Die Natur hat sich die alte Bahntrasse bei Horneburg zurückerobert. Die RAG hat dort jetzt aber roden lassen. Naturschützer ärgert das.
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Die Natur hat sich die alte Bahntrasse bei Horneburg zurückerobert. Die RAG hat dort jetzt aber roden lassen. Naturschützer ärgert das.

RVR möchte Radweg bauen

Drahtesel statt Lok

  • vonStefan Huxel
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DATTELN - Entlang der ehemaligen König-Ludwig-Zechenbahntrasse verlegt E.ON die Fernwärmeleitung von Recklinghausen zum neuen Kraftwerk Datteln 4. Parallel dazu baut der Konzern bis auf Castrop-Rauxeler Boden einen Fahrradweg. In Becklem zweigt eine weitere Trasse ab. Der Regionalverband Ruhr (RVR) möchte auf diesem Teilstück einen Radweg bauen. Umweltschützer und die Stadt Datteln sind dagegen.

Etwa in Höhe des Becklemer Busches gabelt sich der Gleisverlauf. Während der Hauptstrang weiter gen Osten auf das Kraftwerk Datteln 4 zuführt, verläuft die zweite Strecke Richtung Norden, am Horneburger Sportplatz vorbei und mündet in Oer-Erkenschwick auf dem ehemaligen Zechengelände. Auf diesem Teilstück möchte der RVR als überregionale Planungsbehörde einen Radweg bauen.

In den vergangenen Wochen hat die Ruhrkohle AG (RAG) als Eigentümer entlang der Trasse roden und freischneiden lassen. Das geschehe im Rahmen des üblichen Betriebsabschlussverfahrens, teilt RAG Immobilien-Pressesprecher Stephan Conrad auf Nachfrage mit.

Der Bahndamm soll aus dem Bergerecht entlassen und verkauft werden, dafür muss der Boden auf Belastungen überprüft und gegebenenfalls saniert werden. „Wenn da Dieselloks gefahren sind, können Öl oder Schmiermittel ins Erdreich gelangt sein“, erklärt Conrad.

Rund 100 Bohrungen werden gemacht, Proben entnommen. Erst dann wird sich zeigen, wie umfangreich die (Sanierungs-)Arbeiten sind. Das dauert, Monate...

Der RVR will den Radweg anlegen lassen, sieht aber selbst Hürden. „Das gestaltet sich als schwierig, weil das Umweltamt Bedenken hat, dass dort ein Radweg genehmigt werden kann, weil es ökologisch nicht verträglich ist“, sagt RVR-Sprecherin Barbara Klask. Gegebenenfalls müsse nach Alternativrouten Ausschau gehalten werden.

Die gebe es mit dem Radweg „X10“, der nur einige Meter weiter westlich parallel verläuft und auch Horneburg anbindet, sagt Alfons Pennekamp. Der Naturschützer spricht sich gegen das Radweg-Projekt aus, da sich die Trasse seit ihrer Stilllegung zu einem „wichtigen, kaum zugänglichen Rückzugsgebiet für Flora und Fauna etabliert“ habe. Mit dem Bau der Umgehungsstraße, der Errichtung des Windrades kurz hinter der Stadtgrenze auf Becklemer Boden, sei es umso wichtiger, diesen Naturraum zu schützen. „Ein Radweg wäre ein Desaster“, so Pennekamp.

Ein weiteres Argument dagegen: Bei der angespannten Haushaltslage der Stadt stelle sich die Frage, inwieweit dafür öffentliche Mittel ver(sch)wendet werden müssen, so Pennekamp.

Fernwärme-Leitung Laut RVR-Pressesprecherin Barbara Klask ist der erste Bauabschnitt entlang der Zechenbahntrasse König-Ludwig vom Castroper-Rauxeler Hafen bis zur Ortlohstraße in Recklinghausen abgeschlossen. E.ON verlegte die Fernwärmeleitung und baute auf eigene Kosten parallel dazu einen Fahrradweg. Der zweite Bauabschnitt bis Becklem wird frühestens Ende diesen Jahres angegangen. Der RVR rechnet dafür mit einer Bauzeit von rund 20 Monate. Von Becklem aus wird die Fernwärmeleitung „größtenteils unterirdisch über das ehemalige Ruhrzink-Gelände, unter der B 235 her und übers Altkraftwerk-Gelände verlegt“, teilt E.ON-Sprecher Andreas Kahle mit. Daher wird auf dem letzten Teilstück auch kein Radweg gebaut. Die Kosten für das Gesamtprojekt umschreibt Kahle mit einem „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“.

Chef-Stadtplaner Karl-Heinz Marscheider bestätigt das indirekt. Denn während der RVR die Radwege baut, sind die betroffenen Kommunen für den Unterhalt verantwortlich. Marscheider sieht alleine hinsichtlich der fünf Dattelner Brücken entlang der Trasse „ein wirtschaftliches Problem“.

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