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Drei Theologen wurden am Kraftwerk Datteln 4 in Gewahrsam genommen

Theologin froh über Distanzierung

In Unterhose in der Zelle: NRW-Innenminister und Polizei räumen Fehler in Datteln ein

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Zwei Münsteraner Theologen  und ihr Begleiter kritisierten ihre Ingewahrsamnahme  am Kraftwerk Datteln 4 - jetzt haben Herbert Reul und die Polizei Fehler eingeräumt.

  • Die beiden Münsteraner Theologen Julia Lis und Benedikt Kern sowie ihres Begleiters Niels Laakmann  wurden am Kraftwerk von der Polizei in Gewahrsam genommen.
  • Die beiden Theologen hatten eine entwürdigende Behandlung beklagt.
  • Jetzt haben Landesinnenminister Herbert Reul und die Polizei Fehler eingeräumt.

Julia Lis, Benedikt Kern und Begleiter Niels Laakmann waren am Rande einer Demonstration am Kohlekraftwerk Datteln 4 festgehalten worden und mussten nach eigenen Aussagen nahezu unbekleidet eine Nacht in Gewahrsamszellen verbringen. Das Ministerium und die Polizei bewerten das als „kritisch“, erklärte Innenminister Herbert Reul auf eine Anfrage der Grünen am Mittwoch.

Polizeipräsidium Recklinghausen räumt Fehler bei Einsatz in Datteln ein

Das Polizeipräsidium Recklinghausen bewerte „die vollständige Entkleidung als kritisch und für eine auf den jeweiligen Einzelfall bezogene tragfähige Ermessensentscheidung nicht ausreichend substantiiert. Gleiches gilt für das nahezu unbekleidete Verbringen der Nacht in den Gewahrsamszellen“, heißt es in der Antwort der Landesregierung. Das Präsidium überprüft derzeit die Abläufe im Bereich des Polizeigewahrsams. Eine Folge: Das Vorhalten von im Einzelfall notwendiger Wechselkleidung ist bereits initiiert worden.

„Wir sind froh über die offensichtliche Distanzierung vom Vorgehen der Polizei und die kritische Nachbereitung der Gewahrsamnahme durch die Landesregierung“, erklärt die Theologin Julia Lis. Sie hält abgesehen von der eigenen Betroffenheit das Entkleiden von Personen im Gewahrsam ohne ausreichende Gründe auch generell für rechtswidrig. 

Theologin beklagt Verstoß gegen Grundrechte in Datteln

Daher fällt für Lis die Bewertung des polizeilichen Handelns durch die Landesregierung „bei weitem zu milde aus“, zumal die Gründe für die Präventivhaft immer noch nicht erklärt würden. „Wir halten die Vorgehensweise der Polizei insgesamt für einen Verstoß gegen Grundrechte, was wir derzeit versuchen, gerichtlich bestätigen zu lassen.“

In Gewahrsam wurden sie genommen, weil sie laut Polizei „im Verdacht standen, unmittelbar bevorstehende Straftaten zu verüben“, hieß es damals.

Kurz nach der Ingewahrsamnahme riefen die Theologen zu einer Mahnwache gegen Polizeigewalt am Kraftwerk Datteln 4 auf.

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