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Eigentlich ein malerischer Platz: Der Tigg mit dem Kaffeehaus Köster (rechts). Leider dämmert er mehr oder weniger vor sich hin – viele Chancen, die sich hier böten, werden bislang verschenkt.

Innenstadt

Der „Tigg“ hat eine bewegte Geschichte

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Datteln - Die Innenstadt soll schöner werden. Eine zentrale Rolle könnte der „Tigg“ spielen – in den Augen der Bürger der schönste Platz der City.

Auf der Stadtteilkonferenz zur Innenstadt-Entwicklung wurde aber auch deutlich: Das geschichtsträchtige Kleinod wurde in den letzten Jahren arg vernachlässigt und geriet bei den Bürgern mehr und mehr in Vergessenheit. Dabei hat der Platz eine bewegte Geschichte, der Heimatverein hat sie dokumentiert:

Um 1600 wird der Tigg erstmals als Versammlungsstätte im Dorf Datteln erwähnt. Der alte germanische Name bedeutet auch „Gerichtsstätte“. Der zentrale Platz unter der Dorflinde war seinerzeit unter anderem Prozessionsstation und Schauplatz für Jahrmärkte. 1870 wurde dort das erste Amtshaus der gerade gegründeten Amtsverwaltung Datteln errichtet.

Um 1905 beginnt der Ausbau des Platzes zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Gemeinde. Am 14. September 1908 findet auf dem Tigg auch zum ersten Mal ein offizieller Wochenmarkt statt. Am Vorabend des 1. Weltkrieges gibt es dort 1914 einen großen Aufmarsch des Kreis-Krieger-Verbandes. Als die Nazis an die Macht kommen ergeben sich auch in der Umgebung des Tigg dramatische Veränderungen.

Geschichtsträchtig auch die beiden denkmalgeschützten Häuser

So wird die jüdische Familie Goldberg gezwungen, zu emigrieren. Ihr Kaufhaus (Tigg 8) wird „arisiert“. Das gleiche Schicksal erleidet die jüdische Familie Hecht, die schräg gegenüber am Tigg ein Bekleidungsgeschäft betreibt. Geschichtsträchtig auch die beiden einzigen denkmalgeschützten Häuser am Platz. Als da wären das herrschaftliche Bürgerhaus Tigg 5, das 1743 erbaut wurde. Es ist das älteste Haus, das den Platz säumt. Imposant und prägend für das Stadtbild an dieser Stelle ist auch das Fachwerkhaus Köster. Das Kaffeehaus wurde um 1850 erbaut.

Sein heutiges Gesicht bekam der Tigg 1980, als der Platz im Zuge des Baus der Fußgängerzone Hohe Straße mit ausgebaut wurde. 1985 wurde zur Belebung des Platzes noch ein Brunnen gebaut. Jahre später war dem Platz dann nur noch ein Schattendasein beschieden. Bis zur Stadtteilkonferenz, die in der vergangenen Woche zur Zukunft der Innenstadt abgehalten wurde. Da waren sich alle Teilnehmer einig, dass der Tigg „eigentlich der schönste Platz“ der Innenstadt sei, den man unbedingt wieder zum Aushängeschild im Herzen der Stadt machen müsste.

Aber wie könnte das gehen? Theodor Beckmann, der Vorsitzende des Heimatvereins, der sich um die Dokumentation der Geschichte des Tigg und seiner Häuser verdient gemacht hat, enthält sich in dieser Frage: „Als Heimatverein kümmern wir uns darum, altehrwürdige Bauten vor dem Abriss zu bewahren. Aber Stadtentwicklung ist eigentlich nicht unser Thema.“ Als Grünen-Politiker und Datteln-Kenner hat Beckmann aber sehr wohl eine Idee: „Erlebnis-Außen-Gastronomie von drei Seiten würde den Platz mit Leben füllen. Aber solange hier die Spielhalle an prominenter Stelle steht, wird keine wirklich schöne Atmosphäre auf dem Platz möglich sein. Und die Parkplätze direkt auf dem Tigg halte ich auch für verzichtbar.“

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