Schrottimmobilie in exponierter Lage: das Hochhaus am Südring 282.
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Schrottimmobilie in exponierter Lage: das Hochhaus am Südring 282.

Hochhaus Südring 282

Zehn Jahre XXL-Leerstand

  • vonBjörn Korte
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DATTELN - Die Unterbringung von Geflüchteten und Asylbewerbern hätte Dattelns Verwaltung günstiger haben können, als für mehr als fünf Millionen Euro, die für neue Quartiere am Markfelder Weg und An der Linde im Stadthaushalt eingeplant sind. Das meint Ralf Lomparski, selbst ernannter Verwalter des leer stehenden Hochhauses am Südring 282.

Schließlich stehen in dem 70er-Jahre-Klotz 45 Wohnungen leer. Nur eine bewohnt Lomparski selbst – gelegentlich. Zehn Jahre ist es her, dass die Stadtverwaltung den Bau ab der ersten Etage räumen ließ, wegen eklatanter Brandschutzmängel. Weniger als eine Million Euro würde gebraucht, um das Gebäude wieder bewohnbar zu machen, meint Lomparski. Unter anderem müssten der Fahrstuhl wieder in Gang gesetzt und Sicherheitsbeleuchtung neu installiert werden. Und natürlich ist nicht nur die Fassade in einem traurigen Zustand, auch so manche Wohnung. Aber die Bausubstanz sei solide, heißt es.

Dieser Einschätzung des im Rathaus schon vor Jahren zur Persona non grata erklärten Hochhaus-Verwalters will Stadtsprecher Dirk Lehmanski nach Rücksprache mit der Bauverwaltung nicht widersprechen. Die Unterbringung von Flüchtlingen im Hochhaus wäre nach Wiederherstellung des Brandschutzes „planungsrechtlich möglich“, sagt der Stadtsprecher, verweist aber auf die geltenden Ratsbeschlüsse zum Bau von Flüchtlingsquartieren an der Markfelder Straße, An der Linde (befristet bis Ende 2019) und perspektivisch an der Wagnerstraße in Hagem. Man habe auch darüber nachgedacht, das Hochhaus als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, sagt Dirk Lehmanski, aber die Sache sei kompliziert – wegen der „unklaren Eigentumsverhältnisse“. Seine abschließende Stellungnahme: „Wir prüfen das, aber Genaueres kann ich dazu jetzt noch nicht sagen.“

39 der 46 Wohnungen im Hochhaus gehören ihm, sagt Ralf Lomparski, der nach eigenen Angaben bei Banken mit einer hohen sechsstelligen Summe in der Kreide steht. Aber er habe Handlungshoheit über das Gebäude. Die Stadtverwaltung rede mit ihm schon lange nicht mehr. Stattdessen rede er mit drei Investoren, die Interesse bekundet hätten, das Gebäude zu übernehmen und zu sanieren. Ein Interessent komme aus Holland, ein weiterer sei Renovita, die Nachfolgefirma der insolventen WPE/WPN, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Mehr will Lomparski nicht verraten. „Wir warten den Frühling ab und schauen, was sich ergibt.“

Die Ermittlungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bochum gegen die insolventen Gesellschaften WPE und WPN (Wohnpark Emmerich und Wohnpark Nord, beide zuletzt mit Firmensitz in Datteln) werden weitere Monate andauern, sagte uns Oberstaatsanwältin Cornelia Kötter. Es brauche Zeit, „die angebliche Werthaltigkeit des Immobilienbestandes zu ermitteln“, so Kötter. Die Firmen hatten unter anderem in Emmerich und Bremerhaven dubiose Geschäfte mit Schrottimmobilien gemacht. Das geplante nächste Projekt der WPE war das Hochhaus am Dattelner Südring, das mit dem Geld von privaten Investoren saniert werden sollte. Die WPE pries ihr Finanzmodell als „Steueroase“. WPE-Kunden, die Erspartes investiert und wohl verloren haben, sprechen von einem „Schneeballsystem“. Gegen Verantwortliche wird wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Kapitalanlagebetrugs und unerlaubten Betreibens von Bankgeschäften ermittelt. Es gebe 170 Geschädigte, sagt Oberstaatsanwältin Kötter, aber „weniger als zehn Anzeigen“. Die Höhe der Schadenssumme wurde mittlerweile von sechs Millionen auf 4,5 Millionen Euro nach unten korrigiert.

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