Unglaubliche Schneemassen türmten sich nach dem Wochenende 6. und 7. Februar auf – auch am Bussteig 1 am Dattelner Neumarkt.
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Unglaubliche Schneemassen türmten sich nach dem Wochenende 6. und 7. Februar auf – auch am Bussteig 1 am Dattelner Neumarkt.

Schnee-Analyse

Kommunaler Servicebetrieb Datteln übt Selbstkritik nach dem Winter-Chaos - so soll es weiter gehen

  • Uwe Wallkötter
    vonUwe Wallkötter
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Hätten die massiven Folgen des extremen Wintereinbruchs am 6. und 7. Februar für den Verkehr entschärft werden können? Wenn ja, wie? Und was sind die Lehren aus diesen Tagen?

Damit hat sich das Team des Kommunalen Servicebetriebs Datteln (KSD) in den letzten Wochen massiv beschäftigt. Das Resultat: Der KSD gibt sich durchaus selbstkritisch, auch wenn KSD-Chef Frank Kuhs seiner Truppe einen Top-Job attestiert.

Und es gibt Pläne, wie sich der KSD künftig bei einem solchen Extrem-Wetter Verstärkung an die Seite holt. Hilfe, die aber definitiv Geld kosten wird und sich bei den Gebühren niederschlägt, macht Kuhs im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich.

Rückblick: Es ist der Abend des 6. Februar. Es setzt leichter Schneefall ein. Rund 30 Kräfte sind mit sechs Fahrzeugen im Stadtgebiet im Einsatz und fahren die „Streupläne“ ab. Die Situation ist völlig unter Kontrolle. Der Einsatzleiter entscheidet angesichts der aktuellen Lage, um 22 Uhr aufzuhören und um vier Uhr mit Räumen und Streuen weiterzumachen.

Das sind laut Frank Kuhs die Zeiten, in denen die Stadt gesetzlich zum Winterdienst verpflichtet ist. Eine Strategie, die laut Kuhs auch in anderen Städten gefahren wurde und die dann die gleichen Schwierigkeiten hatten wie Datteln.

Datteln: Frank Kuhs übt Selbstkritik: „Hinterher ist man immer schlauer“

Was keiner ahnt: Bis vier Uhr fallen 30 Zentimeter Neuschnee mit gravierenden Folgen. „Hinterher ist man immer schlauer. Aber wenn wir bis vier Uhr durchgeräumt und gestreut hätten, wäre es nicht so schlimm geworden“, gibt sich der KSD-Chef selbstkritisch.

Denn aufgrund des strengen Nachtfrostes von minus 15 Grad bildet sich unter dem Schnee eine vier Zentimeter dicke Eisschicht, die später nicht mehr von der Straße zu bekommen ist. Dazu hat auch der Salzeinsatz beigetragen, der einen Teil des Schnees wässrig machte, das Wasser sickerte nach unten und gefror. Was folgt, ist ein Dauereinsatz des KSD-Teams bis zum 12. Februar mit zusätzlichen Fahrzeugen. 145 Tonnen Salz bringen die Fahrzeuge auf die Straße, 12 Tonnen werden per Hand gestreut.

Datteln: Pauschale Kritik in den sozialen Medien verärgert den KSD-Chef

Ein Knochenjob für die Mannschaft, sagt Frank Kuhs. Umso mehr ärgert er sich über die pauschale Kritik unter anderem in den sozialen Medien, der KSD sei seiner Arbeit nicht nachgekommen oder es seien „Fehlleistungen“ unterlaufen. „Das geht unter die Haut“, sagt Frank Kuhs.

Neben der Analyse des Geschehenens sind dem KSD-Chef und Bürgermeister André Dora aber noch wichtiger, was man in Zukunft bei solchen Wetterextremen verbessern kann. Dabei spielt externe Unterstützung eine entscheidende Rolle. „Die technische Ausstattung beim Winterdienst für eine Stadt wie Datteln ist gut“, sagt Kuhs.

Datteln: So soll es mit dem Winterdienst in Zukunft weiter gehen

Derzeit läuft eine Abfrage bei Lohnunternehmern und Winterdienstleistern, die bei Extrem-Wetterlagen vertraglich verpflichtet werden, die Stadt beim Räumen und Streuen zu unterstützen – natürlich gegen entsprechende Bezahlung. Für die eingehenden Angebote wird der KSD laut Kuhs eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erarbeiten und diese dem zuständigen Betriebsausschuss vorlegen. Welche Kosten da auf Datteln zukommen, kann der KSD derzeit noch nicht beziffern.

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir einem solchen Unternehmen jährlich die Vorhaltekosten für entsprechende Fahrzeuge und Ausstattung bezahlen müssen, egal, ob es zum Einsatz kommt oder nicht“, macht der KSD-Leiter deutlich. Das letzte Extrem-Winterwetter liegt zehn Jahre zurück.

Datteln: Der Einsatz von Landwirten birgt Probleme beim Winterdienst

Bei dem Schnee-Drama im Februar wurde auch der Ruf laut, Landwirte einzusetzen. „Das ist allerdings nicht so einfach, wie viele denken“, sagt Kuhs.

Er erinnert daran, dass Landwirte bei einem solchen Einsatz im Stadtgebiet in der Regel keine Winterdiensthaftpflicht haben. „Wer zahlt denn den Schaden, wenn ein Trecker beim Räumen ein geparktes Auto beschädigt?“

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