubenennen.

Die gebürtige Dattelnerin Dunja Hayali war am Freitagabend im Reinhard-Lettmann-Haus zu Gast, um aus ihrem Buch „Haymatland“ zu lesen.

Aufforderung der IGBCE-Ortsgruppe

Das Gemeindehaus war in den letzten Wochen in die Schlagzeilen geraten, nachdem die IGBCE-Ortsgruppe öffentlich dazu aufgefordert hatte, Inhaber von Karten für die Lesung Hayalis mögen diese verfallen lassen, sollte die Lesung nicht an einen anderen Veranstaltungsort verlegt werden. Hintergrund für diese Forderung ist die Verstrickung des namensgebenden Bischofs Reinhard Lettmann, der den wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Priester Heinz Pottbäcker im Amt belassen hatte.

„Für die Forderung der IGBCE-Ortsgruppe habe ich kein Verständnis“, so die Journalistin und Moderatorin in ihrer im Rahmen der Lesung angekündigten Stellungnahme. „Sie ist absolut lächerlich und vor allem sehr durchschaubar.“ Die gebürtige Dattelnerin mit irakischen Wurzeln hatte bereits vorab durch ihr Management verlauten lassen, dass sie die Lesung dennoch wie geplant durchführen werde.

Gefolgt war dem Aufruf der IGBCE-Ortsgruppe offensichtlich niemand, denn das Haus war bis auf den letzten Platz belegt, die Veranstaltung schon lange ausverkauft. „Die Nachfrage war trotz allem ungebrochen hoch“, so die Inhaberin der veranstaltenden Buchhandlung Deilmann, Annette Lamprecht. „Wir hätten locker dreimal so viele Karten verkaufen können.“ Dass das Gemeindehaus umbenannt werden müsse, dafür sprach sich auch Hayali aus, lobte jedoch auch die Gemeinde dafür, dass sie die Diskussion dazu nicht hinter verschlossenen Türen führe.

"Haymatland"

Im Mittelpunkt des Abends stand aber ihr Buch „Haymatland“. Für Dunja Hayali stellt sich die Frage gar nicht, ob sie Deutsche ist. „Natürlich bin ich das“, sagt sie. „Die Frage, ob man deutsch ist, stellt sich einem eigentlich erst dann, wenn man versucht, einem das wegzunehmen.“ Das sei nicht nur ihre Feststellung, sondern treffe auf viele Menschen zu. „Menschen, die das Land ihrer Eltern noch nie gesehen haben, die hier aufgewachsen sind, die teilweise nicht mal die Sprache ihrer Eltern sprechen. Menschen, die nichts anderes kennen als dieses Land, in dem sie leben und dessen Sprache sie sprechen, wird abgesprochen deutsch zu sein“, berichtet sie. Es sei also völlig absurd, dass Menschen, die sich selbst als Minderheit beschreiben, nun hergingen und andere Minderheiten diskriminieren. „Heimat ist doch nicht durch die Geburt festgelegt, das ist vielschichtiger“, sagt sie. „Heimat, das ist ein Paradies, aus dem man gedanklich nicht vertrieben werden kann.“ Dafür erntet sie in ihrer Heimatstadt viel Applaus.

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