Landgericht

Freispruch für psychisch kranke Mutter

DATTELN - Nach einer Mini-Serie von wahnhaften Zwischenfällen vornehmlich mit Kindern ist eine Mutter aus Datteln am Donnerstag freigesprochen worden. Die psychisch kranke Frau konnte wegen vorliegender Schuldunfähigkeit nicht verurteilt werden. Eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie kam für die Richter nicht in Betracht.

Dass die Mutter wegen der Aufsehen erregenden Vorfälle rund um den St.-Franziskus-Kindergarten nicht bestraft werden konnte, lag alleine an ihrer „gravierenden Erkrankung“, hieß es in der Urteilsbegründung am Bochumer Landgericht. Ohne ihre schweren psychischen Defizite, das stellte die 6. Strafkammer klar, hätte das Urteil auf zweimal Hausfriedensbruch und jeweils einmal Nötigung, Körperverletzung und Diebstahl gelautet. Nur, weil ein Gutachter die wahnhaften Psychosen der 37-Jährigen als so schwer eingestuft hatte, dass die Frau vom Gesetz her als schuldunfähig gilt, sei sie strafrechtlich nicht zur Verantwortung zu ziehen.

Psychiatrie-Einweisung kommt nicht infrage

Eine in diesen Fällen mögliche Unterbringung in der geschlossenen Straftäter-Psychiatrie kam für die Richter nach eingehender Prüfung nicht infrage. „Wir haben keine Argumente gefunden, um eine Prognose treffen zu können, dass von Ihnen ansonsten starke Straftaten drohen“, so Richter Michael Rehaag. Für die von der Frau (schuldlos) begangenen Taten sei eine zeitlich unbefristete Psychiatrie-Einweisung „sicher nicht“ die passende Sanktion. „Das soll aber nicht heißen, dass alles, was sie gemacht haben, egal ist“, warnte Rehaag. „Sollte die Schwelle der maßgeblichen Kriminalität demnächst überschritten werden, dann ist die Justiz schnell wieder da. Und wird Maßnahmen treffen, um die Allgemeinheit zu schützen.“

Wahnhafte Idee

Die Mutter war zwischen Juli 2016 und Juni 2017 offenbar mitunter schlagartig von der wahnhaften Idee besessen, dass es sich bei fremden Kindern, die sie auf der Straße erblickte, um ihre eigene Tochter handelt, für die ihr bereits vor Jahren das Sorgerecht entzogen worden ist. Im Zuge dessen war es mehrfach zu Zwischenfällen gekommen, die die Richter im Urteil unter anderem als „Gerangel“ und „extrem unangenehme Situation“ bezeichneten. Außerdem hatte die 37-Jährige laut Urteil einer Hausmeisterin mal einen Schlüssel gestohlen.

Der prägendste Kinder-Übergriff passierte am 18. Juni 2017. Damals soll die 37-Jährige schreiend versucht haben, ein Mädchen an sich zu reißen. Der entsetzte Vater war mit dem Kind laut Anklage jedoch schnell zu seinem Auto gerannt.

Das Freispruch-Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Mutter befindet sich aktuell in einer sozialtherapeutischen Fördereinrichtung unweit von der deutsch-niederländischen Grenze.

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