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Kümmern sich auf dem Marktplatz um die Stadttauben: Die beiden Freundinnen Stefanie und Martel füttern die Tiere mit artgerechtem Futter.

Tierschutz in der Innenstadt

Ein gurrendes Problem am Marktplatz

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DATTELN - Tauben sind penetrant und betteln in der Innenstadt um Futter. Zwei Frauen kümmern sich trotzdem um die Tiere – mit einem Ziel.

Schwungvoll wirft Stefanie eine Handvoll Taubenfutter – Mais, Erbsen und Weizen – auf das Kopfsteinpflaster am Marktplatz. Sofort scharen sich gurrend rund 30 Tauben um die Körner. Passanten bleiben stehen und schauen interessiert zu. Manche schütteln verärgert den Kopf.

„Viele Menschen sind genervt von den Tauben“, weiß die 30-Jährige. „Einige werden aggressiv, wenn sie sehen, dass ich die Tiere füttere“, erzählt Stefanie und ihre Freundin Martel (41) nickt. „Ich erkläre ihnen dann, dass die Tauben einfach nur Hunger haben.“ Und: „Auch ich fand die Tiere früher nervig – aber das hat sich geändert.“

Denn: Die oft als „Ratten der Lüfte“ bezeichneten Stadttauben sind keine Wildtiere wie die Ringel- und Türkentauben, die den Menschen im Normalfall meiden. „Stadttauben sind Abkömmlinge von Zier- und Zuchttauben“, erklärt Martel. „Sie sind domestiziert wie unsere Hunde und Katzen.“ Ohne den Menschen sind die Vögel nicht in der Lage, sich ausreichend Futter und Wasser zu beschaffen. „Normalerweise haben Tauben eine Lebenserwartung von 15 Jahren – bei Stadttauben sind es circa zwei Jahre.“ Oft sind Stadttauben unterernährt, essen zwangsweise Essensreste wie heruntergefallene Pommes.

Tauben mit Verletzungen

Ein weiteres Problem seien „Verschnürungen“ (siehe Bild), so Stefanie. Die kämen beispielsweise von herumliegenden Haaren oder Abfällen. „Dabei entzünden sich die Zehen und auch das Blut kann nicht mehr gut zirkulieren, so dass die Zehen abfallen“, erklärt sie die Folgen. Sehen sie solche „verschnürten“ Tauben, fangen die beiden Frauen sie ein und kümmern sich um die Tiere.

Dabei räumen sie gleich mit einem weiteren Vorurteil auf: Tauben sind unrein. „Tauben übertragen nicht mehr Krankheiten als andere Vögel auch“, weiß Martel. Zudem seien die Krankheiten oft wirtspezifisch und nicht auf Menschen übertragbar.

Einige der Stadttauben sind früher Brieftauben gewesen, erzählen die Tierschützerinnen. „Manchmal finden sie den Weg nach Hause nicht mehr – dann sind sie für die Züchter wertlos. Brächte man sie zurück, würden sie eventuell sogar im Suppentopf landen“, erzählt Stefanie. „Natürlich nicht bei allen Züchtern“, betont sie. Tatsächlich haben manche Tauben noch Ringe um die Füße. Auch zwei weiße Hochzeitstauben sind auf dem Marktplatz gelandet.

Geburtenkontrolle im Schlag möglich

Die Stadttauben stammen ursprünglich von der Felsentaube ab, die den Menschen über Jahrtausende als Fleisch- und Eierlieferant, aber auch als Brieftaube und Haustier gedient hat, sagen die Freundinnen. „Stadttauben sind sehr ortstreu und haben fast immer Eier“, erklärt Stefanie. Bis zu acht Mal pro Jahr brütet ein Paar jeweils zwei Eier aus. Die Folge: Die Tiere vermehren sich rasant. „Daher kommt auch ihr Rattenimage“, meint sie.

In Datteln gibt es aktuell rund 80 bis 100 Tauben, so die Freundinnen. „Man sieht immer nur einen Teil des Paares – der andere brütet.“ Mindestens einmal pro Woche sind die beiden Dattelnerinnen am Marktplatz und füttern die Tauben.

Interessierte, die sich für den Schutz der Tauben interessieren, können über den Tierschutzverein Datteln (Tel. 02363/8079629; AB) Kontakt aufnehmen.

Und sie haben ein Ziel, das in einigen Städten bereits erfolgreich praktiziert wird: Einen betreuten Taubenschlag nach dem „Augsburger Modell“ zu installieren. In diesem Schlag werden die Tauben mit artgerechtem Futter versorgt und tierärztlich behandelt. „Dadurch bleiben die Tiere auch vom Marktplatz und den Cafés fern“, sagt Stefanie. Außerdem: „So kann eine Geburtenkontrolle erfolgen“, nennt die 30-Jährige ein wichtiges Argument. Die Eier würden regelmäßig gegen Attrappen ausgetauscht und so würde die Population langfristig sinken.

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