In diesem Wohnhaus ereignete sich das Drama.
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In diesem Wohnhaus ereignete sich das Drama.

Prozess vor dem Schwurgericht

Wird der mutmaßliche Mörder aus Datteln heute vor Gericht aussagen?

  • Sebastian Balint
    vonSebastian Balint
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Einer 33-jährigen Frau aus Datteln wurde im Oktober brutal das Leben genommen. Seit einigen Tagen liegt der Beschuldigte im Krankenhaus. Wann sagt der psychisch kranken Mann aus?

  • Feuerwehr findet bei einem Brandeinsatz im Oktober Leiche einer Frau
  • Auf dem Balkon der Nachbarwohnung befand sich eine verletzte Person
  • Später stellt sich heraus, dass es sich um den mutmaßlichen Täter handelt

Update 2. Juni, 8.41 Uhr: Der beschuldigte Elektriker aus Datteln ist offenbar erkrankt, sodass ein für Freitag, 29. Mai, angesetzter Fortsetzungstermin im Sicherungsverfahren um das tödliche Nachbarschaftsdrama an der Holtbredde kurzfristig abgesagt wurde. Der psychisch kranke Mann soll in ein Justizkrankenhaus eingeliefert worden sein. Eigentlich war für diesen Termin vorgesehen, dass sich der Beschuldigte erstmals persönlich zu den Vorfällen vom 14. Oktober 2019 äußert. Wann das Verfahren fortgesetzt werden kann, ist zurzeit noch unklar. Der planmäßig nächste Termin ist für Dienstag, 2. Juni angesetzt. Weil der 45-Jährige als schuldunfähig gilt, geht es in dem sogenannten Sicherungsverfahren allein um eine mögliche Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie zum Schutz der Allgemeinheit.

Beste Freundin des Dattelner Mordopfers sagt aus

Update, 28. Mai, 8.22 Uhr: "Zusammen mit meinem Mann war sie das Beste, was ich in meinem Leben haben durfte", sagte am Dienstag eine Freundin der vor sieben Monaten von dem Beschuldigten zu Tode gewürgten und dann angezündeten Dattelnerin. "Sie war ein sehr ehrlicher und liebevoller Mensch." Die Getötete habe ihr mehrfach von Problemen mit dem Nachbarn berichtet, erklärte die Arzthelferin vor Gericht. Im September 2019 habe ihr ihre Freundin berichtet, dass der Nachbar sie plötzlich aus für sie völlig unerfindlichen Gründen angreife und bedrohe, so die Zeugin. "Wenn sie nicht endlich aufhöre, würde er ihr das Genick brechen und sie die Treppe zum Waschkeller runterschubsen", erinnerte sich die Zeugin an einen der ersten ihr berichteten Vorfälle. 

Danach sei der Beschuldigte seiner Nachbarin auch in den Waschkeller gefolgt und habe ihren Angaben zufolge "von den Augen her einen seltsamen Blick gehabt". Die junge Frau habe, so die Zeugin, kaum noch schlafen können. Die Situation sei immer bedrohlicher geworden. „Sie war verzweifelt, ängstlich und auch wütend und hat mir häufig Nachrichten geschickt“, so die Arzthelferin weiter. Nahezu einziger Ausweg aus der Misere sei das Suchen nach einer neuen Wohnung gewesen. Doch dann sei der dramatische Vorfall am 14. Oktober 2019 passiert.

Dattelner Elektroinstallateur schreibt, dass er nicht aufhören konnte das Opfer zu würgen

Update, 26. Mai, 9.07 Uhr: Auf der Festplatte des Computers hatten die Ermittler außerdem kurze Videos gefunden, die der Beschuldigte durch den Türspion seiner Wohnung aufgenommen hatte. Auf diesen ist zu sehen, wie das spätere Opfer ihre Wohnung betritt. Auch der Ablauf der Tötung wird in der verlesenen Datei im Detail beschrieben: "Ich habe sie so oft gebeten, aufzuhören, aber sie hörte nicht auf. Ich habe diese Frau aus Wut heraus erdrosselt. Ich habe einfach meinen Arm um ihren Hals gelegt und konnte nicht aufhören, zuzudrücken." Bis zum 10. Juni will das Schwurgericht in Bochum den Fall verhandeln.

Der beschuldigte Mann aus Datteln versucht seine Tat zu  rechtfertigen 

Update, 25. Mai, 18.23 Uhr: Im weiteren Verlauf des Schreibens rechtfertigt sich der beschuldigte Dattelner sogar für seine Tat. So sei das Verhältnis zu der getöteten Nachbarin von je her schwer belastet gewesen. "Seit mehr als zwei Jahren tyrannisiert mich meine Nachbarin und flüstert immer die gleichen Sätze. Und wenn ihre beste Freundin bei ihr zu Besuch ist, bekomme ich die doppelte Ladung ab. Ich kann nicht mehr schlafen und habe daher begonnen, ihre Psychospielchen aufzunehmen", schreibt er wortwörtlich in der gefundenen Textdatei. 

Im Keller des mutmaßlichen Mörders finden Ermittler einen Laptop mit brisantem Inhalt

Update, 25. Mai, 15.55 Uhr: Der psychisch kranke Elektroinstallateur aus Datteln wollte sich heute zum Prozessauftakt vor dem Schwurgericht in Bochum nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Er soll am 14. Oktober 2019 eine 33-jährige Frau aus Datteln erstickt und verbrannt haben. Doch bei den Ermittlungen zu dem Fall war im Keller des Beschuldigten ein Computer gefunden worden, auf dem sich eine "Geständnis-Datei" befand. Diese wurde bei dem Termin in Bochum verlesen. "Ich habe einen Menschen getötet, es tut mir unendlich leid", heißt es in der von Richter Josef Große Feldhaus verlesenen Textdatei. Später schreibt der Angeklagte, dass er Gott um Verzeihung bitte. 

Unsere bisherige Berichterstattung:

Zuerst sah es nach einem Routineeinsatz der Dattelner Feuerwehr aus, als sie am 14. Oktober 2019, um 12.30 Uhr, zu einem Wohnungsbrand an der Holtbredde gerufen wurde. Gerufen wurden die Feuerwehrleute von der Polizei, die wegen eines Streits in das Haus gerufen wurde. Den Beamten war aufgefallen, dass aus der Dachgeschosswohnung des Hauses Rauch austrat. Die herbeigerufene Feuerwehr verschaffte sich Zutritt zu der Wohnung. Doch bei den Löscharbeiten stießen die Einsatzkräfte der Feuerwehr auf die Leiche einer 33-jährigen Frau. Auf dem Balkon der Nachbarwohnung fanden die Feuerwehrleute dann noch einemännliche Person, die ebenfallsverletzt war. Der 45-Jährige hatte sich offensichtlich die Pulsadern aufgeschnitten

Datteln: Nachbarn hatten lauten Streit gehört

Nachdem der Mann notärztlich versorgt wurde, nahm ihn die Polizei augenblicklich fest, denn es bestand der dringende Verdacht, dass der Mann in Verbindung mit dem Tod der Frau steht. Nachbarn hatten vor dem Ausbruch des Feuers in dem Mehrfamilienhaus einen lauten Streit gehört. Zudem waren die Ermittler der Polizei auf Hinweise gestoßen, dass es sich bei dem Vorfall um ein Gewaltverbrechen handeln könnte. Die von den Ermittlungsbehörden angeordnete Obduktion der 33-jährigen aus Datteln bestätigt schließlich den ersten Verdacht, dass die junge Frau nicht eines natürlichen Todes gestorben war. 

Demnach wurde die Frau zuerst zu Tode gewürgt und dann mit Brandbeschleunigern überschüttet und schließlich angezündet. Der Landgerichtssprecher Michael Rehaag fasste den Tathergang wie folgt zusammen: Nachdem der 45-jährige Beschuldigte auf seine Nachbarin getroffen und mit ihr heftig in Streit geraten war, soll der Dattelner die Frau körperlich angegriffen, mit den Händen am Hals gepackt, sie gewürgt und letztlich so erstickt haben. Dann soll der 45-Jährige dieFrauenleiche in seiner eigenen Wohnung auf dem Boden abgelegt und „mit Gegenständen überschüttet“ haben. Unter Zuhilfenahme von Verdünner und Lack als Brandbeschleuniger soll der Frauenleichnam dann in Brand geraten sein.

Datteln: Tatverdächtiger ist psychisch krank

Schnell wird klar, dass der 45-jährige Tatverdächtige an einer paranoid-halluzinatorischen Psychose erkrankt ist und er somit als nicht schuldfähig einzustufen ist. Schon nach der ärztlichen Erstversorgung am Tatort wurde der Mann in einer geschlossenen Psychiatrie-Einrichtung untergebracht. Die Staatsanwaltschaft hatte kurze Zeit später schon angekündigt, in einem Sicherungsverfahren zu prüfen, ob der Dattelner mit Blick auf die Geschehnisse als unberechenbar und als Gefahr für die Allgemeinheit einzustufen ist. Eineklassische Bestrafung des psychisch kranken Mannes ist von vorneherein ausgeschlossen.

Jetzt beginnt am Landgericht in Bochum der Prozess gegen den psychisch kranken Dattelner. Ihm droht die dauerhaft zwangsweise Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

Weitere Informationen zu diesem Fall lesen sie in der Printausgabe der Dattelner Morgenpost und in unserem ePaper. 

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