In solchen Röhrchen werden die kleinen Raubmilben angeliefert.
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In solchen Röhrchen werden die kleinen Raubmilben angeliefert.

Hummeln und Bienen kommen mit der Post

Keine Chemie: Tierische Helfer sorgen für gute Ernte in Datteln

  • Sebastian Balint
    vonSebastian Balint
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DATTELN - Obstbauer Josef Knigge hat sich für die Kraft der Natur entschieden. Er setzt zur Schädlingsbekämpfung Raubmilben ein.

Der Aufbau von Monokulturen sowie der großflächige Einsatz von Pestiziden ziehen schwerwiegende Folgen nach sich. Wo früher das Surren unzähliger Bienen und Hummeln, die durch die Gegend schwirrten, zu hören war, herrscht heute oftmals Stille.

Und wo die kleinen Bestäuber nicht ihren Dienst ausüben, da tragen Obstbäume und andere Pflanzen später keine Früchte. Für Obstbauer Josef Knigge und seine Familie wäre das eine Katastrophe. Auf dem elterlichen Hof Engelkamp-Knigge werden, neben anderen Erzeugnissen, Äpfel und Erdbeeren angebaut. „Wir haben nicht mehr genug Bienen und Hummeln in der Gegend“, erklärt Josef Knigge. „Darum helfen wir in dieser Saison nach.“ Gleich kistenweise hat er sich Wildbienen und Hummeln anliefern lassen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Helfer kommen mit der Post

Die kleinen Kartons mit den kleinen Brummern hat er im Erdbeertunnel und auf dem Feld mit den Apfelbäumen postiert. „Aufgestellt haben wir die Kisten während der Aussaat“, sagt Knigge. „Ich setze auf die Wildbiene, weil sie bei Temperaturen um fünf Grad Celsius aktiv wird. Die Honigbiene braucht deutlich höhere Temperaturen.“ Das erhöhe bei den unbeständigen Wetterverhältnissen die Chancen auf eine erfolgreiche Bestäubung. Nachdem die kleinen Helfer geschlüpft waren, gingen sie frisch ans Werk. Blühende Obstbäume und kräftig wachsende Erdbeerpflanzen sind ihr sichtbarer Leistungsnachweis. Es folgt eine heikle Phase. Bei Läusen und Spinnmilben stehen die Pflanzen hoch im Kurs. Die kleinen Schädlinge sind mit 0,5 Millimetern winzig klein. Ihr Hunger ist umso größer. In kürzester Zeit schaffen es die Winzlinge, den Pflanzen schwerste Schäden zuzufügen.

Integrierter Pflanzenschutz

Viele Landwirte gehen in diesem Fall her und bringen chemische Mittel ein, um die Schädlinge zu bekämpfen. Josef Knigge hingegen setzt auf integrierten Pflanzenschutz. „Wir setzen so wenige Chemikalien wie irgend möglich ein und nur so viel wie unbedingt nötig“, beschreibt er das Verfahren. Knigge setzt ein weiteres Mal auf die Kraft der Natur. Die Schädlingsbekämpfer, die er ins Feld führt, kommen ebenfalls mit der Post. Er setzt in dieser Saison erstmals auf Raubmilben im Kampf gegen die Schädlinge. Die werden in kleinen zehn Zentimeter langen Röhrchen angeliefert. Diese werden unterhalb der Pflanzen postiert. Von dort aus starten die winzigen Helfer zu ihrer Mission, den Spinnmilben den Garaus zu machen. „Die Raubmilben sind die natürlichen Gegenspieler tierischer Schädlinge“, sagt Knigge.

Greifvögel gehen auf die Jagd nach Nagern

Bei den Apfelbäumen sind seine Helfer deutlich größer als die Raubmilben. „Mäuse und Ratten sind dort unser größtes Problem“, erklärt Josef Knigge. Zwischen den Obstbäumen ragen Sitzstangen hervor. Sie dienen Greifvögeln als Ausguck für die Jagd auf die kleinen Nager. „Von dort können sie sich einen guten Überblick über das Treiben zwischen den Obstbäumen verschaffen und bei Bedarf zuschlagen“, sagt der Obstbauer. Wenige Monate nachdem Bienen, Hummeln, Raubmilben und Greifvögel im Einsatz waren, zieht Josef Knigge eine positive Bilanz. Die neuen Verbündeten haben ganze Arbeit geleistet. „Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung, auf die kleinen und großen Unterstützer zu setzen“, resümiert Knigge. „Die Erdbeeren sind prächtig gewachsen und haben einen guten Ertrag gebracht. Die Obstbäume gedeihen ebenso gut und werden uns wohl auch eine gute Ernte bescheren.“

Chemische Mittel sind viel günstiger

Dass Josef Knigge natürliche Helfer einsetzt, hat seinen Preis. „Wer denkt, dass wir Geld einsparen, wenn wir auf die Chemiekeule verzichten, liegt falsch“, erklärt er. „Die Kosten für unsere natürlichen Helfer belaufen sich auf das Fünffache, gegenüber dem konventionellen Pflanzenschutz.“

Auf eine 500-Gramm-Schale Erdbeeren gerechnet mache das circa drei Cent Mehrkosten aus, sagt er.

Bei einem Ökoprojekt in Rapen spielen Bienen ebenfalls eine wichtige Rolle.

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