Politikberater Christian Jäger sitzt an seinem Laptop. Vor ihm liegen außerdem Wahlplakate auf dem Schreibtisch.
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Politikberater Christian Jäger hat die Wahlplakate der Bürgermeister-Kandidaten für Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick analysiert.

Aussagen in der Prüfung

Kommunalwahl: Das sagt ein Kommunikations-Experte zu den Wahlplakaten im Ostvest

  • Jörn Tüffers
    vonJörn Tüffers
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Vor der Kommunalwahl im Kreis Recklinghausen nimmt Kommunikations-Experte Christian Jäger die Plakate unter die Lupe. Sein Fazit: Mit ihren Kampagnen erreichen die Parteien die Wähler begrenzt.

  • Am 13. September findet auch im Kreis Recklinghausen die Kommunalwahl statt.
  • Allerorts sind inzwischen Wahlplakate der Bürgermeisterkandidaten zu sehen.
  • Doch wie kommen diese beim Wähler überhaupt an? Das haben wir einen Experten gefragt.

Mehr als eine Stunde hat Christian Jäger die Wahlplakate der Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten in Waltrop, Oer-Erkenschwick und Datteln bewertet – und räumt am Ende des Treffens in seinem Büro in Recklinghausen-Stuckenbusch ein: „So richtig was ist nicht hängengeblieben.“ Weder ein markanter und deswegen überzeugender Slogan habe sich ihm vor der Kommunalwahl am 13. September eingeprägt, noch eine besonders hervorstechende grafische Umsetzung.

Kommunalwahl im Kreis Recklinghausen: Parteien vergeben wichtige Chance

Nach Ansicht des Politikberaters und Rhetorik-Coaches vergeben die Parteien damit eine wichtige Chance. Auch wenn er bezweifle, dass Wahlplakate Wahlen entscheiden, seien sie doch immer noch ein wichtiges Instrument, um die Bürger zu erreichen: „Gerade Kandidaten müssen klare, verständliche und wiedererkennbare Botschaften aussenden, wofür sie stehen und woran sie sich messen lassen.“

Kommunalwahl im Kreis Recklinghausen: „Geht wählen!“

Jäger erinnert an die Kampagne von Hipp: „Da sagt Firmengründer Claus Hipp: ,Dafür stehe ich mit meinem Namen.‘ Wofür die Kandidaten im Ostvest stehen, ist leider nur im Ansatz erkennbar.“ Nicht nur als Politikberater, sondern auch als Bürger würde er es begrüßen, wenn die Parteien eine gemeinsame Kampagne starten würden. Die Aussage: „Geht wählen!“

Die Plakate in der Einzelkritik:

Die Wahlplakate der Kandidaten im Ostvest in der Einzelkritik

Das Wahlplakat der Grünen in Datteln.
„Wenn man in Klischees denkt, kommt man zu dem Schluss: Die sehen gar nicht aus wie typische Grüne, das hat nicht den Öko-Touch. Sie kommen vielmehr zeitgemäß gekleidet daher. Auch die Bildkomposition gefällt mir: Beide sind in Bewegung, auf eine solche Landschaft schaut jeder Betrachter gern. Und die Botschaft, am 13. September Grüne zu wählen, ist in Magenta ein echter Hingucker. Slogan und Ansprache passen zu der Partei: das Duzen und die Zukunft als zentrales Thema.“ © ANDREAS KALTHOFF
Das Wahlplakat der SPD für Datteln.
„Auch die SPD setzt auf die Kombination Landratskandidat und BM-Kandidat. Das ist ja ganz stimmig. Und André Dora kommt richtig gut rüber: Sein Blick ist offen und scharf, seine Hände suggerieren etwas Zupackendes. Der Betrachter erkennt sofort: Das ist einer von uns. Wohltuend ist außerdem, dass das Plakat nicht überfrachtet ist. Gut gemacht.“ © ANDREAS KALTHOFF
Das Wahlplakat der Partei „Die Linke“ für Datteln.
„Es dominiert die Farbe Rot. Für Werbung ist das nicht die optimale Farbe. Sie hat in der Regel eine warnende Wirkung. Deshalb sind ja auch Feuerwehrautos rot. Grammatikalisch ist das auch schwierig: ,Als Ihre Bürgermeisterin– und wir für Sie in den Rat‘. Das holpert. Im Zentrum sehe ich jedoch eine sympathische Frau, die in meinen Augen ausstrahlt: ,Ich bin eine von hier!‘“ © ANDREAS KALTHOFF
Bürgermeisterkandidat - Plakat der CDU für Datteln
„Das ist ambitioniert für jemanden, der gewählt werden möchte und noch nicht das Amt bekleidet: Das Plakat ist komplett aussagefrei. Der Betrachter erfährt nicht, wofür der Kandidat steht. Positiv: Das Lächeln ist echt und unverstellt. Aber: Was macht er da? Kniet er oder sitzt er? Und was ist das Verschwommene im Hintergrund? Es fehlt auch ein Hinweis auf den Wahltermin. Das ist missglückt.“ © ANDREAS KALTHOFF
BM-Kandidat von der Linken in Oer-Erkenschwick
„Auch hier: Wir sehen nicht, was er sieht. In seinem knittrigen Freizeithemd kommt der Kandidat unkonventionell daher und so spricht er vermutlich seine Klientel an. Der Slogan hat aber mit Oer-Erkenschwick nichts zu tun. Das entscheidet sich in Berlin.“ © Jochen Boerger
BM-Kandidat der AfD in Oer-Erkenschwick
„Der rote Pfeil suggeriert einen Aufstieg. Wie der Kandidat das schaffen will, für sich und für seine Stadt, darauf gibt er aber keine Antwort. Ein Programm scheint es nicht zu geben. Erwirkt auch nicht wie der Normalo in OE, sondern vom Styling eher wie Upper Class.“ © SYSTEM
BM Kandidat Die Partei OE
„Davor graut es mir, das ist ja fast schon ein martialisches Auftreten. Ich denke an Dinge, die ich nicht mit Demokratie verbinde. Natürlich ist das bewusst so in Szene gesetzt. Aber diese Satire kommt mit einem gefährlichen Zungenschlag daher.“ © Jochen Boerger
BM-Kandidat Wagner OE
„Warum wendet sich der Mann vom Betrachter ab? Ich frage mich, was er dort sieht, was wir nicht sehen? Und: Was ist das für eine Körperhaltung? Ich habe Sorge, dass er umkippt. Was diese Inszenierung mit einem besseren Klima zu tun hat, kann ich auch nicht erkennen. Ich hoffe, dass er in seiner Heimatstadt bekannt ist, denn bekannt macht es sich durch dieses Plakat nicht.“ © Dittrich
CDU-Plakat mit BM-Kandidat Wewers Oer-Erkenschwick
„Er ist Bürgermeister und indem er die Bürger duzt, stellt er eine unmittelbare Verbindung zu ihnen her. Deshalb verzichtet er auch auf weitere Aussagen oder einen Slogan – das entspricht offenbar seinem Selbstverständnis. Kann man so machen, wird aber nicht bei jedem gut ankommen. Er schaut die Betrachter an, zeigt aber nicht den Ansatz eines Lächelns. Alles in allem keine anflirtende oder mitnehmende Mimik.“ © Dittrich
BM-Kandidat der FDP in Waltrop Plakat
„Das ist sprachlich in hohem Maße irritierend: ,Weil Watrop‘. Das habe ich in der Schule anders gelernt. Und dann ist der Mann noch promoviert. Er gibt einfach keine Antwort, warum er Bürgermeister werden will. Er bleibt im wahren Wortsinn blass – durch die Schrift wird er fast komplett zugedeckt. Zu allem Überfluss ist der Hintergrund nicht erkennbar. Das kann sonstwo sein.“ © ANDREAS KALTHOFF
Wahlplakat CDU Waltrop
„Das Foto wirkt authentisch. Die Kandidatin ist in Bewegung, das ist auch am Fahrtwind in ihrem Haar erkennbar. Ihre Kleidung ist locker und leger – das passt. Ratlos lässt mich allerdings die Unterschrift zurück: ,Leidenschaftlich. Leistungsstark.‘ Was soll mir das sagen? Dass sie Bürgermeisterin werden will, ist sehr klein gedruckt – im Vorbeifahren ist das sicher für niemanden erkennbar.“ © ANDREAS KALTHOFF
SPD-Plakat in Waltrop
„Die Kombination zwischen Landrats- und Bürgermeisterkandidaten zeigt: Kreis und Stadt brauchen einander. Doch die Gestik von Marcel Mittelbach wirkt auf mich ratlos, als würde er sagen: ,Was sollen wir machen?‘ oder ,Warum stehe ich hier?‘ Wenn mir dann noch als erstes Wort ,Egal‘ ins Auge fällt, kommt das Ganze unfreiwillig komisch daher. Das präsentieren sich SPD-Kandidaten in anderen Städten überzeugender.“ © ANDREAS KALTHOFF
Wahlplakat Waltroper Aufbruch in Waltrop
„Der Slogan hat was von ,Neue Männer braucht das Land‘. In der Gesamtbetrachtung unterscheidet sich dieses Plakat aber wohltuend von denen der anderen, es wirkt individuell. Es lädt dazu ein, zweimal hinzuschauen: Das machen der offene Gesichtsausdruck und der leicht verschwommene Hintergrund, bei dem es sich vermutlich um den Kanal handelt. Grafisch ist es auch clever, den gelben Bogen aus dem „WA“ in den Slogan zu integrieren. Einziger Makel: Das Wahldatum fehlt.“ © ANDREAS KALTHOFF

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