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Das ehemalige Reinhard-Lettmann-Haus

Update: Kirchenvorstand bestätigt Votum

Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche: St. Amandus gibt neuen Gemeindehaus-Namen bekannt

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Nach der einstimmigen Entscheidung, das Reinhard-Lettmann-Haus umbzubenennen, hat sich der Kirchenvorstand von St.-Amandus nun für einen neuen Namen entschieden.

Nach der öffentlichen, außerordentlichen Sitzung des Pfarreirates unter der Woche gab es bei der Sitzung des Kirchenvorstandes keine Diskussionen mehr.Dieser folgt der einstimmigen Empfehlung: das Reinhard-Lettmann-Haus wird umbenannt. Es wird Pfarrheim St. Amandus heißen. Damit hat man sich für die „technische Bezeichnung“ entschieden, wie Pastor Bernhard Frankemölle erklärt, der dem Kirchenvorstand vorsitzt. Zudem sei der neue Name den weiteren Pfarrheimen der Gemeinde, wie zum Beispiel St. Josef, angepasst. 

Viele Kirchenvorstands-Mitglieder verfolgten die rege Diskussion bei der Pfarreiratssitzung. Dem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde wollen sie mit der Namensänderung Folge leisten. „Das alles ist nun aber auch Teil unserer Pfarrgeschichte“, sagt Frankemölle. Der Umgang damit sowie mit der Gedenktafel und dem Bild von Reinhard Lettmann wurde ebenfalls von der Gemeinde diskutiert. „Ich persönlich halte es für einen guten Weg, die Umbenennung mit seinen Gründen dort zu dokumentieren“, sagt Frankemölle. Diese Möglichkeit wird in einer Arbeitsgruppe weiter untersucht. „Es ist unumstritten, dass Reinhard Lettmann sich verdient gemacht hat“, sagt Frankemölle. Das würde sich mit den Aussagen der Gemeindemitglieder in der Versammlung decken.

Hatte die lebhafte Diskussion gut im Griff: Moderator Björn Hermanns

Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche: So hat der Pfarreirat entschieden

Die Entscheidung ist gefallen und sie war einstimmig: Die St.-Amandus-Gemeinde wird dem nach Bischof Reinhard Lettmann benannten Gemeindehaus einen neuen Namen verleihen. Das hat der Pfarreirat gestern Abend in seiner außerordentlichen Sitzung beschlossen. 

Bischof Lettmann deckte Kindesmissbrauch

Ende des vergangenen Jahres war bekanntgeworden, dass Bischof Reinhard Lettmann den wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Priester Heinz Pottbäcker weiterhin mit Kindern arbeiten ließ. In mindesten einem Fall kam es zu weiteren Missbrauchstaten Pottbäckers. In der Gemeinde wird seitdem kontrovers über eine mögliche Namensänderung für das Gemeindehaus diskutiert

Über 100 Bürger waren im Gemeindehaus erschienen, um der Sitzung beizuwohnen oder sich an der vom Rat erwünschten Diskussion zu beteiligen. Man möge hart in der Sache, aber fair in der Debatte verfahren, so der Wunsch des Moderators Björn Hermanns. 

Tendenz früh erkennbar - aber es gab auch Gegenstimmen

Schon früh ist die Tendenz erkennbar, dass in der Gemeinde der Wunsch vorherrscht, das Gemeindehaus umzubennen. Aber es gibt auch Stimmen, den Namen beizubehalten. Man müsse das Verhalten Lettmanns im Kontext der Zeit sehen, teilt eine Dame aus dem Publikum mit. Lettmann sei kein Täter. Das weckt hörbar den Unmut einiger Gäste. „Es gibt keine hehren Ziele, die sein Verhalten entschuldigen“, entgegnet einer der Zuhörer. Er erntet dafür Applaus. „Auch Vertuschung ist ein Verbrechen“, bringt es ein Anderer auf den Punkt. 

Pfarrer em. Hans Overkämping sorgt für Umdenken

Vor allem die Ausführungen von Pfarrer em. Hans Overkämping dürfte bei Einigen im Saal zum umdenken geführt haben. Er berichtet, er selbst habe Lettmann über einen der Missbrauchsfälle informiert. Dieser habe ihm daraufhin gesagt: „Hans, ich verbiete dir, darüber zu sprechen.“ Lettmann habe versucht, diesen Fall zu vertuschen. 

Die folgende geheime Wahl der Pfarreiratsmitglieder fiel dann auch mehr als eindeutig aus. Elf der stimmberechtigten Mitglieder sprachen sich in geheimer Wahl für eine Namensänderung aus. Welchen Namen das Haus zukünftig tragen wird, war nicht Gegenstand der Sitzung. Der Pfarreirat informiert nun den Kirchenvorstand über die Entscheidung.

Wegen einer im Reinhard-Lettmann-Haus angesetzten Lesung aus ihrem Buch Haymatland, geriet auch die gebürtige Dattelner ZDF-Moderatorin Dunja Hayali in den Fokus der Diskussion um den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Den Aufruf der IGBCE Orstgruppe Datteln, ihre Lesung dort abzusagen, konnte Hayali nicht nachvollziehen und nahm dazu Stellung.

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