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Ausgezeichnet: das Reinhard-Lettmann-Haus der Amandus-Gemeinde.

Reinhard-Lettmann-Haus

St.-Amandus-Gemeinde gerät unter Druck

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Datteln - Die Diskussionen über das Reinhard-Lettmann-Haus reißen nicht ab. Die IGBCE fordert, der Lesung von Dunja Hayali fern zu bleiben.

Mit Unverständnis reagiert Pfarrer Ludger Schneider auf die Forderung der IGBCE, den Namen des Reinhard-Lettmann-Hauses zu verändern. Bischof Lettmann hatte den Priester Heinz Pottbäcker im Dienst belassen, obwohl dieser bereits wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. „Wir brauchen die IGBCE nicht, um in der Gemeinde ins Gespräch zu kommen“, so Schneider. „Das schaffen wir schon ganz alleine.“ Es gehe auch darum, das Ansehen des Bischofs zu wahren. Ein Ergebnis zu der laufenden Diskussion werde zeitnah erarbeitet werden. „Das werden wir dann auch der Öffentlichkeit mitteilen“, so Schneider.

Jockheck gibt nicht nach

Dass der Name des Reinhard-Lettman-Hauses geändert werden soll, hatte der stellvertretende Vorsitzende der IGBCE in Datteln, Peter Jockheck, im Namen seiner Ortsgruppe in einem Brief an die Redaktion gefordert. Darin forderte er auch die Autorin und Journalistin Dunja Hayali dazu auf, den Ort ihrer Lesung, die für den 22. Februar im Reinhard-Lettman-Haus geplant ist, zu verlegen. Über ihre Agentur ließ diese mitteilen, dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen will, die IGBCE aber gern einen Vorschlag für einen alternativen Veranstaltungsort einreichen könne. Die Antwort der Ortsgruppe ließ nicht lange auf sich warten. Am Donnerstagmorgen teilt Jockheck mit, dass mit dem Forum im Berufskolleg Ostvest eine Alternative gefunden worden sei. Die Schulleitung bestätigte dies auf Anfrage. Somit liegt der Ball wieder im Feld der Journalistin, deren Agentur zu einer weiteren Stellungnahme nicht bereit war. „Wir appellieren im Sinne der Zivilcourage an die Menschen, die Karten für die Lesung von Frau Hayali haben, diese verfallen zu lassen, sollte die Lesung nicht verlegt werden“, so Peter Jockheck. „Frau Hayali will also vor der Veranstaltung Stellung beziehen? Das kann sie an einem anderen Auftrittsort doch auch. Und dabei wäre sie noch viel glaubwürdiger“, sagt er. Der Pressesprecher der Stadt Datteln, Dirk Lehmanski, teilt dazu mit, dass es eine Anfrage des Veranstalters gibt, eine alternative Veranstaltungsstätte zu finden.

Auch die Lokalpolitik bezieht Stellung

„Es steht einer Glaubensgemeinschaft, die sich den christlichen Werten verschrieben hat, nicht gut zu Gesicht, weiterhin eines ihrer neuesten Gebäude mit dem Namen eines Mannes zu schmücken, der dafür verantwortlich zu sein scheint, dass Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche weitergehen konnte“, teilt Bürgermeister André Dora auf Nachfrage mit. Der Vorsitzende der FDP in Datteln, Georg Gunnemann hat hierzu eine deutliche Meinung: „Klare Kante!“ Das fordert Gunnemann. „Dass das überhaupt zur Diskussion gestellt wird, kann ich als Christ nicht nachvollziehen. Der Name muss geändert werden. Ohne Wenn und Aber“, so Gunnemann. Petra Willemsen, Vorsitzende der Dattelner Linken, sieht das ganz ähnlich. „Der Name sollte auf jeden Fall geändert werden“, so die Lokalpolitikerin. „Die Kirche muss endlich konsequent zu ihren Verfehlungen stehen und zugeben, dass sie solche Vorfälle wissentlich verschwiegen und sogar vertuscht hat. Das wäre eine klare Botschaft.“ Dem CDU-Fraktionsvorsitzendem Thomas Benterbusch fällt es schwer, eine pauschale Forderung in den Raum zu stellen. „Ich habe Bischof Lettmann noch persönlich gekannt und ihm in meiner Kindheit sogar als Messdiener zur Seite gestanden“, so Benterbusch. „Ich hätte mir, seitens der Kirche, einen offensiveren Umgang in der Sache gewünscht. Heinz Pottbäcker hätte kein öffentliches Amt mehr ausüben dürfen, keine Frage. Ich tu mich aber schwer damit, Lettmann als Mittäter zu verurteilen.“ Man müsse Lettmanns Entscheidungen auch im zeitlichen Kontext sehen, erklärt der CDU-Politiker. „Heute geht man mit solchen Vorfällen ganz anders um“, davon ist Benterbusch überzeugt.

Müller fordert schnelle Entscheidung

„Missbrauch geht gar nicht“, bringt es Theo Beckmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen-Wählergemeinschaft in Datteln, auf den Punkt. „Wer Missbrauch unterstützt oder zumindest nicht unterbindet, der macht sich schuldig.“ Er persönlich befürworte eine Namensänderung und bringt Pfarrer Anton Jansen ins Spiel. „Die Entscheidung muss jedoch in der Gemeinde gefällt werden“, so Beckmann. „Und zwar in sorgfältiger Abwägung.“ Dem Stadtverbandsvorsitzenden der SPD in Datteln, Hans-Peter Müller, verschafft die Geschichte Bauchschmerzen. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass Bischof Lettmann einmal in eine solche Geschichte verwickelt sein könnte“, so Müller. Es sei schade, dass das negative Verhalten einiger Weniger die gute Arbeit derer diskreditiere, die tagtäglich Gutes leisten. „Da müssen die jetzt allerdings durch. Das hätte man verhindern können, wenn man früher reagiert hätte“, so der Stadtverbandschef. „Die Gemeinde muss jetzt schnell eine Entscheidung fällen. Und diese muss dann von der Öffentlichkeit auch akzeptiert werden, ohne dass noch weiter nachgetreten wird.“

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