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Zwei geschichtsträchtige Autos aus den alten und den neuen Bundesländern: Das Goggomobil Coupé von 1963 von Rainer Berkenhoff (l.) und der Trabant 1,1, Baujahr 1991, von Christoph Gade.

Oldtimer

Rollende Museumsstücke

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DATTELN - Die „Rennpappe“ hat Geburtstag: Vor 60 Jahren rollte in Zwickau der erste Trabi vom Band. Dattelns Trödelkönig Rainer Berkenhoff und seine Meckinghover WG-Kumpel besitzen gleich mehrere Modelle des knatternden DDR-Volksmobils – und ein weiteres automobiles Geburtstagskind.

„Das Goggomobil Coupé ist auch erstmals 1957 gebaut worden“, weiß Oldtimer-Fan Berkenhoff. Der 57-Jährige besitzt ein solches Schätzchen, Baujahr 1963, 250 cm³ Zweitaktmotor, 13,6 PS stark, 80 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit. „Den hab ich 1979 für 1 000 Mark in der Werkstatt von Egon Hans in Ahsen gekauft“, erzählt Berkenhoff.

Die Oldtimerdichte an der Stichstraße am alten Dattelner Bahnhof ist rekordverdächtig. „Wir haben hier auf 250 Metern zwölf Oldtimer“, prahlt der Sammler: Sieben Trabis, zwei DKW, einen Goggo, einen alten Passat und als rüstigstes Gefährt einen Auto Union von 1936. Und zu jedem der Wagen können Berkenhoff und seine Kumpel aus der Männer-WG lange Geschichten erzählen.

In seinem Haus hat sich Sammler Berkenhoff ein privates Fernseh- und Radiomuseum eingerichtet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Christoph Gade (41), gebürtiger Horneburger, nennt zwei Trabis sein eigen: einen grün-weißen „P 50“ von 1962 sowie das letzte Modell, das gebaut wurde: den Trabant 1,1 in „Gletscherblau“ von 1991. Den alten Zweitakt-Trabi in der rundlichen Form mit angedeuteten Heckflossen hat Gade vor 20 Jahren für 850 Mark in Halberstadt gekauft, den „neuen“ mit der kantigen Form und dem 40-PS-Viertaktmotor vor drei Jahren für 3 100 Euro im Erzgebirge.

„Ich fahre Trabant seit ich 18 bin“, sagt Gade. „Ich mag Elektronik nicht. Bei meinen Wagen kann ich alles selbst reparieren.“ Der 1991er Trabi ist bislang 103 000 Kilometer gelaufen und hat sogar die Grüne Plakette – ein Katalysator macht's möglich.

Berkenhoff knattert am liebsten mit seinem goldfarbenen Trabi 601 von 1970 durch Datteln. „Den habe ich 1991 in Dingelstedt für 50 Mark gekauft. Nach der Wende bin ich jedes Wochenende mit dem Trabant in die Ostzone gefahren – ach ne, das sagt man ja nicht mehr“, sagt Berkenhoff.

In den neuen Bundesländern erstand er jede Menge Trödel – und alte Trabis. „Bei denen kannste alles selber fertig machen. Da brauchst du keinen ADAC für, es sei denn, der Motor explodiert.“ Aber das ist ihm nie passiert. „Ich bin noch nie irgendwo liegen geblieben.“ Der Trabi läuft und läuft und läuft. Berkenhoff mag das Zweitakter-Kleinwagen-Fahrgefühl, „weil das schöne Erinnerungen weckt“. Den größten Wagen, den er je hatte, war ein Opel Kapitän. Lang, lang ist’s her.

Sein Goggo Coupé holt Berkenhoff für Schönwetterfahrten aus der Garage. „Die Alten kennen den Goggo ja noch, die Jungen nicht mehr. Wenn die den sehen, denken die, den hätte einer irgendwo vom Kinderkarussell geklaut.“

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