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Neuen Wohnraum wie hier am Grünen Weg braucht die Stadt. Aber bei dem Bedarf gehen die Meinungen von RVR und Stadt weit auseinander.

Stadtentwicklung

Ein enges Korsett für die Stadtentwicklung

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DATTELN - Der RVR legt die Stadt mit dem Entwurf zum neuen Regionalplan an die Kette. Politik und Verwaltung sind verärgert.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) stellt gerade seinen neuen Regionalplan auf. Der gibt die Rahmenbedingungen vor, wie Datteln sich künftig in Sachen Gewerbe und Wohnungsbau weiterentwickeln darf. Politik und Stadtverwaltung sind sich einig: Dieser Plan legt die Kanalstadt an die Kette, das Korsett für die Stadtentwicklung ist viel zu eng.

Der RVR gestattet Datteln bis 2034 lediglich die Ausweisung von 3,9 Hektar zusätzlichem Gewerbegebiet. Für die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist dies so gut wie nichts, kritisiert Bürgermeister André Dora im Gespräch mit unserer Redaktion. Ihm und Stadtplaner Andreas Beilein stößt vor allem die Berechnungsmethodik des RVR sauer auf. Grundlage für die Entwicklung neuer Gewerbegebiete ist der Zeitraum 2005 bis 2010. Da hat die Kanalstadt gerade einmal 1,8 Hektar Gewerbegebiet ausgewiesen. Dieses geringe Wachstum kommt jetzt als Bumerang zurück. Denn daraus schlussfolgert der Regionalverband Jahre später, dass Datteln in Zukunft keinen Bedarf für neue Gewerbeflächen hat. Das ist aber aus Sicht der Stadt nicht der einzige Kritikpunkt. Der RVR rechnet Datteln bei der Neuausweisung Flächen wie das alte Ruhrzink-Gelände und das Altkraftwerk an. Auf dem Ruhrzink-Areal, dem heutigen Gewerbegebiet Schleusenpark, wird sich in naher Zukunft etwas tun. Das Gelände ist wie berichtet fast fertig erschlossen. Nicht nachvollziehbar ist aus Sicht Doras aber, dass der RVR so tut, als könnte Datteln morgen das Gelände des Altkraftwerks für Gewerbeansiedlungen nutzen. Bis es so weit ist, werden noch etliche Jahre vergehen. Denn der Abriss des alten Kraftwerks ist eng verbunden mit der Zukunft von Datteln 4.

Somit stehen neben dem Schleusenpark aktuell nur noch kleinere Flächen in Natrop (Sutumer Bruch) für die Ansiedlung von Gewerbe zur Verfügung. Der Platz dort reicht für zwei bis drei Handwerksbetriebe. Das war es.

Auch bei der Ausweisung von neuen Wohngebieten tritt der RVR auf die Bremse. Er hat bis 2034 für Datteln zusätzlichen Wohnbedarf von 455 Wohneinheiten ermittelt. Dafür hat der RVR aber veraltetes Datenmaterial verwendet, was SPD und CDU im letzten Ausschuss für Stadtentwicklung massiv kritisierten. Die Stadt hat im letzten Jahr selbst ein Gutachten zu dieser Thematik in Auftrag gegeben. Das Ergebnis spricht eine ganz andere Sprache: Bis 2035 fehlen in Datteln demnach mindestens 1000 Wohnungen. Also mehr als doppelt so viel wie der RVR ausgerechnet hat.

Rolf Sonderkamp (CDU) schimpfte im Ausschuss über das „Planungs-Wirr-Warr“. Der RVR dürfe keine heilige Kuh sein. Sonderkamp nannte den Regionalverband „eine Krake, die Unsummen von Geld“ koste. Gültig wird das Werk allerdings erst, wenn der Regionalplan verabschiedet ist. Andreas Beilein schätzt, dass dies noch Jahre dauern wird.

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